Super-GAU: Stickoxid-Ausstoß auf Diesel-Fahrverbotsstraßen in Hamburg sogar gestiegen

Von 20. November 2018 Aktualisiert: 21. November 2018 14:39
Bilanz nach fünf Monate nach der Verhängung von Fahrverboten in zwei Hamburger Straßen: Die Stickoxid-Werte sind überwiegend gestiegen. In der Stresemannstraße war nur für kurze Zeit ein NO2-Minus gegenüber 2017 zu verzeichnen, in der Max-Brauer-Allee fast durchgehend keines.

Gleich in zwei Straßen Hamburg-Altonas gilt seit 31. Mai ein Fahrverbot für alle Fahrzeuge, die nicht die Euro-6-Abgasnorm erfüllen. Damit besteht mit fast fünf Monaten ein durchaus repräsentativer Zeitraum, der es erlaubt, abzuschätzen, welchen Effekt die Maßnahme, die mit großem Getöse verkündet worden war, tatsächlich auf die Schadstoffbelastung in diesem Teil der Hansestadt hat.

Wie die „Mopo“ berichtet, ist die Bilanz überaus durchwachsen. Zwar war der Messwert in der Stresemannstraße noch im Juni – als man den Schritt durch besonders rigide Kontrollen flankierte – mit 37 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter an der 1,50 Meter hohen Messstation um zehn Einheiten unter dem Wert von 2017. Schon im Oktober hatte sich die Entwicklung jedoch umgekehrt und mit 48 Mikrogramm lag der Kubikmeterwert sogar deutlich über den 39 des Vorjahres.

In der zweiten betroffenen Straße, der Max-Brauer-Allee, sind die Werte – mit Ausnahme des August – gar in jedem einzelnen Monat schlechter gewesen als im Vergleichszeitraum.

Ein Hauch von Staatsversagen liegt in der Luft, und offenbar machen auch schon die ersten Verschwörungstheorien die Runde. Anwohner klagen über fehlende Kontrollen, als hätte die Polizei keine dringlicheren Aufgaben zu erfüllen als rund um die Uhr Fahrverbote zu überwachen.

Die Pressestelle der Polizei betont zudem, dass wie auch auf anderen Straßen die Einhaltung geltender Rechtsnormen, zu denen auch die Fahrverbote gehören, in unregelmäßigen Abständen kontrolliert werde.

Linke will noch mehr Fahrverbote – AfD gar keine mehr

Auch Norbert Hackbusch von der „Linken“ zeigt sich gegenüber der „Mopo“ peinlich berührt. Er spricht von einem „PR-Gag des Senats“.

Doch statt angesichts des offenkundigen Scheiterns der Maßnahme die Sinnhaftigkeit der Grenzwerte und der darauf gestützten Fahrverbote grundsätzlich infrage zu stellen, fordert er, noch einen draufzusetzen: „Wir schlagen als ersten Schritt ein LKW-Transit-Verbot durch Hamburg vor.“ Zudem solle an den belasteten Hauptstraßen der Einsatz von Elektrobussen forciert werden.

Die AfD in Hamburg-Altona hatte bereits Tage vor dem Bericht auf Facebook ihr grundsätzliches Nein zu Diesel-Fahrverboten auf ihrer Facebook-Seite unterstrichen:

„Die Stickoxid-Grenzwerte sind willkürlich zu niedrig. Die Messmethoden sind fragwürdig und nicht einheitlich in der EU. Die Durchfahrtsverbote in einzelnen Straßen führen zu Umwegen – unter dem Strich also mehr Abgasen, allerdings in bislang ruhigeren Nebenstraßen. Wir sagen: Dieselfahrer dürfen nicht unter den Fehlern der Politik und der Autohersteller leiden. Die Wertverluste von Dieselfahrzeugen in Folge der Fahrverbote sind eine unerträgliche Enteignung.“

Die nunmehrige Messwert-Pleite dürfte noch einmal Wasser auf ihre Mühlen sein.

Dazu die AfD heute im Bundestag:

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