Trotz Widerstandes: Erstes LNG-Terminal-Schiff im Hafen von Mukran eingetroffen

Während sich Einwohner, Unternehmer, Kommunalpolitiker als auch Vereine und Verbände weiter gegen die Flüssigerdgas-Pläne der Bundesregierung auf Rügen (Mecklenburg-Vorpommern) stemmen, hat das erste LNG-Regasifizierungsschiff den Hafen von Mukran erreicht.
Titelbild
Ein Regasifizierungsschiff bei seiner Ankunft im Hafen.Foto: Fabian Bimmer/ Pool/AFP über Getty Images
Von 27. Februar 2024

Das erste von geplanten zwei Regasifizierungsschiffen, das als schwimmendes Terminal für Flüssigerdgas (LNG) im Hafen Mukran stationiert werden soll, hat die Ostseeinsel Rügen erreicht. Am 24. Februar legte die fast 300 Meter lange „Energos Power“ nahe Sassnitz im Nordosten der Insel an. Das Spezialschiff habe den Industriehafen erreicht und am speziell ertüchtigten Liegeplatz 12 festgemacht, teilte der künftige Betreiber des Terminals, die Deutsche ReGas, mit.

Damit beginnen den Angaben zufolge nun auch die Vorbereitungen für den Probebetrieb. So sollen unter anderem Datenverbindungen hergestellt und erste Sicherheitsüberprüfungen gemacht werden.

Nach Angaben des Unternehmens hat das Schiff norwegisches LNG geladen. Das Schiff soll im Hafen von Mukran künftig LNG von anderen Tankern aufnehmen, wieder in einen gasförmigen Zustand versetzen und in eine rund 50 Kilometer lange, bereits fertiggestellte Anbindungsleitung einspeisen, die das Gas nach Lubmin auf dem Festland bringt. Über den dort vorhandenen Gasleitungsknotenpunkt soll das Gas dann weiterverteilt werden.

In Lubmin betreibt die Deutsche ReGas mit der „Neptune“ bereits ein schwimmendes Terminal. Das Schiff soll nach früheren Unternehmensangaben nach dem Ende der jetzigen Heizperiode und nach einem Werftaufenthalt auch nach Mukran verlegt werden, sodass der dortige Standort über zwei schwimmende Terminals und eine höhere Einspeisekapazität (13,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr) verfügt. Der Betrieb direkt in Lubmin ist aufwendig, da das LNG auf kleinere Tanker umgeladen werden muss, um es durch das Naturschutzgebiet Greifswalder Bodden zu transportieren.

Wasserrechtliche Genehmigung steht noch aus

Seit dem 23. Februar liegt bereits eine von zwei nötigen Genehmigungen für entsprechende Tests zur Betriebstüchtigkeit der Regasifizierungsanlage vor. Nun benötigt das Unternehmen für den Prüfbetrieb außerdem noch eine wasserrechtliche Genehmigung, wie ein Sprecher des Umweltministeriums mitteilte. Diese stehe noch aus und werde voraussichtlich in der kommenden Woche erteilt.

Das Terminal soll noch dieses Jahr betriebsbereit sein, wie der Deutsche-ReGas-Aufsichtsratsvorsitzende Stephan Knabe laut Mitteilung vom 24. Februar sagte: „Wir werden mit der Energos Power, wie angekündigt, noch in diesem Winter Erdgas von Mukran in das deutsche Ferngasleitungsnetz einspeisen.“

Der Ost-Beauftragte der Bundesregierung, Carsten Schneider, sieht den Betriebsstart des Terminals auf Rügen als echten Erfolg für die Energiepreise. „Das sichert Deutschlands Energieunabhängigkeit und die Produktionsfähigkeit vieler Unternehmen. Dass innerhalb weniger Monate das Terminal errichtet und die nötigen Leitungen gelegt werden konnten, ist ein Beweis für das neue Deutschland-Tempo und sollte ein Vorbild für weitere Infrastruktur-Projekte sein.“

