Der Palacio de Hielo, die dortige Eisbahn wird als Leichenhalle genutzt, da die örtlichen Bestattungsunternehmen aufgrund des COVID-19 am 24. März 2020 in Madrid, Spanien, überlastet sind. Spanien plant, seine Quarantänemaßnahmen mindestens bis zum 11. April fortzusetzen.Foto: Carlos Alvarez/Getty Images

Spanien: Ärzte in überfüllten Krankenhäusern müssen entscheiden, wer lebt und wer stirbt

Von 20. März 2020 Aktualisiert: 25. März 2020 10:12
Besonders stark vom Coronavirus, das sich von China aus weltweit ausgebreitet hat, ist Spanien betroffen. Offiziell gibt es knapp 20.000 Infizierte, Ärzte und Mitarbeiter von Krankenhäusern gehen jedoch von einer hohen Dunkelziffer und einer sechsstelligen Zahl aus.

In Spanien ist die Zahl der Infizierten mit dem von aus China verbreiteten Coronavirus vom 19.3. mit 18.077 auf den 25. März (Stand 10:00 Uhr) mit 42.058 Infizierten angewachsen. Bislang konnten 3.794 Infizierte geheilt werden, 2.991 starben an den Folgen von COVID-19.

Trotz Ausgangssperre weiter hohe Ansteckungsrate in Spanien

Seit dem 14. März gilt in Spanien eine landesweite Ausgangssperre. Wer sich unerlaubt im Freien aufhält, hat mit Geldbußen von bis zu mehreren hundert Euro zu rechnen – in gravierenden Fällen auch mit Beugehaft. Die Notwendigkeit des Weges muss notfalls bescheinigt werden, etwa durch eine Bestätigung des Arbeitgebers oder einen Kassenzettel des Supermarktes.

Besonders gravierend ist die Situation in den Krankenhäusern. Zu den Gruppen, die am stärksten von der Ausbreitung des Coronavirus betroffen sind, gehört das Klinikpersonal, das so selbst zum potenziellen Überträger wird. Der Sender n-tv berichtete, dass diesbezüglich von einer erheblichen Dunkelziffer an Infizierten auszugehen ist, bei denen noch keine Diagnose erfolgt ist – und auch an Verstorbenen, die ebenfalls nicht getestet wurden.

Erst jüngst sind 19 Menschen in einem Altenheim in Madrid verstorben, die Symptome von COVID-19 aufwiesen. Sie wurden aber weder in ein Krankenhaus gebracht noch auf das Virus getestet. Was Tests anbelangt, räumt mittlerweile sogar Gesundheitsminister Salvador Illa ein, „logistische Probleme“ zu haben.

Zu wenig Schutzmaterial, zu wenig Platz

Beim Schutzmaterial sieht es nicht viel besser aus. Die Vielzahl der Fälle und der starke Anstieg der Neuinfektionen übersteigt jetzt schon häufig die Kapazitäten des Gesundheitssystems. Vor allem in Madrid gibt es Schilderungen aus dem medizinischen Personal zufolge zu wenig Material, zu wenig Platz, zu wenige Beatmungsgeräte und häufig müssten Notbetten auf Fluren platziert werden, was das Ansteckungsrisiko zusätzlich verschärfe.

Es gäbe Fälle, in denen Ärzte eine Entscheidung treffen müssten, wen sie noch behandeln können und bei wem sie lebenserhaltende Maßnahmen beendeten. Ihre Angehörigen durften die Betroffenen auf dem letzten Weg nicht begleiten, weil ein striktes Besuchsverbot gilt.

Die Zeitung „El Pais“ hat in Madrider Krankenhäusern recherchiert und schreibt von Schätzungen, wonach die tatsächliche Zahl der Infizierten mittlerweile sechsstellig sei. Die Zahl der Krankmeldungen sei massiv angestiegen, für ältere Menschen mit Vorbelastungen durch Lungenkrankheiten, Herzprobleme oder Diabetes sei das Risiko besonders hoch.

Rufe nach Abriegelung von Madrid immer lauter

Die Lage in Madrid wird vielfach mit jener in Wuhan verglichen, wo am Ende die komplette Abriegelung der Stadt verfügt wurde. So weit wollte man aufseiten der Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez am 20. März noch nicht gehen.

Stattdessen haben zumindest in Andalusien die Behörden Frauen ihre Unterstützung zugesichert, die zuvor Schuhe genäht hatten und nun in Eigenregie Mundschutze produzieren. Mittlerweile haben sich auch Unternehmen bereit erklärt, Material zu spenden oder zuzuschneiden.



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