Ein Restaurantbesuch ohne Maske und Impfstatus: Könnte das nach der Omikron-Welle wieder zur Normalität werden?Foto: pondsaksit/iStock

Von der Pandemie zur Endemie: Forscher sieht „Licht am Ende des Tunnels“

Von 25. Januar 2022 Aktualisiert: 25. Januar 2022 11:30
Wird es mit Omikron zu einer Durchseuchung und Immunisierung der Bevölkerung kommen? Der Forscher Joe Wang ist davon überzeugt. Die neuesten Forschungsergebnisse geben ihm recht. Ein Kommentar.
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Anfang 1918, im letzten Jahr des Ersten Weltkriegs, infizierte das Influenza-A-Virus H1N1 Millionen von Menschen und löste die Spanische-Grippe-Pandemie aus. Im April 1920, nach vier Wellen und fast 100 Millionen Toten, war die Pandemie beendet. H1N1 war nicht mehr so tödlich und verursachte nur noch eine normale saisonale Grippe. Es war zu einem endemischen Virus geworden.

Wird sich die Geschichte wiederholen? Wird sich SARS-CoV-2 nach zwei Jahren der COVID-19-Pandemie und vier Wellen verschiedener Varianten zu einem endemischen Virus entwickeln?

Gute Aussichten

Vor Kurzem veröffentlichte ich den Meinungsartikel „Omikron könnte dabei helfen, die Pandemie in diesem Winter zu beenden“. Danach fragten mich Leser, ob ich zur Untermauerung meiner Behauptung, die Pandemie sei zu Ende, auf von Experten begutachtete Veröffentlichungen verweisen könnte. Da die Omikron-Welle gerade anhält, ist meine Prognose nichts anderes als eine fundierte Vorhersage. Aber die Aussichten sehen ziemlich gut aus.

In der vergangenen Woche wurden einige Forschungsarbeiten veröffentlicht, die in dieselbe Richtung weisen: Omikron breitet sich schnell aus, ist aber weniger pathogen. Da das Peer-Review-Verfahren Zeit braucht, wurde keine dieser Arbeiten vorab von unabhängigen Experten begutachtet. Die Daten sind jedoch zeitkritisch, deswegen beschlossen die Wissenschaftler, der Öffentlichkeit „live“ Zugang zu ihren Forschungsergebnissen zu gewähren.

Worauf deuten also die neuen Daten hin? Könnte die Ausbreitung von Omikron die Pandemie beenden? Wellen kommen und gehen. Um die letzte Welle zu sein, muss Omikron in der Lage sein, eine starke und lang anhaltende Immunität gegen potenzielle zukünftige Varianten anzuregen.

T-Zell-Immunität und Impfung

Die Hoffnung auf eine lang anhaltende Immunität beruht auf einer schützenden T-Zell-Reaktion. In meinem letzten Artikel führte ich eine Studie der Universität Kapstadt an. Aus ihr geht hervor, dass eine lang anhaltende T-Zell-Reaktion, die entweder durch eine Impfung oder eine natürliche Infektion ausgelöst wird, kreuzimmun gegen Omikron machen kann. 

Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass eine gut erhaltene T-Zell-Immunität gegen Omikron wahrscheinlich vor schweren COVID-19-Verläufen schützt, die durch andere Varianten verursacht werden.

Doch nicht alle T-Zell-Reaktionen sind gleich. In der Kapstadt-Studie wurde nicht zwischen den T-Zell-Antworten auf eine natürliche Infektion und auf eine Impfung unterschieden. Heute wissen wir, dass Impfungen mit Impfstoffen auf S-Protein-Basis zwar T-Zell-Reaktionen auslösen, diese aber keinen vergleichbaren langzeitigen Schutz induzieren. Das ist der Grund, warum es im November trotz der weltweit hohen Impfrate zu einer Omikron-Welle kam.

Stärkerer Schutz

Am 10. Januar veröffentlichte die Fachzeitschrift „Nature“ einen von Experten begutachteten Artikel mit dem Titel „Cross-reactive memory T cells associate with protection against SARS-CoV-2 infection in COVID-19 contacts“ (auf Deutsch etwa: „Kreuzreaktive Gedächtnis-T-Zellen können vor einer Ansteckung mit SARS-CoV-2 bei Kontakt zu COVID-19-Kranken schützen“). Der Artikel wurde vor fünf Monaten von Wissenschaftlern des Imperial College London bei „Nature“ eingereicht. 

Die Forscher untersuchten T-Zell-Epitope (sehr kleine Proteinfragmente) verschiedener SARS-CoV-2-Proteine (S, N, E und ORF1). Dabei schauten sie, ob die Epitope eine Kreuzreaktivität zu denen der humanen Coronaviren OC-43 und HKU1 aufweisen, die gewöhnliche Erkältungen verursachen.

Sie fanden viele verschiedene T-Zell-Epitope aus S-, N- und ORF1-Proteinen, die zwischen SARS-CoV-2 und humanen Coronaviren (huCoV) kreuzreaktiv waren. Die spezifische T-Zell-Antwort, die den Schutz auslöst, stammt jedoch von den Epitopen der N- und ORF1-Proteine, nicht vom S-Protein (Spike-Protein). Deswegen sollten COVID-19-Impfstoffe der zweiten Generation auch zusätzlich Nicht-Spike-Proteine enthalten, so das Fazit der Forscher.