Trotzdem könne Flüssiggas auf dem Weg zur „Klimaneutralität“ nur eine Zwischenstation sein. „Deshalb ist auch diese Infrastruktur dafür angelegt, in Zukunft grünen Wasserstoff zu transportieren.“

Kritik von Deutscher Umwelthilfe

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) sieht in der Ankunft des Terminals dagegen eine „Umwandlung der Ferieninsel Rügen in einen fossilen Energiepark“. Die Auswirkungen auf Natur, Landschaft und Klima seien verheerend, sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner dazu. „Noch ist das Doppel-Terminal vor Mukran allerdings nicht endgültig genehmigt. Wir werden politisch und juristisch alle Hebel in Bewegung setzen, um das fossile Projekt zu stoppen.“

Widerstand gegen das Rügener Terminal gibt es seit mehr als einem Jahr. Kritiker wie die DUH sprechen von nicht benötigten Überkapazitäten, Klimaschäden sowie Gefahren für Natur und Tourismus. Die Gasspeicher seien voll, ein Gasnotstand nicht zu erkennen – so der Vorwurf. Dennoch würden im Rahmen beschleunigter Genehmigungsverfahren Umwelt- und Naturschutz nicht ausreichend gewürdigt. Verbände sind wiederholt gegen das Projekt vor Gericht gezogen. Entsprechende Eilverfahren sind allerdings gescheitert.

DIW-Studie: LNG-Infrastrukturausbau nicht erforderlich

Allerdings kam das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in einer kürzlich veröffentlichten Studie zu den LNG-Bauvorhaben der Bundesregierung zu einem vernichtenden Ergebnis. „Der überdimensionierte LNG-Infrastrukturausbau ist nicht erforderlich, um eine potenzielle Gasmangellage zu vermeiden und sollte daher nicht weiterverfolgt werden.“

Eine Gasmangellage, mit der der beschleunigte Ausbau von LNG-Infrastruktur seit dem Sommer 2022 gerechtfertigt werde, sei zu keinem Zeitpunkt eingetreten, heißt es weiter.

Eine Kombination „aus weiterhin rückläufiger Gasnachfrage, diversifiziertem Angebot und umfangreichen Speicherkapazitäten“ sorge laut DIW dafür, dass sich die Gasversorgung in Deutschland auch im Winter 2023/24 entspannt habe. Die Gaspreise seien auf dem Niveau vor Beginn des Ukraine-Krieges.

Der Bund hatte den Aufbau der LNG-Importinfrastruktur in Form von Terminals an Nord- und Ostsee unter dem Eindruck des russischen Angriffs auf die Ukraine forciert, um unabhängiger von russischen Gaslieferungen zu werden. Schwimmende Terminals werden bereits auch im niedersächsischen Wilhelmshaven und in Brunsbüttel in Schleswig-Holstein betrieben. Mit Stade in Niedersachsen soll demnächst ein weiterer Standort an den Start gehen. Zudem ist die Errichtung von sechs weiteren Terminals teils schwimmend, teils stationär in Deutschland geplant.

Bürgerinitiative will Protest fortsetzen

Unabhängig von der Fertigstellung des LNG-Terminals oder der Erteilung der Betriebserlaubnis will man weiter gegen das Projekt protestieren, erklärte kürzlich Thomas Kunstmann von der Bürgerinitiative Lebenswertes Rügen gegenüber Epoch Times.

„Denn die Probleme hören ja nicht mit dem Abschluss der Bauarbeiten auf, sondern dann gehe einiges ja erst los.“ Damit spielt Kunstmann auf den Betrieb des LNG-Terminals und der zwei Regasifizierungsschiffe samt Transport des Erdgases durch die Leitung ein.

„Der Betrieb dieses LNG-Terminals wird Beeinträchtigungen haben für die Anwohner, ob durch Lärm oder Emissionen.“ Fragen des Katastrophenschutzes seien nicht vollständig geklärt. Zudem werde es Belastungen für die Ostsee und dessen sensibles Ökosystem geben, so Kunstmann. „Daher wird der Protest auch, wenn der Betrieb beginnt, nicht einfach enden.“

(Mit Material der Nachrichtenagenturen) 



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