Corona-Maßnahme in Deutschland.Foto: Andreas Rentz/Getty Images

Verhaltenstherapeut: Menschen können nur schwer ihre Verhaltensautomatismen ändern

Epoch Times24. April 2020 Aktualisiert: 24. April 2020 9:48
Stephan Mühlig, Verhaltenstherapeut und Professor an der Technischen Universität Chemnitz, betont: Deutschland wird nicht in kurzer Zeit zur "alten Normalität" zurückkehren. Solche "Illusionen" seien zwar oft gesundheitsfördernd, sagt er, aber im Fall des KPCh-Virus (Wuhan-Lungenentzündung) könne dies lebensgefährlich werden.

Seit einem Monat müssen die Bundesbürger die Corona-Abstandsregeln von 1,5 Metern einhalten und sind Kontaktverboten unterworfen. Viele sind von den Einschränkungen genervt. Doch nach Angaben von Stephan Mühlig, Verhaltenstherapeut und Professor an der Technischen Universität Chemnitz, würden zu frühe Lockerungen der Verbote große Gefahren beinhalten.

Im Interview mit der „Welt“ betont er, dass es gerade jetzt wichtig wäre diszipliniert zu bleiben. Damit dies gelingen könne, müsse jeder Einzelne innerlich überzeugt sein, dass die Maßnahmen notwendig sind und dass sie wirken. Doch die Lockerungen in verschiedenen Bundesländern hätten bei den Menschen den Eindruck erweckt, dass das Schlimmste vorbei, und die Maßnahmen nicht mehr in dem Ausmaß wie unmittelbar nach dem Virus-Ausbruch nötig seien.

Deutschland wird nicht in kurzer Zeit zur „alten Normalität“ zurückkehren

Bei den Bürgern hätte im Zuge der Krise der Glaube an die Wissenschaft und an die Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen abgenommen. Da sieht Mühlig das Problem darin, dass sich die Empfehlungslage, vor allem was Schutzmasken anbelangt, in den vergangenen Wochen drastisch geändert hat. Während zu Beginn der Pandemie seitens der Politik von Schutzmasken abgeraten wurde, wurde in den vergangenen Tagen in fast allen Bundesländern eine Maskenpflicht eingeführt.

Das Deutschland schnell zur Normalität zurückkommen könnte, hält der Professor für eine „Illusion“. Dies müsse auch von der Politik klar kommuniziert werden. Wenn die Menschen erwarten würden, dass im Mai schon wieder alles normal ist, könne dies zu einem „Problem“ werden, betont er.

Beispielsweise könnte das Vorgehen von Armin Laschet, Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, der eine „Kultur der offenen transparenten Abwägung“ fordert „riskant“ sein. Dies könnte „falsche Erwartungen wecken“. Was allerdings für Laschets Forderung nach Transparenz spreche, sei die Berechenbarkeit der Situation für die Menschen. Dennoch müsse klar kommuniziert werden, dass „wir nicht über den Berg“ sind.

Mühlig: Menschen versuchen bedrohliche Situationen zu verdrängen

Weiter sagt der Therapeut, dass Menschen generell versuchten bedrohliche Situationen zu verdrängen und positiv zu bleiben. Normalerweise seien solche „Illusionen eher gesundheitsfördernd“, sagt er. Aber im Fall des KPCh-Virus (Wuhan-Lungenentzündung) könne dies lebensgefährlich werden.

Zudem sei es für Menschen sehr schwierig ihre Verhaltensautomatismen zu ändern. In der Corona-Krise zeige sich dies in Bezug auf das Kontaktverbot deutlich. Man müsse die Menschen im Alltag daran erinnern und motivieren, dass Disziplin Sinn mache. Dabei könne beispielsweise eine App helfen, die eine interaktive und motivierende Komponente beinhalte.

Was auch ganz wichtig wäre: die Bürger zu motivieren die Maßnahmen ernst zu nehmen und ihnen eine gewisse Wertschätzung entgegenzubringen, so Mühlig. Das müsse aber auf einer persönlichen Ebene geschehen. Sich nur bei den „deutschen Bürgern“ zu bedanken, wie es Kanzlerin Angela Merkel getan hat, sei für die Menschen zu „abstrakt“. (so)

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