Eva Herman im Exklusiv-Interview: „Mein Ruf ist nicht zerstört“

Epoch Times4. Oktober 2007 Aktualisiert: 4. Oktober 2007 22:04
Eva Herman im Gespräch über ihr umstrittenes Zitat und die Wertschätzung der Familie
„Wir müssen den Familien Entlastung und nicht Belastung zumuten und müssen auch ´ne Gerechtigkeit schaffen zwischen kinderlosen und kinderreichen Familien. Und wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen lernen, das leider ja mit dem Nationalsozialismus und der darauf folgenden 68er Bewegung abgeschafft wurde. Mit den 68ern wurde damals praktisch alles das alles, was wir an Werten hatten, es war – ´ne grausame Zeit, das war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle, aber es ist damals eben auch das, was gut war, und das sind Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt – das wurde abgeschafft. Es durfte nichts mehr stehen bleiben….“

Auf einem Tondokument (siehe Zitat) ist die mittlerweile ehemalige NDR-Moderatorin Eva Herman bei der Vorstellung ihres neuesten Buches „Das Prinzip Arche Noah“ am 6. September 2007 in Berlin mit dieser Aussage zu hören. Die anschließende Medienberichterstattung wertete diese Aussagen als Lob für das nationalsozialistische Frauenbild bzw. die nationalsozialistische Frauen- und Familienpolitik. Barbara Möller, Reporterin des Hamburger Abendblattes, fasste Eva Hermans Aussage mit den Worten zusammen, im Dritten Reich „…sei vieles sehr schlecht gewesen, zum Beispiel Adolf Hitler, aber einiges eben auch sehr gut. Zum Beispiel die Wertschätzung der Mutter. Die hätten die 68er abgeschafft, und deshalb habe man nun den gesellschaftlichen Salat.“ Als Reaktion hierauf beendete der NDR am 9. September 2007 die Zusammenarbeit mit Eva Herman. „Frau Hermans schriftstellerische Tätigkeit ist aus unserer Sicht nicht länger vereinbar mit ihrer Rolle als Fernsehmoderatorin und Talk-Gastgeberin“, erklärte dazu der NDR Programmdirektor Fernsehen, Volker Herres, in Hamburg.

In ihrem Interview mit The Epoch Times Deutschland (ETD) spricht Eva Herman über diesen Vorfall, ihre Bücher, die Rolle der Frauen, und allgemeine Werte.

ETD: Was haben Sie in der Pressekonferenz zu Ihrem Buch wirklich gesagt? Was auf dem Tonband zu hören ist, ist ganz anders, als was die Medien damals geschrieben haben.

Eva Herman: Zunächst sollte man sich den Hergang genauer ansehen. Es war die Pressekonferenz am 6. September, zu der etwa 30 Pressevertreter aus ganz Deutschland erschienen waren. Der Verleger Christian Strasser saß neben mir, wir stellten zunächst in Interviewform das Buch vor. Ich beantwortete die Fragen, der Verleger las dann aus meinem Buch die letzte Seite vor, speziell die Schlussbemerkung, und dort lesen wir „Zu meinen Freunden und Bekannten usw. gehören: Alleinerziehende, Geschiedene, Schwule, Lesben, usw. Kranke, Gesunde, auch Katholiken, Protestanten, usw. Sie gehören den unterschiedlichsten Parteien an.

…Sie gehören den unterschiedlichsten Parteien an, außer es handelt sich um extremistische, fundamentalistische, oder links- oder rechtsradikale Gruppen, die ich aus tiefster Überzeugung ablehne. Wenn solche Gruppen meine Gedanken für ihre Propaganda benutzen wollen, so ist das gegen meinen Willen.“ Diese Worte las er vor mit dem Hinweis, dass es letztes Jahr, als das Eva-Prinzip erschien, auch Bemühungen von verschiedenen Medien und auch von Feministinnen gab, mir rechtes Gedankengut zu unterstellen. Also aus dem Eva-Prinzip wurde beispielsweise das Eva-Braun-Prinzip gemacht.

