Corona-Krise in Schweden.Foto: STINA STJERNKVIST/TT News Agency/AFP via Getty Images

WHO gesteht Fehler ein: Schweden könnte mit Corona-Strategie richtig liegen

Epoch Times1. Juli 2020 Aktualisiert: 1. Juli 2020 11:58
Die WHO musste einen Fehler zugeben: Schweden wurde von der Gesundheitsorganisation zu Unrecht als Risikoland eingestuft. Der Chefberater der Regierung in Stockholm, Anders Tegnell, sprach vergangene Woche von einer "totalen Fehlinterpretation" der schwedischen Daten.

Schweden hat empört auf die Einstufung als Risikoland durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) reagiert. Der Chefberater der Regierung in Stockholm, Anders Tegnell, sprach vergangene Woche von einer „totalen Fehlinterpretation“ der schwedischen Daten. Der Regionaldirektor der WHO für Europa hatte Schweden am Vortag unter elf Ländern aufgelistet, die mit einem gefährlichen Wiederaufflammen der Infektionen konfrontiert seien.

Geschähe nichts, könnte der Anstieg die Gesundheitssysteme „erneut an den Rand ihrer Belastungsgrenze führen“, warnte die WHO. Die anderen Länder auf der Liste sind hauptsächlich ärmere Nationen in Osteuropa und Zentralasien.

Chefepidemiologe Tegnell warf der WHO vor, einen großen Fehler gemacht zu haben. „Wir haben einen Anstieg der Fälle, weil wir in Schweden in der letzten Woche begonnen haben, viel mehr zu testen“, sagte er. Alle Parameter deuten darauf hin, dass die Zahl der schweren Fälle sinke. „Die Zahl der Einweisungen auf die Intensivstation ist auf einem sehr niedrigen Niveau“, sagte Tegnell.

Schweden war in der Pandemie einen anderen Weg gegangen als die anderen europäischen Staaten und hatte auf strikte Corona-Beschränkungen verzichtet.

WHO gesteht Fehler ein

Die WHO musste nun auch eingestehen, dass Schweden zu Unrecht als Risikoland eingestuft wurde. Die Organisation schrieb nach Tegnells Kritik laut „Bloomberg“ E-Mails an schwedische Medien. Darin erkannte sie an, dass der Anstieg auf die ausgedehnten Tests seit Anfang Juni zurückzuführen ist. Der Anteil der positiven Tests sei insgesamt stabil bei zwölf bis 13 Prozent geblieben. Die Ansteckungsraten in Schweden sind somit stabil.

Die kontinuierlich sinkenden Todeszahlen und rückläufigen Intensivbehandlungen von Covid-19-Patienten bestätigen auch, dass Schweden die Kontrolle über die Pandemie hat. Deshalb schrieb die WHO in der E-Mail: Schweden es sei durch Einbindung der Gesellschaft gelungen, die Verbreitung auf einem Niveau zu halten, das das Gesundheitssystem bewältigen könne.

Das anfängliche Statement der Organisation wurde allerdings nicht umgeschrieben. Es wurde lediglich die Liste mit den elf Risikoländern um eine Fußnote ergänzt. Darin werden die in Schweden sinkenden Zahlen bestätigt.

„Ich freue mich auf eine ernsthaftere Bewertung unserer Arbeit, als das bisher geschehen ist“, sagte Tegnell diesbezüglich in einem Podcast des schwedischen öffentlichen Rundfunks, so „Bloomberg“. Aktuell gebe es noch keine Möglichkeit zu erfahren, wie die Sache endet – also ob die Strategie von Schweden richtig oder falsch ist.

Tegnell argumentierte stets, dass sich die Welt erst in der ersten Phase eines langen Kampfes gegen Covid-19 befindet. Deshalb sei Schwedens Strategie auf lange Sicht der einzig realistische Weg, damit umzugehen. Die Regierung hat dem Land keinen Lockdown verordnet. Der Großteil der Gesellschaft ist offen, aber die Menschen würden darauf trainiert sich an die distanzierenden Richtlinien zu halten, sagte er.

Schweden könnte besser dastehen als Länder mit Lockdowns

William Hanage, Epidemiologe an der Harvard’s School of Public Health in Boston, sagte: Schwedens Politik in Bezug auf die Corona-Pandemie sei ungewöhnlich, da sie einen viel weniger strengen Ansatz zur Verhinderung der Übertragung verfolgte. In einem sehr frühen Stadium der Pandemie habe das Land dies bereits umgesetzt, noch bevor sich die Seuche in der Gemeinschaft groß ausbreiten konnte.

Schwedens Umgang mit dem Virus könnte nachhaltiger sein, als die scharfen Maßnahmen in anderen Ländern, so Hanage. Der Lockdown in anderen EU-Ländern sei eine Antwort auf eine drohende Überlastung von Gesundheitssystemen gewesen. Damit sei das Ziel verfolgt worden, so viele Infektionsketten so schnell wie möglich zu unterbrechen, betonte der Epidemiologe.

Ob der schwedische Weg der bessere ist, lasse sich erst nach der Pandemie sagen. Das Land könne möglicherweise letztlich besser dastehen als die meisten anderen europäischen Länder. (so/afp)

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