Weg vom russischen Gas: Österreich will Alternative mit neuer Pipeline

Österreich bezieht sein Gas weiterhin überwiegend aus Russland. Das will die Regierung in Wien jetzt mit einer neuen Pipeline ändern. Künftig soll ein benachbartes Land verstärkt Gas liefern.
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Die Wiener Regierung will jetzt mit Hochdruck eine neue Gaspipeline errichten.Foto: iStock
Von 3. März 2024

Bei der Versorgung mit Erdgas ist Österreich weiterhin stark abhängig von Russland. Im Dezember 2023 stammten laut Statista rekordverdächtige 98 Prozent aller Nettogasimporte des Alpenlandes von dort.

Allerdings will sich die österreichische Regierung nun von dieser Abhängigkeit lösen. Dabei soll der Bau der West-Austria-Gasleitung – einer Pipeline zwischen Österreich und Deutschland – helfen, anderes Gas zu beziehen.

Das Projekt, auch WAG Loop 1 genannt, ist seit einigen Jahren festgefahren, wie „Euractiv“ berichtet. Das Problem sei die Finanzierung. Die will nun die Wiener Regierung mit Mitteln aus der Staatskasse mittragen.

Bund beteiligt sich an den Kosten

200 Millionen Euro soll die Pipeline kosten, die die oberösterreichischen Gemeinden Oberkappel und Bad Leonfelden miteinander verbindet. Oberkappel liegt direkt an der Grenze zu Deutschland. Der österreichische Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP/EVP) teilte hierzu kürzlich mit: „Wer die Kosten trägt, ist geklärt. Jetzt geht es tatsächlich um die Umsetzung.“ Das Projekt befinde sich in der letzten Phase.

Nach Angaben des „Kurier“ wolle sich der Bund mit rund 70 Millionen Euro an den Kosten beteiligen. Für die Regierung in Wien sei die Gasversorgung ein prioritäres Thema. Deshalb steuere das Finanzministerium „Mittel aus dem Budget zur Verfügung“, sagte Nehammer.

Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) hatte vorab bereits zugesichert, dass das Energieministerium über die nötigen Finanzmittel verfüge.

Energieministerin Leonore Gewessler (Grüne) fügte hinzu: „Eine unverzügliche Umsetzung des Pipeline-Ausbaus in Oberösterreich ist wichtig für die heimische Versorgungssicherheit. Wir sind zufrieden, dass das Finanzministerium nun zusätzliche 70 Millionen Euro zur Verfügung stellt, um den Bau zu beschleunigen.“

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Der WAG Loop 1 zwischen Oberkappel (nahe bei Deutschland) und Bad Leonfelden (Österreich). Foto: Gas Connect Austria

Gas soll aus Deutschland kommen

Mit der rund 40 Kilometer langen Pipeline soll das Land künftig mehr Gas aus Deutschland beziehen, um so die Importmenge von Russlandgas zu senken. Österreich erhofft sich durch den WAG Loop 1 eine 30-prozentige Steigerung der Importkapazität zwischen Deutschland und Österreich.

Inwieweit Deutschland genügend Gaskapazitäten für eine größere Exportmenge hat, bleibt abzuwarten. Derzeit hat Deutschland keine Gasmangellage und kam bisher gut durch den Winter. Es droht in der Bundesrepublik derzeit keine Gasmangellage. Die Füllstände der deutschen Gasspeicher liegen bei durchschnittlich 68,5 Prozent (Stand: 2. März 2024).

Laut Nehammer dauere der Bau einer solchen Pipeline ein bis zwei Jahre. Nach einer Pressemitteilung des Fernleitungsnetzbetreibers Gas Connect Austria dauert das gesamte Projekt insgesamt dreieinhalb Jahre. Somit würde Deutschland frühestens 2027 seine Gasexporte an das Alpenland erhöhen.

Österreich will aus dem Vertrag raus

„Wir müssen uns darauf vorbereiten, dass es Krisen geben kann, denen zu begegnen ist“, warnte Nehammer. Das trete ein, wenn etwa kein russisches Gas mehr kommt, berichtet „Energy News Magazine“. Für diesen Fall habe die türkis-grüne Koalition jetzt schon Vorsorge getroffen.

„Um aber tatsächlich abgesichert zu sein, benötigen wir eine zusätzliche Pipeline“, so der Kanzler. Dadurch solle Österreich zusätzliches Flüssiggas oder norwegisches Gas erhalten können. Und in Zukunft könne dann auch Wasserstoff durch die Pipeline strömen, betonte Nehammer.

Ein Ausstieg aus dem bisherigen Langzeitgasvertrag mit Russland ist allerdings nicht so einfach möglich. Nehammer wies darauf hin, dass die OMV den Vertrag abgeschlossen hatte. Dieser endet erst im Jahr 2040.

Steige ein Vertragspartner aus, verlange dies eine Bewertung. Es ergebe sich die Frage, „wie viel das dann tatsächlich kostet“, so Nehammer. Bis jetzt gebe es kein Embargo auf russisches Gas.

Bei einseitigen Änderungen der Verträge stehe eine Schadensersatzpflicht zur Debatte. „Das kann mit hohen Kosten verbunden sein.“ Gewessler prüfe hierfür alle anfallenden Kosten. Anschließend könne Österreich „den Ausstieg aus russischem Gas vorbereiten“.

Gas Connect Austria begrüßte die Finanzspritze durch den Bund, wie „News.at“ berichtet. „Wir freuen uns, dass die Bundesregierung die Notwendigkeit des Projekts für die Versorgungssicherheit sieht“, sagten die Geschäftsführer Stefan Wagenhofer und Harald Stindl. Sie erwarten bereits die „nächsten wesentlichen Meilensteine“.

Neben einer „Anpassung des Tarifsystems an die aktuellen Marktgegebenheiten“ sollen zudem die „Klärung der gesamten Finanzierung des Projekts und die Prüfung durch die EU-Kommission in Brüssel“ erfolgen.



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