Und zwar wohl deswegen, weil ich als Publizistin Werte in unserer Gesellschaft fordere, doch das scheint heutzutage schon verdächtig genug zu sein. Und deswegen äußerte ich mich mehrfach eindeutig und wiederholte immer wieder aus tiefster Überzeugung, dass ich mich energisch und ausdrücklich von rechtem Gedankengut distanziere. Im Gegenteil, es ist ja so, dass ich mich gegen Rechts engagiere, seit Jahren. Und so war auch allen klar, dass ich nichts gesagt hatte, was verwerflich war. Auch während der Pressekonferenz konnten von allen Pressevertretern Fragen gestellt werden, auch hinterher. Am darauf folgenden Tag erschien in keinem der veröffentlichten Beiträge irgendein Satz, der in diese „rechte“ Richtung gezielt hätte. Außer bei einer einzigen Journalistin vom Hamburger Abendblatt, die einen Halbsatz zitierte, der so nicht gefallen war, der völlig aus dem Zusammenhang gerissen worden war und der, so muss ich es annehmen, vorsätzlich ein rechtsideologisches Aroma verpasst bekommen hatte. Jedenfalls behauptete sie, ich hätte die Familienpolitik Hitlers gelobt. Was dann passierte, ist mehr als erstaunlich gewesen, innerhalb weniger Stunden erschienen bereits bei diversen Online Zeitungen, durchaus auch seriösen, schon die reißerischen Überschriften „Eva Herman lobt Hitlers Familienpolitik“. Kein Mensch hatte das Originalzitat überprüft. Eine kommerzielle Fernsehanstalt, RTL, hatte die Pressekonferenz aufgezeichnet. Und es wurde ausschließlich dieser Halbsatz, der im Abendblatt zudem verfälscht dargestellt worden war, aus dem Zusammenhang gerissen. Der wichtige, sinngebende, davorstehende Satz war abgeschnitten worden. Und nur dieser missverständliche Halbsatz wurde gesendet und mit heftigsten Schlagzeilen versehen. Ich konnte nicht reagieren, weil mir der Zugriff auf das Originalmaterial fehlte. Mein Anwalt, der Verlag, und auch ich versuchten auf verschiedenen Wegen, an das Material zu gelangen: Fehlanzeige. Dieser Halbsatz wurde in allen möglichen Fernsehanstalten und Radioanstalten ausgestrahlt, aber eben nur dieser Halbsatz. Doch ein Hörfunk-Journalist hatte diese Passage ebenfalls mitgeschnitten und übermittelte sie mir eine gute Woche später. Er stellte sie als MP3 ins Internet.

ETD: Denken Sie, dass ihr Ruf bei den meisten Menschen wirklich zerstört ist?

Eva Herman: Nein. Ich habe viel Zuspruch und Unterstützung bekommen. Tausende Emails, zahlreiche Briefe, die Menschen setzen sich sehr kritisch mit dem Vorfall auseinander, und etliche sagen, das ist doch klar, dass sie missverstanden wurde, weil sie missverstanden werden sollte, weil ihre Thesen nämlich nicht bequem sind.

ETD: Sie haben eben über Werte gesprochen, welche Werte meinen Sie konkret, die immer mehr verloren gegangen sind?

Eva Herman: Es sind Tugenden wie Rücksichtnahme, Achtsamkeit, das ist Liebe, Liebe unter den Menschen, geben können, andere fördern wollen, es sind im Prinzip christliche Grundwerte, und es ist vor allem auch der Respekt, der Respekt vor der Schöpfung, diese so anzuerkennen, wie sie gemeint ist, nämlich als Leihgabe an uns, die wir sehr sorgfältig behandeln müssen, aber vor allem auch als diese erkennen müssen. Für viele Menschen ist es modern geworden, Gott zu suchen, auf dem Jakobskreuzweg, oder es gibt andere Ideen, esoterische Ideen. Die Menschen wollen der Wahrheit näher kommen, sie suchen und sie sehnen sich nach Halt. Ich bin der Überzeugung, dass dieses Suchen sehr wichtig ist für unsere Gesellschaft heute, für viele, viele Menschen. Und wir müssen doch nur die Augen aufmachen, dann haben wir ihn vor uns, Gott. So, also sie sitzen jetzt vor mir, sie leben, ihr Herz schlägt, ihr Blut zirkuliert, sie sprechen mit mir, sie denken, sie sitzen mir gegenüber und sind von Gott geschaffen worden, genau so wie ich. Uns ist in der schnelllebigen Zeit das Bewusstsein für Gott und seine Liebe weitgehend verloren gegangen, doch spüren wir in unserem Inneren, dass das Entscheidende fehlt, ohne das wir nicht glücklich werden können.

