Michael Shellenberger.Foto: JAMES ARTHUR GEKIERE/AFP via Getty Images

Öko-Rebell Shellenberger: Klima-Alarmisten hängen „evangelikaler, fundamentalistischer Religion“ an

Von 25. Juli 2020 Aktualisiert: 26. Juli 2020 8:55
Obwohl das „Forbes“-Magazin einen Artikel von ihm wegen angeblicher Eigenwerbung wieder entfernt hatte, verkauft sich das Buch des Klima-Alarmismus-Kritikers Michael Shellenberger wie warme Semmeln. In diesem tritt er mehreren Dogmen der Öko-Bewegung entgegen.

Das Forbes-Magazin mag sich dem Druck der „woken“ Community gebeugt und einen Artikel des langjährigen Öko-Aktivisten Michael Shellenberger offline gestellt haben. Offiziell lautete die Begründung, dieser habe darin Self-Promotion betrieben. In der Verkaufswertung der Amazon-Sachbücher belegt sein jüngst erschienenes Buch „Apocalypse Never: Why Environmental Alarmism Hurts Us All” der „Daily Mail“ zufolge dennoch jetzt schon Platz 7.

Shellenberger, der seit mehr als 30 Jahren als Umweltaktivist aufgetreten ist, hatte sich begleitend zu seiner Buchveröffentlichung auf dem Blog seines Instituts „Environmental Progress“ erklärt, er wolle sich im Namen von Umweltschützern weltweit „in aller Form für die Klima-Angst entschuldigen, die wir über 30 Jahre hinweg erzeugt haben“.

Shellenberger 2008 von „Time“ zum „Helden der Umwelt“ erklärt

Der 2008 vom „Time“-Magazin zum „Helden der Umwelt“ ernannte und vom US-Kongress als Experte zum Gegenlesen des nächsten Zustandsbericht des Weltklimarates (IPCC) bestellte Shellenberger bestreitet weder den Klimawandel noch dass menschliches Verhalten diesen beeinflussen könne.

Allerdings widerspricht er einer Vielzahl an Dogmen, die sich über Jahrzehnte hinweg in der Ökologiebewegung und dank deren dominanter Rolle in Medien, Politik und Gesellschaft auch in der Öffentlichkeit festgesetzt hatten.

Insbesondere widerspricht er den Darstellungen von Gruppen wie „Fridays for Future“, „Extinction Rebellion“ oder auch dem jüngst durch Kritik an der Förderung von Alternativenergie aufgefallenen Journalisten Michael Moore, der „Kapitalismus“, das Wirtschaftswachstum oder eine angebliche Überbevölkerung wären ein Problem für die Umwelt.

Shellenberger macht deutlich, dass gerade dort, wo es viel Armut gebe, die Umweltsituation am schlimmsten sei – und dass innovationsfeindlicher Alarmismus und Untergangsrhetorik die denkbar schlechteste Strategie darstellten, um die Lage zu verbessern.

„Ökologischer Umbau“ nach Alarmisten-Art würde vor allem Flächen verbrauchen

Shellenberger erklärt, es sei kontraproduktiv, ganze Volkswirtschaften mit der Brechstange auf Solar- und Windenergie umrüsten zu wollen, weil diese einen extrem hohen Platzbedarf hätten und dafür Wald- und Ackerflächen weichen müssten. Außerdem sei es zu begrüßen, wenn wirtschaftliches Wachstum im Entwicklungsländern immer mehr Menschen in die Städte treibe – weil dies einen Gewinn an Landflächen zu ökologischer Nutzung zur Folge hätte.

Der Umweltaktivist widerspricht auch Darstellungen wie jenen, dass der Klimawandel zu einem „massenhaften Artensterben“ führen würde oder dass Kohlenstoffemissionen in den Industrieländern steigen würden. Shellenberger vertritt die Ansicht, dass das Verbrennen von Holz – auch im Zusammenhang mit Pellet-Heizungen – die ökologisch am meisten problematische Form von Energiegewinnung sei.

Stattdessen solle der Fokus auf die Kernenergie gelegt werden: Eine vollständige Umstellung der Energieversorgung auf Erneuerbare wäre extrem umweltschädlich, weil statt 0,5 Prozent der Landfläche, wie es heute der Fall sei, 50 Prozent mit Windrädern oder Solarpanels bestückt werden müssten.

Luftverschmutzung und Kohlenstoffemissionen könnten demgegenüber vor allem dann verhindert werden, wenn man bei der Versorgung von Holz zu Kohle, von dort zu Öl, von Öl zu Erdgas und von Erdgas zu Uran übergehe.

NGOs wollen „Armut nachhaltig machen, statt sie zu beenden“

Zudem würde Vegetarismus die Emissionen des Durchschnittsbürgers nur um weniger als vier Prozent senken – während eine Zwangsökologisierung der Viehwirtschaft das Zwanzigfache an Weideland und 300 Prozent mehr an Emissionen nach sich ziehen würde.

Statt Armut zu beenden, so Shellenberger, versuchten linke Organisationen, die UNO oder diverse NGOs, diese „nachhaltig“ zu gestalten. Als Ideal gelte die antikapitalistische Postwachstumswirtschaft, die bedeuten würde, Entwicklungsländer gewaltsam im 18. oder 19. Jahrhundert festzuhalten. Stattdessen solle deren Entwicklung vielmehr vorangetrieben werden, auch wenn dies kurzfristig einen höheren CO2-Ausstoß zur Folge habe.

Im Gegenzug würden mehr Menschen in die Städte gehen und Landgebiete verlassen. Zudem würde mehr Wohlstand in den ärmeren Ländern diesen mehr Spielraum schaffen, um in ökologisch sinnvolle Projekte zu investieren.

Klima-Alarmismus zur fanatischen Religion geworden

Die Klimadebatte der letzten Jahre sei außer Kontrolle geraten, beklagt Shellenberger, und der Alarmismus nehme der Wissenschaft Glaubwürdigkeit, während er arbeitende Menschen in ihrer Gewissheit stärke, dass die Ökologiebewegung gar kein Interesse an ihren Lebensumständen hätte.

Er habe „die Nase voll von den Übertreibungen, dem Alarmismus und dem Extremismus, die der Feind eines positiven, humanistischen und rationalen Ökologismus sind“, so Shellenberger. Die größten Apokalyptiker rund um Umwelt und Klima seien „diejenigen, die sich gegen die besten und offensichtlichsten Lösungen sperren“.

Die Vehemenz, mit der viele „Klimaschutz“-Aktivisten unzutreffende und widerlegte Auffassungen inklusive eines apokalyptischen Weltbildes verteidigten, erklärt Shellenberger mit einem Bild vom Klimawandel, das dem einer „evangelikalen, fundamentalistischen Religion“ gleiche, die auf rationale Argumente nicht reagiere.

Es bediene ein Grundbedürfnis, etwas zu haben, an das man glauben könne, und dessen Gläubige können sich selbst davon überzeugen, einem höheren Ziel zu dienen – in diesem Fall der „Rettung des Planeten“.

Die Klima-Alarmisten seien „im Griff einer Religion, und sie wissen es nicht“.


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