Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier im Uniklinikum Gießen.Foto: FRANK RUMPENHORST/POOL/AFP via Getty Images

„Fahrstuhl des Grauens“: Anzeigen gegen Spahn und Bouffier – Verstoß gegen Corona-Regeln?

Von 17. April 2020 Aktualisiert: 17. April 2020 15:20
Im Uniklinikum Gießen wollten Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Dienstag über den Stand im Kampf gegen Corona informieren. Eine Aufnahme in einem voll besetzten Fahrstuhl bringt sie nun in Bedrängnis.

Bereits mehrere Anzeigen sind bei der Polizei in Mittelhessen eingegangen, nachdem sich in sozialen Medien Aufnahmen mehrerer hochrangige Politiker verbreitet hatten, die ein Journalist im Uniklinikum Gießen angefertigt hatte. Eigentlich wollten Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier dort am Dienstag (14.4.) über den Stand im Kampf gegen die Corona-Pandemie Auskunft geben. Am Ende war jedoch ein voller Fahrstuhl das Hauptthema.

Wie die „Frankfurter Allgemeine“ berichtet, waren es unter anderem Spahn, Bouffier, Kanzleramtsleiter Helge Braun und Hessens Regierungssprecher Michael Bußer, die gemeinsam mit acht weiteren Personen den gleichen Fahrstuhl bestiegen. Auf Twitter machten Aufnahmen davon, die ein Journalist des „Hessischen Rundfunks“ gemacht hatte, schnell die Runde.

Mindestabstand im Fahrstuhl nicht zu gewährleisten

Auch in Hessen gelten die bundesweit abgestimmten Abstandsregeln zum Zwecke der Eindämmung der Verbreitung von COVID-19. Wer sich außerhalb der eigenen vier Wände bewegt, darf dies zusammen mit maximal einer Person, die nicht zum eigenen Haushalt gehört. Zu allen anderen muss ein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden. Dies war den Teilnehmern der gemeinsamen Fahrt im Fahrstuhl nicht möglich, trotzdem hatten sie diesen genutzt.

Aus diesem Grund haben zahlreiche Nutzer der sozialen Medien offenbar Anzeige erstattet. Die Politiker hätten auf diese Weise gegen die von ihnen selbst in Kraft gesetzten Pandemie-Maßnahmen verstoßen. Die Polizei Mittelhessen teilt auf Twitter mit: „Die bei uns eingegangenen Hinweise, Mitteilungen und Anzeigen werden derzeit gesammelt und anschließend an die Verfolgungsbehörde/Bußgeldstelle abgegeben.“

Hohn und Unverständnis auf Twitter

Weitere Auskünfte erteile in weiterer Folge die hessische Landesregierung. RTL Hessen berichtet unter Berufung auf einen Sprecher des Gießener Polizeipräsidiums, dass wegen des Fahrstuhl-Vorfalls sieben Anzeigen gegen Spahn und seine Begleiter erhoben wurden.

Zwar tragen alle an der Fahrstuhlfahrt Beteiligten einen Mundschutz. Dennoch habe es ein Geschmäckle, dass sich Politiker, denen als Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens eine Vorbildfunktion zukomme, nicht an die Regeln hielten.

Ein Parodieaccount für Jens Spahn höhnt auf Twitter: „Warum werde ich für dieses Bild kritisiert? Der Fahrstuhl ist für 2,5 Tonnen zugelassen und Peter Altmaier stand nicht drin.“

Rechtsanwalt Fatih Zingal geht davon aus, dass der mutmaßliche Verstoß gegen die Kontaktregeln für die Politiker keine Konsequenzen haben wird: „Gegen das #Coronavirus und das gegen jeden Bürger fällige #Bußgeld hilft wohl diese politische #Immunität.“

Corona-Sünder Spahn zeigt sich einsichtig

Verständnisvoller zeigt sich Nutzer „Fleischkäs“, der meint: „Bin ja nun wahrlich kein Fan von Spahn, aber sowas finde ich dann doch eher menschlich. Zeigt einfach, dass wir uns alle schwer tun mit der Situation.“

Der hessische Regierungssprecher Michael Bußer zeigte sich bereits am Dienstag auf Anfrage der F.A.Z. reumütig: „Da muss man nicht groß drum herumreden: Das hätte nicht passieren dürfen. Auch wenn alle Mundschutz tragen, in diesem Aufzug stehen zu viele Menschen.“ Auch Spahn selbst gesteht ein: „Ja, das geht besser: auch mit Mundschutz Abstand halten.“

Darüber hinaus will er sich eigenen Angaben zufolge künftig auf jene Mahnung besinnen, die bereits dem Trailer des 1983 veröffentlichten Horrorfilms „Fahrstuhl des Grauens“ zu entnehmen ist: „Nehmen Sie um Himmels willen die Treppen.“


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