ETD: Sie haben in ihrem Buch „Das Eva-Prinzip“ hauptsächlich über die Rollen-Trennung von Frau und Mann gesprochen, und sie haben auch kritisiert, dass es zu einfach ist, wenn man das so auffasst, dass „Frauen zurück an den Herd gehen“ sollen.

Eva Herman: Natürlich ist es zu einfach, weil ich durchaus der festen Überzeugung bin, dass Frauen ihren Beruf lernen sollten und ihn ausüben müssen, studieren können, was auch immer sie zu erreichen wünschen, dass sie eine Akademikerkarriere, wenn sie es gerne möchten, anstreben und umsetzen können. Doch wenn dann Kinder da sind, dann ist es wichtig, auch vorher schon zu überlegen, was nun wichtiger ist, das Wohl und die Zukunft des Kindes, sein Selbstbewusstsein, Liebe, die man ihm zu geben hat und die Vorstellung eigener zu vermittelnder Werte oder aber Karriere, Selbstverwirklichung und Erwerbstätigkeit.

Ebenso müssen wir in der heutigen Zeit viel früher über die Familienplanung nachdenken, denn der weibliche Körper wird mit 30 bereits wieder unfruchtbar. Heutzutage antworten viele junge Frauen um die fünfunddreißig herum auf die Frage: „Möchtest Du mal Kinder haben „Jaja, aber später“. So antwortete ich seinerzeit selber auch- und wurde im letzten Moment mit achtunddreißig schwanger. Viele Frauen bekommen deswegen gar keine Kinder mehr, weil sie die biologische Kurve nicht rechtzeitig kriegen oder es fehlt entweder der Partner, oder der Körper wird nicht mehr schwanger. Die verzweifelten Versuche, in Kliniken künstliche Befruchtungen durchzuführen, nehmen zusehends Ausmaße an, die eine eigene Sprache sprechen. Ich bin darüber hinaus der festen Ansicht, dass auch das, was sich zuhause abspielt, ob das ein Haushalt ist, den es zu führen gilt, ob es das Kochen ist, ob es sich um Ernährungslehre handelt, ob es das Gesundheitstraining angeht – dass Frauen besser ausgebildet werden müssten. Altes Wissen unserer Großmütter geht nachhaltig verloren, es wird nicht weiter vermittelt. Denn dazu bleibt keine Zeit mehr. Heutzutage ist es meist so: Wenn eine Frau das Abitur gemacht hat, dann geht sie in aller Regel irgendwo hin zum studieren, sie arbeitet dann als Referendarin oder Anwärterin für diese oder jene Tätigkeit und befasst sich darüber kaum mit den Dingen, die zuhause geschehen. Und das bedeutet, dass sie, wenn sie späterhin wirklich noch in allerletzter Sekunde zwischen 35 und 40 Mutter wird, vor einem riesigen Berg steht, den sie gar nicht zu bewältigen weiß, wie denn auch? Woher soll sie das alles nun plötzlich wissen? Viele haben ja noch nie gelernt, frisches Gemüse zu verarbeiten, denn an jeder Ecke sind moderne Convenience-Food-Angebote zu haben. Es wäre also wichtig, den Fokus bereits früh auch auf die Lebensgrundlage bildende Angelegenheiten wie das Heim und dessen Pflege zu lenken, welches ja immerhin als Zufluchtsstätte für die ganze Familie dient, die Geborgenheit schenkt, und den Menschen die Gelegenheit gibt, Kraft zu tanken für die neuen, täglichen Herausforderungen. Ich denke, das ist etwas, das im Bewusstsein auch wieder gefördert werden muss, aber bei uns ist es im Moment eher so, dass eine Frau, die sich zuhause engagiert, in den Augen vieler anderer Menschen, für die andere Maßstäbe gelten, nicht ausreichend wertgeschätzt wird. Eine Frau, die heute zuhause bleibt bei ihren Kindern, braucht enormes Selbstbewusstsein. Übrigens sind es meistens die Frauen, die selber eine gute Mutterbeziehung hatten und einfach mit diesem Selbstverständnis groß geworden sind „Meine Kinder werden gestillt, ich bin bei meinen Kindern, ich gebe ihnen vor allem die ersten Jahre den Schutz, den sie brauchen, und das möchte ich selbst auch. Das ist mein eigenes Bedürfnis, weil ich es so gelernt habe.“ Aber es ist ein schwerer Weg. Frauen, die so handeln, werden in der Gesellschaft häufig diskriminiert. Es wird allmählich besser, durch das Buch Eva-Prinzip schrieben mir viele Frauen in etwa diese Worte „Ich war bis jetzt der Depp, aber jetzt habe ich ihr Buch“.

