Frankreich: Ausnahmezustand wird teilweise zum Gesetz – „geeignetes Mittel“ im Kampf gegen den Terrorismus

Epoch Times18. Oktober 2017 Aktualisiert: 18. Oktober 2017 17:29
Seit knapp zwei Jahren herrscht in Frankreich der Ausnahmezustand. Nun wurde er in Teilen gesetzlich verankert – der Senat stimmte dem heute als letzte Instanz zu. Das neue Gesetz soll somit am 1. November in Kraft treten.

Das französische Parlament hat am Mittwoch das verschärfte Gesetz zum Kampf gegen den Terrorismus besiegelt. Als letzte Instanz stimmte der Senat zu, damit kann die Vorlage am 1. November in Kraft treten:

Worauf zielt das Gesetz ab?

Die Regierung will den Behörden dauerhaft erweiterte Befugnisse geben und den seit knapp zwei Jahren geltenden Ausnahmezustand in Teilen gesetzlich verankern. Dieser wurde nach den Terroranschlägen mit 130 Toten vom November 2015 verhängt und bereits sechs Mal verlängert. Nach Inkrafttreten des Gesetzes will Präsident Emmanuel Macron den Ausnahmezustand aufheben.

Welche Maßnahmen sieht das Gesetz vor?

Der Innenminister oder die Präfekten der Départements können damit die Bewegungsfreiheit von Terrorverdächtigen grundsätzlich ohne richterliche Anordnung einschränken und umfangreiche Polizeikontrollen anordnen, etwa an Bahnhöfen oder Flughäfen. Zudem können sie leichter die Identität von Verdächtigen überprüfen lassen, zum Beispiel in Grenznähe.

Hartes Vorgehen gegen radikalisierte Staatsbedienstete – und Überwachung von Handys/Computern

Die Behörden können die Schließung religiöser Einrichtungen künftig schon dann anordnen, wenn dort „Ideen und Theorien“ zur Förderung des Terrorismus verbreitet werden. Bisher mussten konkrete Schriften oder Äußerungen vorliegen. Zudem erlaubt das Gesetz ein hartes Vorgehen gegen Staatsbedienstete oder Armeeangehörige, die sich radikalisiert haben.

Darüber hinaus schafft die Regierung die rechtlichen Voraussetzungen für eine Überwachung von Handys oder Computern, die Daten drahtlos übertragen – eine Maßnahme, die der Verfassungsrat im Oktober beanstandet hatte.

Erweiterte Befugnisse dürfen nicht gegen Demonstranten angewandt werden

Hausdurchsuchungen müssen – anders als unter dem Ausnahmezustand – von einem Richter genehmigt werden. Auf Druck des linken Lagers dürfen die Behörden die erweiterten Befugnisse zudem nicht mehr anwenden, um die öffentliche Ordnung sicherzustellen.

Viele Franzosen hatte empört, dass die sozialistische Vorgängerregierung den Ausnahmezustand nutzte, um hart gegen Demonstranten vorzugehen – etwa bei den Protesten gegen die Arbeitsrechtsreform oder am Rande des Pariser Klimagipfels im Dezember 2015.

Collomb: Gesetz ist geeignetes Mittel im Kampf gegen IS

Innenminister Gérard Collomb sieht darin eine „nachhaltige Antwort auf eine permanente Bedrohung“ und ein geeignetes Mittel im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Auf ihr Konto gehen die meisten der Anschläge mit bisher 241 Todesopfern in Frankreich.

Welche Kritik gibt es an den neuen Regeln?

Einem Teil der Konservativen sowie den Rechtsgerichteten geht das Gesetz nicht weit genug. Front-National-Chefin Marine Le Pen argumentiert, es sehe keine geeigneten Maßnahmen zum Kampf gegen den Islamismus vor, der Frankreich den „Krieg“ erklärt habe.

Die Linkspartei „Das Unbeugsame Frankreich“ und die Kommunisten fürchten dagegen den „permanenten Ausnahmezustand“ und eine Beschränkung der Freiheitsrechte. (afp)

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