Beim Durchlesen des Artikels fand ich weniger die Empfehlung der Wissenschaftler zur Entwicklung von Impfstoffen der nächsten Generation interessant als vielmehr ihre Studie über die Nicht-Spike-Proteine (N und ORF1) und die Kreuzreaktivität ihrer T-Zell-Epitope zwischen SARS-CoV-2 und huCoVs. Denn diese neue Information könnte Aufschluss darüber geben, welcher Schutz genau bei der T-Zell-Immunität zwischen SARS-CoV-2 und huCoVs besteht.

Mit anderen Worten: Wenn die N-Protein-Epitope nach einer Erkältung eine langfristige schützende T-Zell-Immunität gegen SARS-CoV-2 induzieren können, dann sollte eine Omikron-Infektion mit vielen N-Protein-Epitopen auch in der Lage sein, eine ähnliche T-Zell-Immunität auszulösen und einen stärkeren Schutz gegen künftige SARS-CoV-2-Varianten zu bieten.

Denn wenn man einen entfernten Cousin in einer Menschenmenge erkennen kann, dann kann man sicher auch den eigenen Bruder erkennen, der direkt neben einem steht.

Licht am Ende des Tunnels

Seit etwa einem Jahr reden Wissenschaftler darüber, dass das SARS-CoV-2 sich zu den anderen vier humanen Coronaviren als endemisches Virus gesellen könnte.

SARS-CoV-2 ist das siebte Coronavirus, das den Menschen infiziert. Es gibt MERS-CoV, das das Middle East Respiratory Syndrome verursacht, SARS-CoV und SARS-CoV-2, die das schwere akute respiratorische Syndrom verursachen, und die übrigen vier (OC43, HKU1, 229E und NL63) endemischen Viren, die Erkältungen verursachen.

In einer von Experten begutachteten Studie mit dem Titel „Immunological characteristics govern the transition of COVID-19 to endemicity“ („Immunologische Merkmale bestimmen den Übergang von COVID-19 zur Endemie“), die im Februar 2021 in der renommierten Fachzeitschrift „Science“ veröffentlicht wurde, stellten Wissenschaftler der Pennsylvania State University und der Emory University fest, dass alle humanen Coronaviren eine Immunität mit ähnlichen Merkmalen auslösen. 

Die COVID-19-Pandemie ist das Ergebnis einer menschlichen Bevölkerung, die zuvor noch nie mit SARS-CoV-2 in Berührung gekommen war. Sobald eine weitverbreitete Infektion (wie die Omikron-Welle) in der ganzen Welt auftritt, wird das Virus schließlich einen endemischen Charakter annehmen. Das bedeutet, dass es weiterhin zu Infektionen kommen kann, allerdings mit milderen Symptomen und einer wesentlich geringeren Sterblichkeit.

Es gibt zwei Gründe dafür, dass vor Omikron kein Übergang von einer Pandemie zu einer Endemie erfolgte: 1) alle weit verbreiteten Impfstoffe basieren auf dem Spike-Protein, das keine lang anhaltende, schützende T-Zell-Reaktion hervorruft; und 2) die natürliche Immunität war noch nicht weit genug verbreitet.

Laut der Studie in der Zeitschrift „Nature“ werden schützende (IL-2 ausgesonderte) T-Zellen durch eine SARS-CoV-2-Infektion ausgelöst. Folglich konnten wir vorhersehen, dass eine größere Verbreitung der Omikron-Infektion eine umfangreichere kreuzreaktive T-Zell-Immunität auslösen würde. Das würde folglich einen umfassenderen Schutz gegen mögliche zukünftige SARS-CoV-2-Varianten bieten. Dadurch können wir uns wahrscheinlich bald von der Pandemie verabschieden.

Wir sollten uns zwar darüber im Klaren sein, dass wir noch nicht über den Berg sind und immer noch Menschen leiden. Ich bleibe jedoch optimistisch, dass wir langsam das Licht am Ende des Tunnels sehen.

Wir müssen auch bedenken, selbst wenn wir uns von Corona verabschieden, werden wir wahrscheinlich nicht völlig frei von SARS-CoV-2 sein. Selbst an der saisonalen Grippe sterben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation jedes Jahr weltweit mehr als eine halbe Million Menschen. Auch ein endemisches Virus wird wahrscheinlich die Gesundheitssysteme weltweit bis zu einem gewissen Grad zusätzlich belasten.

Zum Glück kann Omikron, wie ich bereits in meinem vorherigen Artikel erwähnt habe, als attenuierter Impfstoff (Lebendimpfstoff) betrachtet werden, der unter allen Impfstoffen eine sehr gute Erfolgsbilanz aufweist. Es gab etwa elf Krankheiten, gegen die Lebendimpfstoffe in großem Umfang eingesetzt wurden, zum Beispiel Masern, Mumps, Windpocken und Polio. Bislang hat sich keine dieser Krankheiten nach jahrzehntelanger Impfung unkontrolliert ausgebreitet.

Hoffentlich verhält sich Omikron wie seine anderen Lebendimpfstoff-Vettern. Und mit etwas Glück werden in Zukunft keine weiteren SARS-CoV-2-Varianten auftauchen, die wieder zu einer Pandemie führen.

Dr. Joe Wang war 2003 leitender Wissenschaftler für das SARS-Impfstoffprojekt des Pharmaunternehmens Sanofi Pasteur. Heute ist er Präsident des Fernsehsenders New Tang Dynasty TV (Kanada), einem Medienpartner der Epoch Times.

Dieser Artikel erschien im Original auf The Epoch Times USA unter dem Titel: Goodbye Pandemic, Hello Endemic (deutsche Bearbeitung von as)

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.


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