Volker Roth, (links) bei seinem Einsatz während der WM 1986 in Mexiko, beim Spiel Bulgarien gegen Italien. (Foto: Bongarts/Getty Images)

Volker Roth feiert sein 50-jähriges Schiedsrichterjubiläum

Von 9. Februar 2008
Bei 129 Spielen nur zwei Mal die rote Karte

Volker Roth hatte letzten Freitag gleich doppelten Grund zur Freude, denn an seinem 66. Geburtstag durfte der Vorsitzende des DFB-Schiedsrichter-Ausschusses auch ein seltenes Jubiläum feiern: Vor genau 50 Jahren konnte er nämlich nach bestandener Schiedsrichterprüfung und Vollendung seines 16. Lebensjahres als Unparteiischer aktiv werden – was er auch umgehend tat.

Bis er allerdings in der Bundesliga Spiele leiten durfte, musste der in Chemnitz geborene Roth jedoch weitere 14 Jahre warten. Obwohl er als Schiedsrichter als ein „Naturtalent” galt, musste sich auch Volker Roth den damaligen Gepflogenheiten anpassen und
30 Jahre alt werden, um in der Eliteklasse pfeifen zu dürfen. „Das war seinerzeit eben so”, meint er heute nur lapidar. „Aber dann habe ich ja meine Chance bekommen, und es hat ganz gut geklappt.”

Nach Erreichen der Altersmindestgrenze gab Roth sein Bundesliga-Debüt am 6. Mai 1972 beim 1:1 des VfB Stuttgart gegen den 1. FC Köln vor 8.000 Zuschauern. Ein Spiel ohne besondere Vorkommnisse: „Ich erinnere mich kaum noch daran.” Mit Roten Karten geizte der Schiedsrichter während seiner Bundesligakarriere ohnehin. Nur zweimal in insgesamt 129 Spielen musste er einen Feldverweis aussprechen, „das wäre in der heutigen Zeit natürlich nicht mehr möglich.”

Internationaler Abschied bei der WM 1986 in Mexiko

„Rot” zeigte Roth bei einem seiner Karriere-Höhepunkte: Beim Eröffnungsspiel der EM 1984 zwischen Frankreich und Dänemark (1:0) im Prinzenparkstadion in Paris stellte er ausgerechnet Manuel Amoros aus dem Team der Gastgeber vom Platz, was durchaus Courage erforderte. Seine letzte Partie auf internationaler Ebene war das WM-Achtelfinale 1986 in Mexiko zwischen Brasilien und Polen (4:0), national war nach dem Juniorenendspiel zwischen Bayer Leverkusen und dem 1. FC Nürnberg (2:0) im selben Jahr Schluss.

Besonders in Erinnerung geblieben ist dem versierten Unparteiischen aber ein anderes Finale, jenes im DFB-Pokal am 31. Mai 1984 im Frankfurter Waldstadion. Im letzten Pokalendspiel vor dem dauerhaften Umzug ins Olympiastadion in Berlin siegte Bayern München nach Elfmeterschießen mit 7:6 gegen Borussia Mönchengladbach. „Das war deshalb so interessant, weil es das letzte Spiel von Lothar Matthäus für Borussia Mönchengladbach vor seinem Wechsel zum FC Bayern war”, so Roth. Bekanntermaßen verschoss Lothar Matthäus im Elfmeterschießen seinen Elfmeter für seinen alten Verein Borussia und verhalf damit seinem neuen Verein FC Bayern (ungewollt) zum Pokalsieg.”

Logischer Wechsel in den DFB-Schiedsrichter-Ausschuss

Dass Volker Roth seine aktive Laufbahn mit 44 Jahren beendete, war für ihn nur konsequent: „Ich hatte alles gepfiffen und war an vielen Orten gewesen, deshalb habe ich aufgehört.” Johannes Malka war es zu verdanken, dass dies jedoch nicht den endgültigen Abschied vom Schiedsrichterwesen bedeutete. Roth: „Er hat mich überredet, auf die Funktionärsebene zu wechseln.” Da war es irgendwann nur logisch, dass der anerkannte Fachmann Roth den Kollegen Malka als Vorsitzenden des DFB-Schiedsrichter-Ausschusses beerbte. 1995 war das, und noch heute ist der persönlich haftende Gesellschafter eines Großhandelsunternehmens für Stahl und sanitäre Artikel aus Salzgitter in diesem Ehrenamt tätig und wurde zuletzt beim DFB-Bundestag 2007 in Mainz auch wiedergewählt.

Hoyzer-Krise gemeistert, heute viel Lob für deutsche Referees

Soviel Engagement bringt nur auf, wer mit Herzblut bei der Sache ist – umso mehr blutete Volker Roths Herz bei der sogenannten „Hoyzer-Affäre” um Spiel- und Wettmanipulationen, die 2005 aufgedeckt wurde und das Schiedsrichterwesen auf eine harte Belastungsprobe stellte. Der Chef der DFB-Unparteiischen fühlte sich auch persönlich getroffen, war der Berliner Robert Hoyzer doch ein hoffnungsvolles und vom DFB gefördertes Talent. „Das war eine herbe menschliche Enttäuschung”, gibt Roth zu, „aber natürlich auch für den gesamten deutschen Fußball äußerst bedauerlich.” Mit dem Krisenmanagement ist der Jubilar jedoch zufrieden: „Das hat der DFB gut gemeistert, besonders durch den Einsatz von Präsident Dr. Theo Zwanziger und Vizepräsident Dr. Rainer Koch, der damals noch Vorsitzender des DFB-Sportgerichts war.”

Dass die deutschen Schiedsrichter heute einen guten Ruf genießen, zeigt die Zahl der internationalen Einsätze ebenso wie manche Ehrung. Zuletzt haben Markus Merk und Herbert Fandel die beiden ersten Plätze bei der Wahl zum „Weltschiedsrichter 2007” belegt. Diese Form der Wertschätzung, auch und gerade auf internationalem Parkett, ist Volker Roth „sehr wichtig” – und für ihn weitaus bedeutsamer als persönliche Ehrentage wie Geburtstage
oder Jubiläen.

Text erschienen in Epoch Times Deutschland Nr. 6 (2. Feb. – 12. Feb. 2008)



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