Im Petersdom in Rom.Foto: Franco Origlia/Getty Images

Brandbrief aus Rom: Würdenträger der Katholischen Kirche warnen vor Planwirtschaft, Impfzwang und „Weltregierung“

Von 9. Mai 2020 Aktualisiert: 10. Mai 2020 11:32
In ungewohnt deutlichen Worten warnen Laien und Würdenträger der Katholischen Kirche davor, die Corona-Krise für totalitäre Gesellschaftsexperimente zu missbrauchen. Explizit wird von Gefahren wie Bevölkerungsreduktion oder der Schaffung einer Weltregierung gesprochen.

In Rom haben mehrere hochrangige kirchliche Würdenträger und Laien einen Aufruf unterzeichnet, in dem sie ihrer Sorge Ausdruck verleihen, die Corona-Krise könne zum Vorwand genommen werden, um elementare Rechte der Bürger zu schmälern oder gar totalitäre Tendenzen zu fördern. Wie das katholische Online-Nachrichtenportal „kath.net“, das den Aufruf auch im Wortlaut wiedergibt, berichtet, wird unter anderem vor Planwirtschaft, Social Engineering, Impfzwang, Bevölkerungsreduktion und Forderungen nach einer „Weltregierung“ gewarnt.

Der Aufruf steht unter dem Motto „Die Wahrheit wird euch frei machen“ („Veritas liberabit vos“) aus dem Johannesevangelium und richtet sich an „Katholiken und Menschen guten Willens“. Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem die Kardinäle Gerhard Ludwig Müller und Joseph Zen sowie Erzbischof Carlo Maria Viganò und Bischof Joseph Strickland.

„Kräfte, die Panik verbreiten wollen“

Entgegen ersten Meldungen hat Kurienkardinal Robert Sarah die Erklärung nicht selbst unterschrieben, da er als Mitglied der Römischen Kurie „eine gewisse Einschränkung in politischen Angelegenheiten beachten“ müsse. Auf Twitter erklärte er jedoch, er könne „aus persönlicher Sicht (…) einige Fragen oder Bedenken bezüglich der Einschränkungen der Grundfreiheit teilen“.

In dem Text heißt es, dass „unter dem Vorwand der COVID-19-Epidemie in vielen Fällen unveräußerliche Rechte der Bürger verletzt und ihre Grundfreiheiten unverhältnismäßig und ungerechtfertigt eingeschränkt wurden, einschließlich des Rechts auf Religionsfreiheit, freie Meinungsäußerung und Freizügigkeit“. Explizite Namen oder Ereignisse, auf die die Unterzeichner ihre Befürchtungen stützen, werden nicht genannt, allerdings werden mehrere Themenkomplexe angesprochen.

Die öffentliche Gesundheit dürfe und könne jedoch „kein Alibi werden, um die Rechte von Millionen von Menschen auf der ganzen Welt zu verletzen, geschweige denn, um die Zivilbehörden von ihrer Pflicht zu befreien, klug für das Gemeinwohl zu handeln“.

Die Unterzeichner äußern Zweifel daran, dass Alarmismus im Zusammenhang mit der Corona-Krise sachlich gerechtfertigt sei. Man habe jedoch „Grund zu der Annahme (…), dass es Kräfte gibt, die daran interessiert sind, in der Bevölkerung Panik zu erzeugen“.

Gefahr einer „Weltregierung, die sich jeder Kontrolle entzieht“

Dadurch wollten diese dauerhaft „Formen inakzeptabler Freiheitsbegrenzung und der damit verbundenen Kontrolle über Personen und der Verfolgung all ihrer Bewegungen durchsetzen“. Diese „illiberalen Steuerungsversuche“ seien „der beunruhigende Auftakt zur Schaffung einer Weltregierung, die sich jeder Kontrolle entzieht“.

Die Schädigung der Wirtschaft durch die Eindämmungsmaßnahmen drohe, Einmischungsversuche von außen und Tendenzen des Social Engineering zu fördern, und habe schwerwiegende soziale und politische Auswirkungen. Die Unterzeichner üben auch Kritik an Maßnahmen, die Familien belasten und schwache und ältere Menschen von ihren Angehörigen trennen. Sie wenden sich gegen eine „Kriminalisierung persönlicher und sozialer Beziehungen“ und argwöhnen, eine Förderung der Isolation von Personen könnte dem Ziel dienen, „diese besser manipulieren und kontrollieren zu können“.

Absage an embryonale Stammzellen für Corona-Impfstoff

Die Unterzeichner wenden sich auch gegen „zweifelhafte Wirtschaftsinteressen“, die Entscheidungen von Regierungen und internationalen Behörden in der Versorgung mit Arzneimitteln beeinflussen könnten. Vor allem wird Kritik an der Verwendung embryonaler Zellen im Zusammenhang mit der Entwicklung von Impfstoffen geübt:

Wir erinnern als Hirten daran, dass es für Katholiken moralisch inakzeptabel ist, sich mit Impfstoffen behandeln zu lassen, zu deren Herstellung Material von abgetriebenen Föten verwendet wird.“

In der Erklärung wird auch Tracingsystemen eine Absage erteilt oder Bestrebungen, entweder durch Zwang oder Gewährung von Privilegien, einen Impfzwang durchzusetzen. Den Bürgern müsse die Möglichkeit gegeben werden, Einschränkungen der persönlichen Freiheiten abzulehnen, sich straffrei einer drohenden Impfpflicht zu entziehen, sowie Tracingsysteme oder ähnliche Instrumentarien nicht zu benutzen.

In diesem Zusammenhang klingt ausgeprägter Argwohn bezüglich der Absichten globaler Einrichtungen und ihrer Förderer an: „Diejenigen, die eine Politik der drastischen Bevölkerungsreduzierung verfolgen, und sich gleichzeitig als Retter der Menschheit präsentieren noch dazu ohne irgendeine politische oder soziale Legitimierung befinden sich im offensichtlichen Widerspruch zu sich selbst.“

Warnung vor einseitigen Medien und Einschränkung der Souveränität der Kirche

Die Unterzeichner wenden sich gegen einseitige Informationspolitik in Sachen Corona in den Medien und fordern die Wiederherstellung der uneingeschränkten Autonomie der Kirche in allen Angelegenheiten, die in unmittelbare Zuständigkeit der kirchlichen Autorität fallen. Dazu gehöre auch ein Ende der Beschränkungen für die Feier öffentlicher Gottesdienste. Der Staat habe „keinerlei Recht, sich aus irgendeinem Grund in die Souveränität der Kirche einzumischen“ – zumal kirchliche Autoritäten sich nie verweigert hätten, mit dem Staat zusammenzuarbeiten.

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„Wir kämpfen gegen einen unsichtbaren Feind, der die Bürger untereinander, die Kinder von ihren Eltern, Enkelkinder von Großeltern, Gläubige von ihren Seelsorgern, Schüler von Lehrern und Kunden von Verkäufern trennt“, heißt es in dem Text weiter.

Zudem betonen die Initiatoren: „Wir lassen nicht zu, dass Jahrhunderte christlicher Zivilisation unter dem Vorwand eines Virus ausgelöscht werden, um eine hasserfüllte technokratische Tyrannei zu begründen, in der Menschen, deren Namen und Gesichter man nicht kennt, über das Schicksal der Welt entscheiden können, um uns in einer nur virtuellen Wirklichkeit einzuschließen.“