Journalismus: Studien belegen Linkslastigkeit deutscher Medien mit Zahlen

Von 10. November 2018 Aktualisiert: 10. November 2018 8:21
Deutsche Journalisten ordnen sich politisch mehrheitlich selbst als „eher links“ oder „links“ ein. Allerdings stehen sie mit dieser Selbsteinschätzung nicht deutlich weiter links als die Gesamtbevölkerung.

In einem Text für die „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ) hat Wirtschaftsredakteur Michael Rasch sich mit dem Phänomen befasst, dass in Deutschland unter vielen Menschen der Eindruck entstanden ist, die Medien in ihrem Land würden nicht objektiv berichten oder gar die Leser erziehen wollen, statt sie zu informieren.

Darauf, dass der Eindruck möglicherweise nicht völlig aus der Luft gegriffen sein könnte, zeigen unter anderem die Ergebnisse einer 2017 veröffentlichten Studie zum Thema „Journalismus in Deutschland“. Diese hat wie bereits mehrere zuvor zum Ergebnis, dass die deutliche Mehrheit der Medienmitarbeiter in Deutschland nach eigener Einschätzung im linksliberalen Spektrum stünde.

In Zahlen und Parteienpräferenz ausgedrückt bedeutet das laut einer bereits im Jahr 2010 von der Freien Universität Berlin im Auftrag des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes (DFJV) erstellten Studie: Von allen Befragten Politikjournalisten und Journalisten insgesamt fühlten sich 26,9 Prozent den Grünen nahe, 15,5 Prozent der SPD und 4,2 Prozent der Linken. Mit CDU oder CSU sympathisierten nur neun Prozent der Befragten, mit der FDP nur 7,4 Prozent.

Die AfD war zum damaligen Zeitpunkt noch nicht gegründet, es ist jedoch nicht auszugehen, dass die Journalisten, die keine Präferenz äußerten, mit deren Weltanschauung kokettierten. Böse Zungen in sozialen Medien mutmaßten damals, als die Studie erschien, sogar, die nicht Deklarierten stünden vielleicht gar so weit links, dass ihnen nicht einmal das in diesem Spektrum bereits bestehende Angebot ausreiche. Ob man nun aber mentalitätsmäßig von einer im Zweifel gleichmäßigen Verteilung der Betreffenden auf beide politische Lager ausgeht oder wie Michael Rasch in der NZZ von Nichtwähler-Präferenz: Grün-Rot-Rot hätte unter deutschen Journalisten in jedem Fall eine satte Mehrheit.

Wie weit links ist die „Mitte“?

Rasch zitiert auch noch frühere Studien, die zum Teil bis ins Jahr 1993 zurückreichen und einen Bericht, der 2005 unter dem Titel „Die Souffleure der Mediengesellschaft“ in Buchform herausgekommen war. Auch schon damals stuften sich deutsche Journalisten zu 18 Prozent als „links“ und zu 48 Prozent als „eher links“ ein, während sich nur 17 Prozent als „eher rechts“, zwei Prozent als „rechts“ und 15 Prozent in der „Mitte“ verorteten. In der Gesamtbevölkerung waren es 48 Prozent, die sich als „links“ oder „eher links“ einstuften, während 27 Prozent die – nicht zuletzt dank der Bewusstseinsarbeit linker Journalisten als verpönt geltende – Selbsteinstufung als „eher rechts“ oder „rechts“ wagten.

Unbeantwortet bleibt, da es sich um eine subjektive Selbsteinstufung handelt, die Frage, ob die befragten Journalisten und die befragten Normalbürger ein gleiches Maß hinsichtlich der „Mitte“ hatten. Angenommen, nach dem Maßstab der Durchschnittsbevölkerung wäre diese auf der Höhe von CDU oder FDP angesiedelt – die sich selbst auch dort verorten – und Journalisten, deren Normalität von vornherein weiter links angesiedelt ist, würden auch die SPD noch dazuzählen, würde sich auch hier eine noch deutlichere Kluft zeigen.

Zu einem ausgewogeneren Ergebnis kommt eine Analyse der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt zu deutschen Medienmanagern aus dem Jahr 2014, die Verlags- und Medienmitarbeiter insgesamt befragte und zum Ergebnis hatte, dass das Verhältnis zwischen „links“ und „rechts“ bei 21 zu 17 Prozent angesiedelt wäre, während 33 Prozent keine Parteipräferenz äußerten und 29 Prozent keine Angaben machten.

