Imad Karim auf Berliner Frauen-Demo: „Deutschland ist die Heimat meiner Werte“

Von 19. Februar 2018 Aktualisiert: 19. Februar 2018 12:55
Nach David Berger hielt auch Imad Karim auf dem gestrigen Marsch der Frauen in Berlin eine leidenschaftliche Rede, eine Rede für die Freiheit und Sicherheit aller Frauen, eine Rede für dieses, unser Land, die Heimat seiner Werte, für das Land, welches er seit 40 Jahren liebt (vollständiger Text der Rede + Video).

Die Sicherheit aller Frauen ist nicht verhandelbar

„Ich finde es wundervoll. Ich finde es wunderbar, dass Ihr alle aus allen Teilen dieses großartigen Deutschland gekommen seid. Es sind hier viele Freunde. Es sind Mütter, Töchter, Alleinerziehende, Männer, ganze Familien, alle, die hier her gekommen sind und die eines wollen, nämlich: unsere Werte zu bewahren und allen Relativierern zu sagen: Schluss mit der Verharmlosung. Die Sicherheit aller Frauen ist nicht verhandelbar.

Ich liebe dieses Land

Und ich möchte auch den Polizisten, die alle hier sind, danken, dass sie hier sind und dass sie für unsere Sicherheit sorgen. Denn es gibt nichts Schöneres, es gibt nichts Schöneres als in einem Rechtsstaat zu leben! Ich weiß, was es heißt, in einem Unrechtsstaat zu leben. Ich komme aus dem Libanon. Und ich weiß, was der Nahe Osten ist. Es gibt nichts Schöneres als in Freiheit, in Sicherheit zu leben. Ich liebe dieses Land! Seit 40 Jahren liebe ich es.

Liebe Freund, wir sind hier, weil wir diesem großartigen Land viel schulden. Wir haben Verantwortung. Wir sind den kommenden Generationen – auch diesen Leuten, die uns als Nazi bezeichnen! – wir sind ihren Kindern verpflichtet, ihre Zukunft zu bewahren.

Lasst euch nicht einreden, dass Ihr keine Demokraten seid. Ich lebe in diesem Land seit 40 Jahren und seit 40 Jahren werde ich vor diesem Nazi gewarnt. Aber ich habe diesen Nazi nie getroffen! Natürlich habe ich ewig Gestrige getroffen, natürlich habe ich Idioten getroffen, aber ich habe sie in allen 58 Ländern, wo ich Filme für die ARD gemacht habe, auch getroffen.

Für mich ist Deutschland die Heimat meiner Werte

An die Frauen gerichtet möchte ich sagen: Ich weiß, was die Frauen im Nahen Osten durchgemacht haben. Es hat genau so angefangen vor 30 Jahren. Auch meine Mutter musste sich anders anziehen, damit sie nicht begrapscht wird. So hat es angefangen im Nahen Osten. Und die Frauen haben damals nicht genug gekämpft, um ihre Rechte zu bewahren. Ihr dürfte diesen Fehler nicht machen. Ihr da draußen, Ihr sagt zu uns, wir wären Nazis, aber wer hat diese Organisation gegründet? Wer hat diese Demonstration gegründet? Ihr, die Ihr uns draußen anschreit, das ist ein Kurdin, eine Perserin und meine Wenigkeit als Libanese. Und Ihr wollt uns sagen, dass wir keine Demokraten sind?!

Liebe Freunde, für viele von euch, die Ihr hier geboren seid, deren Eltern von hier stammen, ist dieses Land die Heimat ihrer Vorväter. Aber für mich ist Deutschland die Heimat meiner Werte. Und ich werde dieses Land mit allen rechtsstaatlichen Mitteln bis zum Ende verteidigen! Ich danke euch.

P.S.: Und Ihr da draußen, wir werden euch nie den Gefallen tun, euch zu hassen. Wir hassen euch nicht, denn ihr seid auch ein Teil von uns.“

Der Beitrag erschien zuerst auf Jürgen Fritz.com

Siehe auch:

Imad Karim beim Trauermarsch in Kandel: „Heimat eurer Vorväter“ mit „Grundgesetz als Kompass“ schützen und verteidigen

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