Der Selbstversorgergarten im Mai: Alle Sommerkulturen müssen raus!

Von 3. Mai 2020 Aktualisiert: 1. Mai 2020 16:11
Im Mai müssen wir „die Hose flattern lassen“, wie mir ein Gärtnerfreund einmal zugerufen hatte, denn nun geht die Arbeit nach der Winterpause richtig los. Ein Gärtnermeister rät, was nun im Mai im Kleingarten zu tun ist.

In Notzeiten lohnt es sich, einen Blick auf ursprüngliche Lebensweisen zu nehmen, denn existentielle Fragen kommen in den Vordergrund: Wie beschaffe ich mir gute Nahrung, wie kann ich sie bevorraten, habe ich gutes Trinkwasser zur Verfügung und andere. Natürlich sind wir aktuell in der Corona-Pandemie noch gut versorgt, doch stehen wir vor einer ungewohnten Situation und keiner kann sie vollständig und richtig einschätzen. Als motivierte Hausgärtner können wir meiner Meinung nach einige dieser Fragen gut lösen, wenn wir mit grundlegenden gärtnerischen Techniken vertraut sind.

Die Eisheiligen (11. bis 15.5.) warten wir wegen der Frostgefahr noch ab, aber dann müssen die Sommerkulturen raus, sie müssen in die Beete gepflanzt werden. Zumeist handelt es sich um starkzehrende Pflanzen aus der Familie der Nachtschatten- oder Kürbisgewächse. Wir müssen sie bei der Pflanzung gut mit Nährstoffen versorgen.

Organisch düngen

Am besten gelingt die Nährstoffversorgung der Sommergemüse mit einem selber produzierten Mischkompost aus Küchenabfällen, Laub, Grasschnitt, Holzasche, Kleinviehmist und sonstigen Gartenabfällen. Im Vorjahr kompostiert und umgesetzt erhalten wir einen sehr guten Dünger. Dies ist besonders vorteilhaft, wenn wir keinen guten Gartenboden zur Verfügung haben, denn ein lebendiger Kompost kann solche Defizite ausgleichen.

Wenn wir noch keinen eigenen Kompost zur Verfügung haben, können wir beim städtischen Kompostwerk Grünschnittkompost besorgen, damit habe ich in Übergangszeiten gute Erfahrungen gemacht. Natürlich ist ein abgesessener tierischer Mistkompost vom Bio-Bauern auch perfekt.

Da pflanzliche Komposte meistens nicht so stickstoffhaltig sind, nutze ich zusätzlich einen zugekauften organischen Dünger. Kuhmist-Pellets oder Hornmehl funktionieren gut. Wer pflanzlich düngen möchte, könnte sich Bohnenschrot oder Rizinusschrot besorgen. Im Laufe des Sommers mit Brennnesseljauche zu düngen, ist auch sehr gut.

Bewässern und Mulchen

Je nach Beschaffenheit unseres Gartenbodens benötigen wir viel Wasser oder weniger Gießwasser für unser Gemüse. Ein Sandboden kann das Wasser nur schlecht halten, während ein toniger Boden sogar zu nass sein kann. So oder so – wir werden auf jeden Fall im Sommer genügend Wasser zur Verfügung stellen müssen. Ich bin sehr froh darüber, das der Vorbesitzer unseres Gartens einen einfachen Brunnen hat installieren lassen, so können wir das Untergrundwasser kostenlos zum Gießen nutzen.

Da wir nur einen sandigen Gartenboden zur Verfügung haben, hat sich unter den Sommerkulturen zusätzlich eine Mulchschicht mit Grasschnitt und Herbstlaub bewährt. Sie düngt und beschattet den Boden, hält das Wasser und verdrängt die Unkräuter.

Pflanzung und richtige Abstände

Da die Sommerkulturen, wie schon oben beschrieben, fast ausnahmslos zu den Starkzehrern zählen, gebe ich gleich bei der Pflanzung eine gute Schippe Kompost und eine Handvoll Mist-Pellets in das Pflanzloch. Frischen Mist sollten sie hingegen nicht an die Wurzeln bringen, das wäre zu scharf. Da ich nicht auf Höchsterträge aus bin, ist diese Düngung für die Sommersaison ausreichend. Wenn wir unbedingt mehr düngen wollen, werden die Pflanzen triebiger und neigen zu pilzlichen Blatterkrankungen. Mir ist es lieber, gesunde und langlebige Pflanzen im Garten zu haben.