Ob sich an der Tendenz der Berichterstattung eines Mediums allerdings Bedeutendes ändert, wenn die Chefsekretärin, der Lektor, der Anzeigenleiter oder der Vertriebschef eine weniger linkslastige Überzeugung hat als die Journalisten, ist jedoch fraglich.

Im Fall des Lektors, der abseits von ethnisch geprägten Medien wie Einwandererpublikationen oder Auslandsmedien jedoch zunehmend eingespart wird, besteht zweifellos ein gewisser Spielraum bei der Abschwächung allzu tendenziöser Texte oder Begrifflichkeiten. Auch hier ist es jedoch fraglich, ob eine dadurch zwangsläufig konfliktbehaftete Zusammenarbeit mit den Redakteuren auf Dauer überhaupt bestehen bleiben wird.

Tatsächlich nur eine Folge starker eigener Meinungen?

Die Forscher, deren Ergebnisse Rasch anspricht, geben auch das sogenannte „Feindliche-Medien-Phänomen“ als relativierenden Faktor zu bedenken. Dieses beschreibt, dass die Wahrnehmung der Berichterstattung durch die eigene Meinung oft verzerrt werde. Das gelte speziell für Menschen mit starken Einstellungen, die dann auch leicht abweichende Medienberichte als gegen die eigene Meinung gerichtet wahrnehmen.

Die NZZ zitiert in diesem Zusammenhang etwa den langjährigen Focus-Chefredakteur Helmut Markwort, der bereits 2016 meinte, die meisten Journalisten seien laut Umfragen Wähler der Grünen und er denke schon, dass diese gefühlte Neigung zu den Grünen sich auch in der Auswahl der Themen und in der Gewichtung von Meldungen spiegele. Er selbst habe als FDP-Mitglied und mittlerweile sogar Landtagsabgeordneter diesbezüglich aber auch eine klare eigene Position, die möglicherweise diese Wahrnehmung bestärke.

Allerdings dürfte es sich nicht nur um einen subjektiven Eindruck handeln, wenn Bürger die Einschätzung äußern, dass deutsche Medien, wenn es um Phänomene wie Donald Trump oder die AfD geht, nicht immer in der Lage sind, den Konsumenten über ihre persönlichen Haltungen dazu im Unklaren zu lassen.

Rasch macht zum Ende seines Textes auch selbst deutlich: „Wie auch immer, es ist jedenfalls relativ klar, dass die politischen Einstellungen und Parteipräferenzen von Journalisten nicht dem Durchschnitt der Bevölkerung entsprechen.“

Es ist schwerer, für radikal linkes Auftreten diszipliniert zu werden als für konservatives

Einen überwältigenden Einfluss auf die Berichterstattung meinen manche Forscher dennoch nicht erkennen zu können. Sie setzen vor allem darauf, dass Journalisten laut empirischen Studien ihr eigenes Medium rechts von der eigenen Position verorten. Dies aber könnte den Links-Bias in der Berichterstattung etwas reduzieren, da die Angestellten möglicherweise nicht allzu weit von der gefühlten Haltung des Arbeitgebers abweichen wollen. Wer das Sendungsbewusstsein mancher „fortschrittlicher“ Journalisten kennt oder selbst erlebt habt, wird über diese Hypothese allerdings eher schmunzeln.

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Während eine Vielzahl an dezidiert konservativen Journalisten wie Michael Klonovsky oder Klaus Kelle und sogar liberale wie Gabor Steingart bei etablierten Medien trotz hohen Publikumszuspruchs vor die Tür gesetzt wurden, ist ein ähnliches Phänomen bei radikal linken Journalisten deutlich seltener zu beobachten – und wenn, dann nicht wegen der linken Überzeugung selbst, sondern einer fehlenden Anpassungsfähigkeit an Blattlinien in Einzelfragen wie der Position im Ukrainekonflikt.

Die zum Schluss geäußerte Erwartung, dass „die zunehmende Ökonomisierung, Beschleunigung und Publikumsorientierung“ dazu führen, dass „individuelle Einstellungen heutzutage einen geringeren Einfluss auf Nachrichten, Entscheidungen und die Gesamtstruktur der politischen Berichterstattung hätten als in früheren Jahren“, könnte sich ebenfalls als trügerisch erweisen.

„Dennoch dürfte die Vorstellung eines neutralen Journalismus eine Illusion sein – das galt in der Vergangenheit und gilt auch in der Gegenwart“, schließt Rasch – und er liegt damit zweifellos richtig. Das Publikum, dem dies ebenfalls klar ist, erwartet jedoch mit Recht, dass sich seriöser Journalismus zumindest glaubhaft bemüht, den gegenteiligen Eindruck zu erwecken.

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