Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Foto. Sean Gallup/Getty Images

Spahn fordert EU-Gelder für „europäisches Robert-Koch-Institut“

Epoch Times8. März 2020 Aktualisiert: 11. März 2020 12:50
"Die europäische Seuchenbehörde ECDC ist viel zu klein, um Epidemien wie diese vernünftig begleiten zu können", sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

Angesichts der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eine europäische Einrichtung nach dem Vorbild des deutschen Robert-Koch-Instituts gefordert. „Die europäische Seuchenbehörde ECDC ist viel zu klein, um Epidemien wie diese vernünftig begleiten zu können“, sagte Spahn der „Bild am Sonntag“. Das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten müsse „einen größeren Etat und mehr Handlungsmöglichkeiten bekommen“.

„Wir brauchen eine Art europäisches Robert-Koch-Institut“, sagte Spahn. Dafür müsse im nächsten EU-Haushalt Geld zur Verfügung gestellt werden.

Für Deutschland will Spahn eine Meldepflicht für alle Corona-Tests einführen. Bislang gelte diese nur für Tests, bei denen das Coronavirus nachgewiesen wird, erläuterte der Minister. Künftig sollten aber auch negative Testergebnisse gemeldet werden, um die Lage besser einschätzen zu können.

Laborkapazitäten von 20.000 Tests pro Tag

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, geht davon aus, dass Tests im „mittleren fünfstelligen Bereich“ durchgeführt wurden. Die Belastungsgrenze sei damit noch lange nicht erreicht. „Wir haben Laborkapazitäten von nahezu 20.000 Tests pro Tag. Da, wo Tests notwendig sind, können wir sie machen“, sagte Gassen der „BamS“.

Unterstützung für Messen und Betriebe

Spahn rechnet damit, dass noch mehr Großveranstaltungen in Deutschland abgesagt werden müssen. Für die Unternehmen, die vom Ausfall der Großveranstaltungen betroffen sind, fordert der Gesundheitsminister wirtschaftliche Unterstützung. „Das hat insbesondere für kleinere Betriebe, für Handwerker, Gastronomen oder Dienstleister große wirtschaftliche Folgen. Daher sollten wir hier über eine gezielte und zügige Hilfe nachdenken“, sagte der Bundesgesundheitsminister.

Schon jetzt beklagen Messeveranstalter hohe Ausfälle. „Im März und April werden über 30 Messen nicht wie geplant stattfinden. Gut 25 davon sollen im zweiten Halbjahr 2020 nachgeholt werden, für die Hälfte gibt es bereits einen neuen Termin“, sagte Jörn Holtmeier, Geschäftsführer des Verbands der deutschen Messewirtschaft der „Bild am Sonntag“. Aussteller und Besucher geben jedes Jahr rund 15 Milliarden Euro für die Beteiligung an deutschen Messen aus, berichtet die Zeitung.

Keine bundesweiten Corona-Ferien

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat bundesweiten Schulschließungen zur Verhinderung einer Corona-Epidemie eine Absage erteilt. „Die Schließung von Schulen können laut Infektionsschutzgesetz nur die lokalen Behörden anordnen. Ich würde eine bundesweite Schließung auch für falsch halten“, sagte Spahn der „Bild am Sonntag“.

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, hält eine bundesweite Schulschließung für „puren Aktionismus und nicht zielführend“. Vertrauen schaffe man nicht mit „Symbolpolitik“, sondern nur mit gezielten Maßnahmen, sagte Gassen der „Bild am Sonntag“.

Um die Ausbreitung des Virus zu verhindern, hat Italien Mitte der Woche alle Schulen und Universitäten vorübergehend geschlossen. Eine solche Maßnahme hält der deutsche Gesundheitsminister allerdings für kontraproduktiv. „Wenn alle Schulen zu wären, können viele Krankenschwestern und Pfleger mit Kindern nicht mehr arbeiten“, so Spahn. „Das würde die Gesundheitsversorgung schwächen, nicht stärken.“

In Deutschland wurden bislang über 900 Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus nachgewiesen. Der Umgang mit der Epidemie und ihren Folgen auf die Wirtschaft steht am Sonntagabend auch beim Treffen der Spitzen der großen Koalition im Kanzleramt auf der Tagesordnung.(dts)

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