ETD: Woher kommt Ihr Eva-Prinzip über die Rolle der Frau in der Familie und der Gesellschaft? Aus Ihrem tiefen Glauben an die Schöpfung?

Eva Herman: Absolut, ja! Eines Tages erkannte ich, dass ich auf der Erde bin, um die Gesetze Gottes zu achten. So heißt es in der Apostelgeschichte: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. Das macht die Sache hier manchmal nicht leicht. Wenn ich mich gegen das stelle, was Menschen verordnen, und sage, dass ich den Prinzipien Gottes folge, dann kann das hier zu einer Menge Ärger führen. Wenn man dann nicht gerade steht und sagt, ich weiß, warum ich tue, ich tue es nur, um es richtig zu machen, kann es für einen Menschen selbst heikel werden. Doch wenn man sich sicher ist, dann kann man vieles aushalten. Wenn man das nicht weiß und wieder von diesem Weg abkommt, dann ist der Weg brüchig und gefährlich. Meiner ist sicher, egal was passiert. Auch diese zum Teil wirklich sehr negativen Erfahrungen, die ich zur Zeit machen muss, werden ihren Sinn haben. Vielleicht soll ich lernen, mich von den letzten Eitelkeiten zu befreien und vor allem auch, von den Meinungen der Menschen nicht mehr abhängig zu sein. Es ist eine Art Schnellkurs. Während ich früher auf jeden Fall abhängig war von dem, was die Menschen über mich dachten und wie sie urteilten, gerade in diesem sehr öffentlichen Beruf, so hat mich jetzt diese Zwangsverordnung dazu geführt, mich noch unabhängiger davon zu fühlen. Das ist zunächst schmerzhaft, doch allmählich erleichternd. Es ist die wirkliche Freiheit.

ETD: Was war ihr Antrieb, um ihre beiden neuesten Bücher zu schreiben?

Eva Herman: Warum ich diese Bücher, oder auch früher gesellschaftspolitisch kritische Bücher schrieb, ist die Sorge um unsere Gesellschaft, um die Menschen, und vor allem um die Kinder.

ETD: Es gibt auch den Vorwurf, dass Sie mehrmals verheiratet waren, stehe im Widerspruch zu Ihrem eigenen Prinzip. Was waren die Gründe für die Scheidungen?

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Eva Herman: Zugegebenermaßen ist es schon schwierig, sagen zu müssen, viermal verheiratet gewesen zu sein, und wenn ich das heute ändern könnte, würde ich es tun. Nun bin ich jedoch zum vierten Mal verheiratet und habe endlich das Gefühl, angekommen zu sein, dort, wo ich hingehöre. Es waren viele Umwege, und es gab schwierige und schmerzhafte Prozesse. Es gibt ein schönes Sprichwort von Friedrich Rückert, das heißt, „Es sind die Weisen, die durch Irrtum zur Wahrheit reisen. Und es sind die Narren, die im Irrtum verharren.

