“Was hier fehlt, sind die Handschellen”: Internet-User sahen in Pan Shiyis Fernsehauftritt eine Propaganda-Aktion wider Willen.Foto: Scrreenshot CCTV /Epoch Times

China: Berühmter Blogger gibt Propaganda-Interview

Von 13. September 2013 Aktualisiert: 13. September 2013 9:48

Die Anti-Blogger-Aktion des chinesischen Regimes nimmt neue Züge an. Erst kürzlich hatte die KPCh ein Gesetz veröffentlicht, wonach Blogger, die auch nur einen “verleumderischen“ Tweet im Internet posten mit bis zu 3 Jahren Haft bestraft werden können – sofern der Post ein großes Publikum erreicht. In einem Fernseh-Interview äußerte sich nun ein bekannter Immobilien-Mogul positiv zur Bestrafung von “verleumderischen Posts” im Internet.

Ein Mann mit 16 Millionen Followern

Pan Shiyi ist selbst ein “Big V”, das heißt, einer jener Prominenten, die einen verifizierten Account auf der Twitter-ähnlichen Plattform Weibo besitzen. Mit 16 Mio. Followern ist Pan eine einflussreiche Online-Persönlichkeit. Er gehörte zu den allerersten Weibo-Usern bei der Einführung von Weibo 2009.

Weibo öffentlicher Raum, der Kontrolle braucht“

Im Interview mit dem staatlichen Sender CCTV sagte Pan nun, Weibo sei “ein öffentlicher Raum, der Kontrolle und Regeln braucht. Leute die dort Gerüchte und Verleumdungen verbreiten sollten betraft werden.”

Ein 15 minütiger Fernseh-Talk

In dem 15 Minütigen Interview wurden ihm eine Reihe von Fragen gestellt, die er versuchte möglichst diplomatisch zu beantworten. Zunächst ging es darum, ob Weibo ein öffentlicher Raum zu betrachten sei, ähnlich einer Bushaltestelle oder einer Straße. Pan stimmte zu – Weibo sei praktisch das gleiche. “Wenn der Missbrauch ein bestimmtes Ausmaß übersteigt, dann sollte es strafrechtliche Folgen haben.”

Er stotterte beim Thema „prominente Blogger“

Pan wurde auch nach der sozialen Verantwortung der „Big V“ gefragt. Er sagte: “Wenn man etwas postet, dann kann das Zehntausende Menschen erreichen, hinter denen wiederum Millionen Follower stehen. Ich denke, als Big V hat man eine Menge Fans. Man sollte selbstdiszipliniert sein und kann es nicht so lax handhaben.”

Bei dieser Antwort stammelte er leicht, was die Internetgemeinde mit großer Aufmerksamkeit wahrnahm. Dabei ist Pan für ein leichtes Stottern bekannt.

Interview wider Willen?

Auf seinem Weibo-Account beschrieb er dann, wie er sich vor dem Interview gefühlt hätte: “Gestern abend rief ich einen befreundeten Big V an und sagte ihm, dass mich CCTV interviewen will über die neuenAuslegung des Strafgesetzbuchs [online Selbstzensur]. Ich sagte, ich bin sehr nervös. Was soll ich denen erzählen? Er sagte: Lass dich auf keinen Fall interviewen! Ich: Zu spät. Sie stehen schon in 20m Entfernung neben mir.” Er: Dann sag einfach, dass es verabschäuungswürdig ist, Gerüchte zu verbreiten.”

Pan gibt sich unpolitisch

Pan hat sich in den letzten Monaten auf seinem Blog nicht politisch geäußert. In Interviews nahm er immer eine neutrale Haltung ein und gab sich nie direkt als Befürworter oder Gegner des Regimes zu erkennen. Sein CCTV-Interview wurde heftig im Internet diskutiert. Weibo-User Ban Zha kommentierte: “Ich dachte mir gleich, da fehlt was … Genau! Da haben die Handschellen gefehlt.”



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