Olaf Scholz, Annalena Baerbock und Armin Laschet.Foto: INA FASSBENDER,JOHN MACDOUGALL,DANIEL ROLAND/AFP via Getty Images

Härtetest für die Kanzlertauglichkeit

Epoch Times27. August 2021 Aktualisiert: 27. August 2021 7:34

Fernseh-Duelle der Spitzenkandidaten haben inzwischen eine lange Tradition. Ein „Triell“ mit drei Kanzlerkandidaten hat es im deutschen Fernsehen hingegen noch nicht gegeben. Es ist also eine Premiere, wenn sich Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet, SPD-Kandidat Olaf Scholz und die Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock am Sonntagabend bei RTL und ntv gegenüberstehen. Die Ausgangslage der einzelnen Bewerber ist dabei recht unterschiedlich:

ARMIN LASCHET:

Der Unionskandidat steht bei dem Triell unter enormem Druck. Ein Patzer, ein Fehltritt – und die angestrebte Kanzlerschaft könnte sogar in weite Ferne rücken. Denn Zweifel an Laschets Fähigkeiten haben sich längst auch in der eigenen Partei breit gemacht, seine Umfragewerte sind katastrophal. Laschets Problem: Die meisten Leute trauen ihm das Kanzleramt einfach nicht zu. Der Kandidat braucht nun einen guten Auftritt, um zumindest einige der Zweifler von sich zu überzeugen.

Einen Vorteil sehen die CDU-Wahlstrategen darin, dass Laschet als Underdog in den Fernseh-Dreikampf geht. Dem Kandidaten werde ohnehin nicht viel zugetraut – das könne es für ihn einfacher machen, auf positive Weise zu überraschen. Eines ist der CDU-Führung schmerzlich bewusst: Der Kandidat wird vor der Wahl nicht mehr viele Gelegenheiten bekommen, die Stimmung zu drehen. Das Triell am Sonntag ist eine davon – Laschet muss sie nutzen.

OLAF SCHOLZ:

Für Olaf Scholz ist die Ausgangslage recht komfortabel: Er liegt in Umfragen zur Kanzlerpräferenz mit deutlichem Abstand vorne, auch für seine Partei geht es in Umfragen bergauf. Nachdem es zwischenzeitlich nach einem Duell zwischen Union und Grünen ausgesehen hatte, scheint es mittlerweile eher auf den Spitzenkampf Union gegen SPD hinauszulaufen. Genau das allerdings könnte für Scholz am Sonntag Schwierigkeiten bringen: Er muss sich auf scharfe Angriffe von Armin Laschet einstellen, nachdem die Union nunmehr die SPD als zentralen Gegner auserkoren hat.

Grundsätzlich muss Scholz die Debatte nicht scheuen. Verbale Patzer unterlaufen ihm selten, er kennt seine Kernbotschaften in- und auswendig und lässt sich auch von Überraschungsangriffen kaum aufs Glatteis locken. Allerdings muss er in der direkten verbalen Auseinandersetzung mit der Konkurrenz nicht nur Inhalte herunterspulen, sondern auch vertrauenswürdig und sympathisch rüberkommen – für den Politroutinier womöglich die größere Herausforderung.

ANNALENA BAERBOCK:

Für die Kanzlerkandidatin der Grünen ist die Ausgangslage denkbar schwierig: Der Höhenflug in den Meinungsumfragen ist gebrochen, die Parteichefin sieht sich mit sinkenden Umfragewerten konfrontiert – sowohl bei ihren persönlichen Werten als auch denen ihrer Partei. Für den Rückgang dürften die Patzer bei ihrem Lebenslauf und die Plagiatsvorwürfe um ihr Buch wichtige Gründe sein. Aber der politische Gegenwind, der den Grünen entgegen bläst, zeigt eben auch, dass nicht jeder ihren Kurs in der Klimapolitik gutheißt.

Jedoch dürfte es Baerbock beim Triell nicht allzu schwer fallen, zumindest bei der Kernanhängerschaft mit klarer Kante in Sachen Klimaschutz zu punkten. Von Laschet kann sie sich da ohnehin leicht abgrenzen – und auch bei Scholz fällt ihr das nicht schwer, seit der sich zu dem – für die Grünen zu späten – Kohleausstieg im Jahr 2038 bekannt hat. Inhaltlich wirkt Baerbock stets gut vorbereitet, allerdings zeigt sie gelegentlich Unsicherheiten im Auftritt – besonders, wenn es gerade mal nicht so rund läuft. (afp)



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