Das heißt eigentlich nichts anderes, als dass man durch viele Fehler viel lernen kann. Wenn man Fehler macht, die zum Teil schwere Auswirkungen haben auf das Leben, so ist das letztlich einzig unAd alleine gut dafür, dass man Erkenntnisse daraus ziehen kann, daraus also lernt und sein Verhalten dementsprechend korrigiert und verändert. Jeder Mensch, der Schlimmes erlebt, muss dankbar dafür sein. So schwierig es auch sein mag, er muss dankbar sein, dass er dadurch die Chance hat, eine neue Sichtweise für gewisse Themen des Lebens zu bekommen, die ihn weiterbringen. Ich sehe es durchaus so. So ungünstig es in einer Biographie wirken mag, zum vierten Mal verheiratet zu sein und nur ein Kind zu haben, ich hätte es gern genau umgekehrt, so hat es mir letztlich doch wirklich viel gebracht.

ETD: Sehen Sie es so, dass die sozialen und gesellschaftlichen Bedingungen schon bestehen oder erneut geschaffen werden können, damit Frauen solch eine traditionelle Rolle, wie Sie es sich vorgestellt haben, spielen können? Was für Faktoren hängen noch damit zusammen?

Eva Herman: Wenn wir Mann und Frau betrachten, worin liegt der Unterschied? Er liegt nicht nur in unterschiedlicher Körperkraft und –größe, was an sich ja schon etwas aussagt, und er liegt auch nicht nur darin, dass wir Frauen immer noch die Einzigen sind, die die Kinder kriegen. Wobei es früher sogar überlebenswichtig war, dass wir die Kinder gestillt haben. Seitdem wir künstliche Milch haben, ist das natürlich anders. Aber es stellt sich die Frage, ob wir uns wirklich so lange über Gott erheben können und sagen können, wir haben die bessere Milch und unterdrücken den Milchfluss der jungen Mütter, auch im Namen der Eitelkeit. Darüber hinaus ist ja das Wesen der Frau ein völlig anderes als das des Mannes. Das sagt nicht nur die Hormonforschung, die uns inzwischen die Unterschiede wissenschaftlich haargenau erklären und beweisen kann. Die unterschiedlichen Hormonausschüttungen, also das den Mann beherrschende Hormon ist das Testosteron und das die Frau beherrschende Hormon ist das Östrogen, machen den großen Unterschied aus. Das Testosteron sorgt für eine gesunde, aggressive Angriffslust, die wichtig ist für den Mann, die ihn stabiler werden lässt in der Konstitution, während das Östrogen, das weibliche Hormon, ganz andere, weichere und empfindungsstärkere Einflüsse ausübt. Das ist die wissenschaftliche Seite. Die Soziologie hat ja dann auch alle möglichen Herangehensweisen, um die Unterschiedlichkeiten der Geschlechter zu beschreiben.

Die von den Feministinnen häufig abgelehnte Unterschiedlichkeit der Geschlechter ist fatal, sie behaupten ja häufig, es gäbe sie gar nicht, sondern sie würde uns vielmehr kulturell übergestülpt. In Wahrheit ist es so, dass die Frau ganz andere Fähigkeiten hat, nämlich fördernde, liebende, tröstende, unterstützende, menschlichere und Menschen verbindende. Die Frau steht, was diese Tugenden und diese Gaben anbelangt, ein kleines Stückchen höher als der Mann. Man kann sagen, dass sie ein Bindeglied zwischen Himmel und Erde ist. Ihre Intuition, die auch aus der Schöpfung kommt, ist viel präsenter und genauer. Ihre Aufgabe ist in Wirklichkeit dies, deswegen ist sie auch diejenige, die die Kinder kriegt, um ihnen dies auch mitgeben und vermitteln zu können, das Gute im Menschen zu verankern, zu fördern und zu entwickeln. Das gilt auch für ihren Mann. Sie ist wichtig für den Mann, sie muss hinter ihm stehen, ihn schieben, beraten, fördern. Die Aufgabe des Mannes wiederum ist es, seine Familie, seine Frau und die Kinder und sein Heim zu beschützen, und nach Außen hin kraftvoll aufzutreten. Die Gaben, die die Frau hat, dienen nicht nur dazu, innerhalb der Familie alles zusammen zu halten, sondern diese Gaben dienen der Seele der ganzen Gesellschaft, wir können nicht ohne sie existieren. Deswegen, je weniger davon in einer Gesellschaft vorhanden ist, so wie jetzt, umso schlimmer ist es um die Gesellschaft bestellt. Die Frauen, die durch die Erwerbstätigkeit in der noch von Männern beherrschten Arbeitswelt sich behaupten müssen, können sich dort nur dann ebenfalls erfolgreich behaupten, wenn sie männliche Verhaltensweisen übernehmen und auch mit deren Waffen kämpfen. Was bedeutet, wer mehr und mehr männliche Verhaltensweisen übernimmt, legt weibliche ab, weil es anders nicht geht. Sie können nicht innerlich ganz weich sein und nach Außen hin ganz hart auftreten. Irgendwann verändern Sie sich und das, was nach Außen hart wirken muss, dringt nach innen. Sie können aber im Umkehrschluss nicht abends von dem anstrengenden Job nach Hause kommen, diese männlichen Verhaltensweisen auf die Garderobe im Schrank stellen, herein kommen und sagen: „Schatz, Kinderlein, jetzt machen wir was Schönes. Ich höre euch allen zu und helfe euch und fördere euch.“ So, das heißt, Frauen, die zusehends vermännlichen, geben diese weiblichen Tugenden auf und sie fehlen letztlich allen, unseren Kindern, unserer Gesellschaft, unseren Männern und unseren Frauen, den alten Menschen.

