Smartphone-Texten ersetzt das Miteinander reden – die Angst vor menschlichem Kontakt

Epoch Times28. November 2017 Aktualisiert: 28. November 2017 14:34
„Texten ersetzt Sprache“: Zu diesem Schluss kommen mehrere Studien, fast jeder dritte SchweizerJugendliche telefoniert selten oder gar nie, fast alle nutzten täglich Chats. Die Zahlen für Österreich und Deutschland sehen ähnlich aus.

Das Telefongespräch gehört zu einer „aussterbenden Art“ im Dschungel der Kommunikationsmittel. Doch was bedeutet der Wegfall dieses menschlichen Kommunikationsmittels für das soziale Leben der Menschen und für das Miteinander?

„Messaging ersetzt Sprache“: Zu diesem Schluss kommen Studien, mit deutlichen Zahlen. Dagegen nutzen fast 100 Prozent der Jugendlichen regelmäßig Chats. Dies zeigt die James-Studie von 2016, durchgeführt von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Auch die Internet-Telefonie wie Skype oder Facetime haben diesen Trend nicht geändert.

Die Stimme als Fenster zur Seele

Der Kommunikationswissenschafters Walter Sendlmeier von der Technischen Universität Berlin sagte der NZZ: „Die Stimme vermittelt alles, was die Identität eines Menschen ausmacht. Und auch seine Gemütslage. Und zwar auf untrügliche Weise: Sich beim Sprechen zu verstellen, ist schwierig“.

Der Kommunikationswissenschafter sagt, die Stimme verschaffe: „…den Zugang zur Seele des anderen. Emojis zum Beispiel sind armselige Ersatzversuche, die zeigen, dass die textliche Ebene unzulänglich ist.“

Die messbare Wirkung des Telefonierens

Auf hormoneller Ebene wirke die Stimme viel stärker als ein Text.

Das zeigen Studien: Gegen Stress half in einem Testversuch mit Kindern ein Telefonanruf gleich viel wie eine Umarmung. Trost per Whatsapp hingegen brachte kaum etwas.“, so Sendlmeier.

Scheinbar ist einer der Gründe für den Erfolg der Kommunikationstechnologie, dass man mit dem Texten Schüchternheit, Angst vor peinlichen Situationen wie Blackouts, ausweichen kann.

Gegen solche Ängste kann helfen, sich vor dem Telefonat einen Notizzettel mit Stichpunkten hinzulegen, ganz bewusst im Moment zu bleiben, anstatt sich über den nächsten Moment zu sorgen.

Die Kinder- und Jugendstudie des Digitalverbands Bitkom, befragte 663 Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 18 Jahren, sie zeigt, wie das Telefonieren an Bedeutung verliert.

Zahlen zeigen, Texten und Tippen werden bevorzugt

Statt dem Gespräch am Festnetz-Telefon ist nun das Texten per Messenger und SMS die häufigste Kontaktform zu Freunden. WhatsApp ist am beliebtesten, 90 Prozent der Befragten im Alter von 10 bis 18 Jahren nutzen den Chatdienst.

In der Altersgruppe der 10- bis 12-Jährigen „unterhalten“ sich 66 Prozent via Messenger mit ihren Freunden, in der Altersgruppe der 13- bis 15-Jährigen sind es bereits 82 Prozent und bei den 16- bis 18-Jährigen 81 Prozent.

Auf dem zweiten Rang folgt mit 68 Prozent das persönliche Gespräch, erst auf dem dritten und vierten Platz stehen das Telefongespräch per Mobil- (37 Prozent) und Festnetztelefon (24 Prozent).

Der Schlechte-Laune-Faktor – Texten

Doch macht diese Form der zwischenmenschlichen Kommunikation die Teilnehmer glücklich?

In den USA wurde während der Studie „Monitoring the Future“ 12-Klässlern seit 1975 ein Fragenkatalog vorgelegt, Glücksgefühl ist darin eines der Themen. Es stellte sich heraus, dass die Teenager, die mehr Zeit am Bildschirm verbrachten, unglücklicher waren als jene die sich mit – egal welchen – anderen Aktivitäten beschäftigten. Diese waren im Vergleich signifikant glücklicher.

Siehe auch: Nicht ohne mein Handy: Warum wir nicht mehr „ohne“ sein wollen

Dennoch sind der ständige Gebrauch des Smartphones und die dauernde Erreichbarkeit des Internets ein Suchtfaktor für viele.

Die wachsenden Gefahren des Textens – am Steuer

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Eine sehr reale Gefahr die vom Texten ausgeht, betrifft weniger die sozialen Aspekte des Miteinanders, sie ist potentiell tödlich. Notfallmediziner Claus-Martin Muth sagte der „Augsburger Allgemeine“, er  beobachte, dass der Gebrauch des Smartphones am Steuer immer mehr Unfälle verursacht.

Muth ist als Notarzt in Ulm unterwegs, er hat „Handys mit angefangenen Textnachrichten auf Beifahrersitzen liegen gesehen, Kollegen haben ihm von ähnlichen Vorfällen berichtet.“

Der Ulmer Professor trägt Fälle zusammengetragen, von denen er weiß, dass beim Unfall ein Mobiltelefon im Spiel war. In Statistiken tauchen diese Faktoren kaum auf, da die Polizei nur in besonderen Fällen auf das Telefon eines Unfallfahrers zugreifen darf. Anders ist es bei den eintreffenden Ärzten, diese müssen teilweise das Telefon nutzen, um Angehörige zu informieren.

„Das Denken, dass ein solcher Mensch auch jederzeit in den Gegenverkehr geraten kann, wenn meine Familie unterwegs ist“, sagt Muth, motiviert ihn, Menschen für die Gefahr die vom Texten im Auto ausgeht, zu sensibilisieren. „Kein Mensch ist so wichtig, dass er während des Fahrens eine Textnachricht lesen oder schreiben muss. Da kann ein Kind über die Straße laufen!“  (aw)

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