IfW-Chef: Deutsche Corona-Datenerhebung weder zielgerichtet noch verlässlich

Von 21. August 2021 Aktualisiert: 21. August 2021 23:46
Die Vorwürfe wiegen schwer, die der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft, Gabriel Felbermayr, an die Bundesregierung adressiert: Die Statistiken, auf deren Grundlage die massiven Corona-Einschränkungen beschlossen wurden, seien unzuverlässig.

Inzidenzen, Infizierte, die Belegung der Intensivstationen, die Zahl der an oder mit dem Virus Verstorbenen – und auch die Impfquote: Bei sämtlichen wichtigen Corona-Parametern hatten weder die Bundesregierung noch das Robert Koch-Institut valide Daten, die die Freiheits- und Grundgesetzeinschränkungen gerechtfertigt hätten. Jüngstes Beispiel sind die Impfquoten-Zahlen, bei deren Interpretation das laut Robert Koch-Institut eine „gewisse Unsicherheit“ einräumt.

Demnach könnten Meldungen im sogenannten Digitalen Impfquotenmonitoring (DIM) die eigentlichen Impfquoten deutlich unterschätzen: Eine Umfrage der Marktforscher von Appinio kommt laut „Bild“-Zeitung auf einen Wert von 72 Prozent – deutlich mehr als die bisher offiziell erfassten gut 63 Prozent. Eine Umfrage bekräftigte die Zweifel.

Danach erklärten 75 Prozent der 18- bis 59-Jährigen in einer repräsentativen Befragung von Infratest dimap in Kooperation mit dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung bis zum 13. Juli, sie hätten ihre erste Spritze bereits erhalten. Dies waren 16 Prozentpunkte mehr, als die offizielle RKI-Statistik zum selben Zeitpunkt auswies.

Nicht nur dieses Chaos hätte IfW-Chef Gabriel Felbermayr zufolge verhindert werden können. „Deutschland könnte umfassende, genaue Daten zur Pandemie erheben: vom Infektionsgeschehen bis zum Impfen. Anhand dieser Daten könnte die Politik zielgerichtete Maßnahmen ergreifen“, sagte der Wirtschaftswissenschaftler dem „Spiegel“. „Aber die systematische Datenerhebung ist politisch nicht gewollt. Das ist frustrierend.“

„De facto wurden wir aufs Abstellgleis geschickt“

Der Professor für Volkswirtschaftslehre wirft der Bundesregierung vor, bewusst auf eine bessere Datenerhebung zu verzichten. Schon im Frühjahr 2020 hatte das Institut für Weltwirtschaft in Kooperation mit dem Bremer Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie und anderen Institutionen der Bundesregierung ein Konzept für ein Corona-Screening vorgelegt – ohne Erfolg.

„De facto wurden wir aufs Abstellgleis geschickt“, moniert Felbermayr. Dabei hätte sich mit diesem Screening herausfinden lassen, wie viele Menschen in Deutschland wirklich gerade infiziert sind – unabhängig davon, ob sie Krankheitssymptome zeigen. „Doch letztlich konnten die Ministerien kein entsprechendes Budget bereitstellen,“ meint Felbermayr im Gespräch mit dem „Spiegel“, „oder sie wollten es nicht.“

Die daran anschließende Vermutung des IfW-Präsidenten lässt aufhorchen, könnte sie doch ebenso von einem dezidierten Kritiker der Corona-Maßnahmen stammen: „Vielleicht gab es sogar die Sorge, dass bei solchen repräsentativen Tests zu Pandemiebeginn relativ niedrige Infektionszahlen herauskommen könnten.“

Dass sich das Kabinett von Bundeskanzlerin Angela Merkel so kurz vor der Wahl auf ein Screening einlässt, um ein umfassendes Datenbild zu erheben, bezweifelt der Ökonom, der Anfang Oktober das in Kiel angesiedelte IfW in Richtung Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung verlassen wird. „Dann kommen am Ende Informationen heraus, die man nicht kontrollieren kann oder die vielleicht sogar Politikversagen belegen könnten.“



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