ETD: Sind Sie der Meinung, dass die Frauenbewegung, Emanzipation und die 68er die ganze Schuld daran haben, oder spielen auch andere Faktoren eine Rolle?

Eva Herman: Es ist natürlich ein Zusammenspiel von vielen Faktoren. Gleichwohl ist es nun einmal erwiesen, dass in den 68ern beschlossen wurde, nach dem, was vorher geschehen war, wo eben die Grundwerte der Gesellschaft, wie die Familie und das Muttersein, pervertiert, missbraucht wurden, dass alles dies abgeschafft wurde. In derselben Zeit begann die Erfolgsgeschichte der Erwerbstätigkeit der Frau. Wir waren im Industriezeitalter und befanden uns gerade in der Blütezeit. Klar war, wir brauchten Arbeitskräfte, nicht nur aus anderen Ländern, die damals schon verstärkt hereingeholt wurden, sondern es stellte sich alsbald die Frage: Warum gehen unsere Frauen nicht arbeiten? Und gleichzeitig wurde das erwachende Selbstbewusstsein der Frau durch die Bewegung der Feministinnen natürlich unterstützt. Das waren mehrere Strömungen, die gleichzeitig ineinander mündeten und dann diese Entwicklung zuließen.

ETD: Was sollte in der Politik Ihrer Ansicht nach passieren, damit die Frauen diese traditionelle Rolle überhaupt spielen könnten?

Eva Herman: Meine Hoffnung ist nicht groß, dass von der Seite der Politik viel passieren wird, weil dieses Thema, das weiß ich nun inzwischen, nicht eines ist, das breit diskutiert wird, sondern diese Angelegenheit hat unmittelbar immer was mit jedem einzelnen Menschen zu tun und seinem eigenen Lebensentwurf. Man kann kaum erwarten, dass mehr oder weniger erfolgreiche Politikerinnen dieses Lebensmodell, ihr eigenes Modell, in Frage stellen würden, vor allem auch unter dem Druck, unter dem sie alle stehen, nämlich der ständigen Abstimmung mit Industrie und Wirtschaft, denn schließlich geht es ja um nichts anderes als nur noch um die Wirtschaftskraft und um die Wirtschaftsmacht Deutschland, und letztlich auch um die Macht nicht alleine innerhalb der EU, sondern wir sind ja vielmehr eingebunden in den weltweiten, hochkomplizierten und anstrengenden Globalisierungsprozess. Das müssen wir klar sehen, wir können uns hier auch nicht ausklammern und sagen, dieses kleine schlafende hübsche Deutschland, hier müssen andere Regeln eingeführt werden. Nein, wir befinden uns vielmehr in einem weltweiten Wettrennen, wo jeder der Schnellste sein muss, der Kräftigste und der Nachhaltigste. Deswegen ist klar, dass dieses Thema einen rauen Gegenwind erfährt, weil es stört, jeden Prozess stört es, den wir zur Zeit weltweit durchleben. Nur, ich bin nicht der Auffassung, dass wir deswegen alle die Augen schließen müssen und sagen, jawohl, ich ordne mich dem unter, und ich diene der Wirtschaftskraft Deutschland, indem ich alles was ich bin, was ich habe und was meine Zukunft ausmacht, hier in eure Hände lege, liebe Politiker. Vielmehr bin ich sehr wohl der Überzeugung, dass jeder einzelne Mensch die Verantwortung für sich selbst übernehmen muss, für seine Familie natürlich auch, und dementsprechend hinterfragen und prüfen muss, ob das, was mit ihm geschieht, richtig ist und in Einklang steht vor allem auch mit den eigenen geistigen Zielen.

