OB Palmer zeigt Ergebnisse von Antikörper-Tests in Tübingen: Bis zu 17 Mal mehr Corona-Infizierte als bekannt

Von 28. Mai 2020 Aktualisiert: 29. Mai 2020 7:26
Gemeinsam mit dem örtlichen Biotech-Unternehmen CeGaT hat Tübingens OB Boris Palmer am Mittwoch das Ergebnis einer Testreihe an 6.776 Personen auf Antikörper gegen Sars-CoV-2 präsentiert. Bei 8,8 Prozent der Getesteten wurden diese nachgewiesen.

Eine positive Bilanz ziehen das in Tübingen ansässige Unternehmen CeGaT und der Oberbürgermeister der Stadt, Boris Palmer, über die Reihe von Corona-Antikörpertests, die in der Zeit vom 11. bis 22. Mai an 6.776 Personen durchgeführt wurden. Das Unternehmen bietet seit etwa zwei Wochen einen CE-zertifizierten Antikörpertest für alle an.

Gegen eine Gebühr von 25 Euro kann jedermann den Testkit mit einem barcodierten Probenröhrchen auf der Webseite des Unternehmens bestellen. In weiterer Folge kann man einen Fachmann, etwa den Hausarzt, aufsuchen, eine Blutentnahme veranlassen und diese an CeGaT zurückschicken.

Anteil der Corona-Infizierten in Tübingen selbst etwas höher

Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, wurden am Mittwoch (27.5.) die ersten Ergebnisse präsentiert: Demnach seien bei 596 Personen oder 8,8 Prozent der Getesteten insgesamt Antikörper nachgewiesen worden. Bei Teilnehmern aus der Stadt Tübingen sei das Ergebnis mit mehr als zehn Prozent deutlich über dem Schnitt gewesen. Insgesamt ist in der Stadt bis dato nur bei 530 Personen eine Corona-Infektion nachgewiesen worden, was 0,6 Prozent der Bevölkerung entspricht.

CeGaT-Geschäftsführer Dr. Dirk Biskup ist wenig überrascht von der Diskrepanz. Der Anteil an Personen, die Antikörper gegen SARS-CoV-2 gebildet hatten, könne nicht auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet werden. Es sei offensichtlich, dass vor allem Personen an dem Test teilgenommen hätten, die einen konkreten Verdacht gehabt hätten: „Wie zu erwarten war, lassen sich insbesondere Personen mit Verdacht auf eine frühere Infektion testen – etwa aufgrund zurückliegender unklarer Symptome oder Reisen in Risikogebieten. Sie möchten Klarheit darüber, ob sie COVID-19 hinter sich haben“, so Biskup.

Rückschlüsse auf Dunkelziffer

Allerdings ließen sich vorsichtige Aussagen über die maximale Dunkelziffer an nicht erkannten Corona-Fällen aus den Daten ableiten. Biskup dazu: „Unsere Auswertung zeigt, dass wir in Tübingen maximal 17 mal so viele Fälle haben, wie bisher bekannt sind. Also höchstens 9.010 Fälle.“

Boris Palmer selbst hat sich noch nicht testen lassen. Im Gespräch mit der „Bild“ erklärte er dies damit, dass er bislang weder Symptome aufwies noch um Kontakt zu Infizierten wisse. Er wolle das Angebot aber ebenfalls noch in Anspruch nehmen.

Die Klarheit, die der Test bringe, könne im täglichen Leben hilfreich sein, meint der OB, etwa in Berufen wie Polizeidienst oder Kinderbetreuung: „Wenn man zwei Beschäftigte hat, die die gleiche Tätigkeit verrichten, und einer hat Antikörper und der andere nicht, dann würde ich versuchen, ins Gespräch zu gehen und zu sagen, der, der immun ist, macht die Tätigkeit, bei der die Hygieneregeln weniger effektiv eingehalten werden können.“

Palmer will freiwillige Testreihen in Betrieben ermöglichen

Er wolle nun – auf freiwilliger Basis – auch in kritischen Bereichen kommunaler Unternehmen die Tests durchführen lassen und strebe dafür eine Zustimmung des Gemeinderats an. Auch wolle man private Unternehmen unterstützen, die planten, ihren Beschäftigten Tests zu finanzieren.

Palmer erklärte, er sei „wirklich stolz auf die Biotechnologie in unserer Stadt und welche Rolle sie jetzt auch international in der Pandemie spielt“.

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