Eine Ladenbesitzerin schließt ihr Geschäft am 20. Oktober im oberbayerischen Berchtesgadener Land.Foto: Lennart Preiss/Getty Images

„Wut und Verzweiflung“ – Kritik am zweiten Lockdown

Epoch Times29. Oktober 2020 Aktualisiert: 29. Oktober 2020 12:22
Lange war ein zweiter Lockdown ausgeschlossen worden, jetzt ist er – zumindest in etwas abgemilderter Form – wieder zurück. Einzelne Branchen sind stark verunsichert.

Der Teil-Lockdown ab kommender Woche in Deutschland stößt in der Hotel- und Gastronomie-Branche auf Unverständnis.

„Viele Unternehmer der Hotellerie und Gastronomie schwanken zwischen Wut und Verzweiflung“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes „Die Familienunternehmer“, Albrecht von der Hagen, der dpa. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) warnte, Zehntausenden Unternehmen drohe ohne umfassende finanzielle Hilfen die Pleite.

Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes „Die Familienunternehmer“, Albrecht von der Hagen, sagte, der Shutdown dürfe nicht zum Knockdown werden. Wenn der Staat beschließe, dass Betriebe geschlossen würden, müsse er auch für die wirtschaftlichen Folgen Verantwortung tragen und Entschädigungen zahlen. „Ansonsten beginnt der Kahlschlag ganzer Branchen.“

Wirtschaftsauskunftei warnt vor Pleitewelle

Die Wirtschaftsauskunftei Crif Bürgel warnte ebenfalls vor einer Pleitewelle. Stand Ende Oktober seien mehr als 8300 Restaurants, Gaststätten, Imbisse und Cafés in Deutschland insolvenzgefährdet, heißt es in einer Analyse, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Das seien 14,5 Prozent der untersuchten Betriebe.

Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, kritisierte in einem ARD-„Extra“, dass man die Pandemie mit einem Lockdown nicht nachhaltig in den Griff bekomme. „Wir werden danach eine neue Strategie entwickeln müssen, wir können ja nicht alle zwei Monate in einen Lockdown gehen.“ Er wolle beispielsweise Risikogruppen stärker schützen.

Lauterbach: „Beschlüsse sind ein Meilenstein gegen das Coronavirus in Deutschland“

Berlins Regierungschef Michael Müller (SPD) sprach von einem „harten und bitteren Tag“. Es gehe aber schlichtweg um die Rettung von Menschenleben. „Wenn wir jetzt zugucken, werden wir vielen Menschen nicht helfen können.“ Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach twitterte: „Die Beschlüsse von heute sind ein großer Erfolg und ein Meilenstein gegen das Coronavirus in Deutschland.“

Die Grünen äußerten sich zwiegespalten. Die Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt erklärte: „Wir tragen die drastischen Einschnitte im Kern notgedrungen mit, um den Anstieg der Infektionszahlen zu bremsen, Menschen zu schützen und eine Überforderung des Gesundheitssystems zu verhindern. Es zeigt sich nun, wie fatal es war, dass die Sommermonate nicht genutzt wurden, um diese Phase der Pandemie vorzubereiten.“

Bildungsministerin regt Ausweitung der Maskenpflicht an Schulen an

Derweil begrüßte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek den Beschluss von Bund und Ländern, wonach Schulen und Kindergärten offen bleiben. „Die Corona-Zeit darf für die Schüler nicht zu einer verlorenen Zeit werden“, sagte die CDU-Politikerin der dpa. Die Belastung der Familien dürfte nicht noch gesteigert werden. „Die Schulen dürfen aber auch weiter nicht zu Corona-Hotspots werden“, betonte die Ministerin. Sie regte eine Ausweitung der Maskenpflicht an Deutschlands Schulen an. „Wir müssen alles versuchen, die Schulen auch in den nächsten Wochen offen zu halten.“

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, kritisierte dagegen die Entscheidung, Schulen komplett offen zu halten. „Ob ein Lockdown light funktionieren kann, wenn man die Schulen weitgehend ausnimmt, möchte ich bezweifeln“, sagte Meidinger der „Passauer Neuen Presse“. (dpa)

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