ETD: Wenn die Männer, die in der Industrie arbeiten, eine gute stabile Familie und eine unterstützende Frau haben, kann die Industrie nur davon profitieren?

Eva Herman: Ich verrate Ihnen jetzt etwas, was kein Geheimnis ist. Wir können nicht nur im Länder-, sondern auch im Bundesländervergleich folgendes sagen: Die Anzahl von Krippenplätzen entscheidet nicht über eine steigende Geburtenrate. In Bayern und in Baden-Württemberg gibt es die wenigsten Krippen, doch die im Verhältnis meisten Geburten. Die Rechnung, die die Regierung macht, nämlich: Je mehr Krippenplätze wir haben, desto mehr Kinder kriegen wir, ist erwiesenermaßen falsch. Das Gegenteil ist der Fall: Wo wenige Krippen sind, existiert ein anderes Selbstverständnis von Tradition, Werten und Kultur. Was übrigens auch unmittelbar zusammenhängt mit dem Glauben, mit einem christlichen Leben. Und wir wissen, dass es eben auch gerade in diesen Ländern wie Baden-Württemberg und Bayern weniger Scheidungen gibt, stabilere Familien, mehr Kinder und eine besser funktionierende Wirtschaft. Alles greift ineinander und ist unmittelbar miteinander verknüpft. Während wir in Sachsen-Anhalt über 40 Prozent Krippenplätze haben, eine der niedrigsten Geburtenraten, und eine hohe Arbeitslosigkeit. Wenn die Wahrheit so offensichtlich ist, können wir doch nur noch schnellstmöglich die Bremse ziehen und genau das Gegenteil von dem machen, was uns gerade vernichtet. Das ist es, was ich versuche, mit meinen Büchern anzuregen und zu diskutieren.

Es geht heute nicht nur darum, den Job zu behalten und das Geld zum Überleben zu verdienen. Sondern es geht leider vielfach auch um den Druck des Markenkonsums, zwei, drei Urlaube im Jahr und nicht selten um ein zweites Auto. Viele Familien schrieben, dass sie ihre Ansprüche zurückschrauben mussten, weil Kinder kamen. Die einen verkauften das Zweitauto, die anderen strichen den Urlaub. Und sie sagen glücklich: „Wir wissen, wofür wir das tun“. Das Glück im Ausgleich ist viel größer als vorher all der Konsum oder der dritte Urlaub auf Mallorca, der sich ohnehin in seiner Ausgestaltung bereits wiederholte. Auch das ist eine Möglichkeit, Familie zu leben, über die natürlich jeder für sich selbst entscheiden muss. Dazu, so kann man beobachten, sind junge Leute eher wieder bereit. Sie sagen, wir haben jetzt nicht den großen Wettkampfgedanken in uns, wir sehen, unsere Mutter ist fast unter all der Last zusammen gebrochen, unsere Oma ist darüber müde geworden, sie, die sie alle die Emanzipation gelobt haben. Wir – „oh neee“, machen lieber nicht mehr mit. Diese Haltung ist ein wichtiges Signal für die Zukunft.

ETD: Wie ist Ihr Plan für ihre weitere Karriere?

Eva Herman: Ich werde weiter schreiben und diskutieren.

Die Fragen wurden von Maria Zheng gestellt.

(Text in Printausgabe The Epoch Times Nr. 7 auf den Seiten 1,9 und 10 erschienen)

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