Achten Sie unbedingt auf die richtigen Pflanzabstände. Tomaten sollen zum Beispiel sehr luftig stehen und die Blätter möglichst trocken bleiben (50 cm und mehr in der Reihe ist gut). Stehen die Pflanzen zu eng, so können sie nicht schnell genug abtrocknen. In der Regel ist es für die meisten Gemüse gut, wenn sie nicht zu dicht stehen und gut durchlüftet sind.

Die wichtigsten Reihen- und Pflanzabstände:

Gurke: 150 cm x 50 cm
Zucchini: 150 cm x 80 cm
Kürbis: 150 cm x 100 cm

Tomaten: 80 cm x 60 cm
Auberginen: 60 cm x 60 cm
Paprika: 40 cm x 45 cm

Aufleiten und Stützen

Ein weiteres Thema ist das Aufleiten der Pflanzen. Während Kürbisse und Landgurken gerne auf dem Boden verbleiben, sollten wir Tomaten besser aufleiten. Dazu gibt es Pflanzstäbe im Gartenmarkt zu kaufen, es können auch einfache Holzstäbe verwendet werden, an die wir die Pflanzen locker anbinden.

Paprika, Auberginen und Physalis brauchen mit zunehmender Größe ein Stützsystem, da die Äste leicht abbrechen. Mit Bambusstäben und Schnüren sollten wir sie bei Bedarf rechtzeitig stützen.

Geschützter Anbau

Wenn wir gerne wohlgezüchtete Schlangengurken anbauen wollen (Gärtner sprechen von der Königskultur), müssen wir uns überlegen, wie wir sie vor Wind und starker Sonneneinstrahlung schützen können. Auch lieben die Gurkenpflanzen generell eine höhere Luftfeuchtigkeit. Ein Gewächshaus als Standort ist in dem Fall das Mittel der Wahl, ansonsten kann der Anbau dieser sensiblen Pflanzen sehr schwierig sein.

Auch Tomaten sind im Gewächshaus sicherer angebaut, da wir so die Blätter vor Regen schützen und trockener halten. Bei Tomaten kann sehr schnell die Kraut- und Braunfäule in den Blättern auftauchen. Profis sagen: Wenn das Tomatenblatt bei Sommertemperaturen länger als 3 Stunden nass ist, können die Pilzsporen in das Blatt eindringen. In Hausgärten sieht man daher oft über den Tomaten kleine selbstgebaute Dachkonstruktionen, um sie trocken zu halten.

Wenn sie sich für den Bau eines Gewächshauses entschieden haben, so würde ich ihnen raten, einen einfachen Folientunnel zu wählen. Der Preis ist viel niedriger als bei einem Glasgewächshaus. Außerdem können sie es nach ein paar Jahren leicht abbauen und an einer andern Stelle wieder aufbauen, wenn der Boden salzig und müde geworden ist.

Permakultur

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Ein Wort noch zur modernen Permakultur-Philosophie: Als staatlich geprüfter Gärtnermeister musste ich immer wieder ein bisschen schmunzeln, wenn ich die verspielten Anbauversuche von Permakulturfreunden gesehen hatte, es kommt ja kein protziger Ertrag zustande. Zunehmend und gerade in Hinsicht auf eine effektive Selbstversorgung gefällt mir aber der Grundgedanke einer nachhaltigen, eng ineinander verzahnten Anbauweise doch immer mehr. „Permakultur“ kommt ja von „permanent agriculture“, also liegt das Augenmerk nicht auf dem schnellen, sondern langfristigen Erfolg.

Eine traditionelle Gemüsepflanze, die sehr gut in dieses Konzept passt, ist der Topinambur. Vor wenigen Tagen habe ich wieder einige Knollen davon in meinen Garten gelegt. Wir können diese Pflanze mehrere Jahre auf dem Beet stehen lassen und immer wieder Knollen aus dem Boden ernten. Topinambur ist sehr anspruchslos und kann auch einfach einmal beim Gießen vergessen werden. Ich esse die Knollen gerne in der Gemüsesuppe.

Eine weitere mehrjährige Pflanze ist der Rhabarber. Jedes Jahr kommt er aufs Neue aus dem Boden heraus und kann mehrere Monate beerntet werden. Ein schöner Rhabarberkuchen oder Kompott ist doch etwas sehr Leckeres.

Besorgen Sie sich jetzt Topinamburknollen und Rhabarberpflanzen für Ihren Garten und erfreuen Sie sich viele Jahre daran!