Brasilien: Clinton-Heiler soll „Babyfarmen“ betrieben haben – Ermittlerin berichtet von rätselhaften Vorfällen im Verhör

Von 5. Februar 2019 Aktualisiert: 6. Februar 2019 11:06
Im Dezember 2018 wurde gegen den Wunderheiler João Teixeira de Faria in Brasilien ein Haftbefehl erlassen. Er soll hunderte Frauen bei „Geistheilungen“ missbraucht und mit Babys gehandelt haben. Zu den Besuchern Farias gehörten auch bekannte Persönlichkeiten wie Bill Clinton oder Oprah Winfrey.

Kindesmissbrauch, Menschenhandel, Okkultismus, die Clintons und tote Zeugen – bislang bekam, wer diese Begriffe gemeinsam in Suchmaschinen eingab, regelmäßig Berichte angezeigt, die nach den US-Wahlen 2016 gerne als Paradebeispiel für Fake-News und Verschwörungstheorien genannt wurden.

Anders als im Fall von Kolportagen wie jenen um „Pizzagate“ oder den Todesfall Seth Rich haben sich im Fall des Wunderheilers und Mediums João Teixeira de Faria („Johannes von Gott“), der seit einigen Wochen Brasilien erschüttert, bislang die Hinweise verdichtet, wonach sich auf dem Gelände der Casa de Dom Inácio de Loyola im Bundesstaat Goiás und an weiteren Orten unbeschreibliche Dinge abgespielt hätten.

„Sexsklaven-Farmen“ und Morde?

Im Dezember 2018 wurde gegen den 77-jährigen Faria ein Haftbefehl ausgestellt, nachdem in einer TV-Sendung Vorwürfe laut geworden waren, er habe eine niederländische Besucherin seines „spirituellen Zentrums“ sexuell missbraucht – und sich daraufhin unabhängig voneinander hunderte weitere Frauen gemeldet hatten, die ihn in insgesamt mehr als 600 Fällen ebenfalls des sexuellen Missbrauchs beschuldigten.

Faria bestreitet alle Vorwürfe, und diese gehen noch weit über isolierte sexuelle Übergriffe hinaus. Vielmehr soll der Heiler regelrechte „Sexsklaven-Farmen“ unter Führung seiner Sekte betrieben und Babys auf dem Schwarzmarkt an den Meistbietenden verkauft haben. Sonderermittler gehen mittlerweile von einem der schlimmsten Serienverbrechen in der Geschichte Brasiliens aus.

Die brasilianische Anti-Kindesmissbrauchs-Aktivistin Sabrina Bittencourt, die Aussagen mutmaßlich Betroffener sammelte, hatte berichtet, dass Kinder von der Einrichtung in Goiás für Beträge zwischen knapp 20 000 und etwas über 50 000 US-Dollar unter anderem nach Europa, Australien und in die USA verkauft worden wären – unter anderem an kinderlose Paare.   

Über Jahre hinweg, so berichtete Bittencourt, wären hunderte junger Mädchen auf abgelegenen Farmen in Goiás festgehalten worden. Dort habe ein Menschenhändlerring, an dessen Spitze der Heiler gestanden habe, diese als Leihmütter für Kinder missbraucht, die man anschließend weiterverkauft habe. Bittencourt erklärte auch:

Diese Mädchen wurden zehn Jahre, nachdem sie ein Kind geboren hatten, ermordet. Wir haben eine Reihe von Zeugenaussagen.“

Hauptbelastungszeugin nimmt sich das Leben

Die Mädchen, die der Kult verschleppt habe, stammten demnach aus armen Familien und waren zwischen 14 und 18 Jahre alt. Faria besitzt in den Bundesstaaten Goiás und Minas Gerais mehrere Farmen und Rohstoffminen. Auf deren Gelände seien die „Babyfarmen“ betrieben worden. Gegen Kost und Logis seien die Mädchen geschwängert worden und nach der Geburt hätte man die Kinder auf dem Schwarzmarkt auf mindestens drei Kontinente verkauft.

Nach Morddrohungen sah Bittencourt sich genötigt, Brasilien zu verlassen. In ihrem Exil in Barcelona soll sie sich nun am 2. Februar selbst das Leben genommen haben, wie die Opferhilfsgruppe Victimas Unidas gegenüber „Daily Mail“ bestätigte. Die Aktivistin habe einen Abschiedsbrief hinterlassen, heißt es aus den Reihen der Organisation. Ihr ältester Sohn Gabriel Baum machte das Umfeld des Heilers für den Tod seiner Mutter verantwortlich. In einem Eintrag auf Facebook schrieb er:

Sie hat den letzten Schritt gesetzt, damit wir leben können. Sie haben meine Mutter getötet.“

Die Verhaftung Farias, so schreibt Daily Mail, sei vorwiegend auf Bittencourts belastendes Material gegen den Wunderheiler zurückzuführen gewesen. 

„Johannes von Gott“ soll mit seinem Kult jährlich mindestens zehn Millionen US-Dollar pro Jahr eingenommen haben. Er habe regelmäßig Heilungszeremonien veranstaltet, Meditationen organisiert, einen nahen Wasserfall als Heilquelle vermarktet und Kräuter, Artefakte wie „magische Dreiecke“ und weitere Devotionalien in alle Welt verkauft.

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Wer an Krankheiten litt, konnte auswählen zwischen „sichtbaren“ und „unsichtbaren“ Geistheilungen. Die „unsichtbare“ Variante bestand darin, dass die Patienten dazu angehalten wurden, in einem Raum zu sitzen und zu meditieren. Sofern ein Patient keine Reise antreten konnte, erklärte Faria, er könne diesen über einen „Surrogatpatienten“ auch fernheilen.

Missbrauchsvorwürfe von eigener Tochter

Während der Heilungssitzungen soll es in mehreren hundert Fällen zu den sexuellen Übergriffen gekommen sein. Zu den Frauen, die ihn des sexuellen Missbrauchs beschuldigen, gehört unter anderem seine eigene Tochter Dalva Texeira. „Mein Vater ist ein Monster“, vertraute die dem brasilianischen Magazin „Veja“ an.

Sie selbst habe er in mehreren Fällen unter dem Vorwand missbraucht und vergewaltigt, er führe eine „mystische Behandlung“ durch. Dies geschah, als sie zwischen zehn und 14 Jahre alt war. Er habe erst von ihr abgelassen, nachdem einer seiner Mitarbeiter sie geschwängert habe. Daraufhin habe sie Faria so stark geschlagen, dass sie eine Fehlgeburt erlitten hätte.

Die „New York Post“ berichtet, Faria wäre nach Ausstellung des Haftbefehls eine Woche lang auf der Flucht gewesen. Er soll im Vorfeld insgesamt neun Millionen US-Dollar von verschiedenen Konten abgehoben haben, was die Polizei zu der Annahme veranlasste, er wolle sich entweder ins Ausland absetzen oder die Bestände vor dem Zugriff möglicher Entschädigungsgläubiger sichern. In einem Haus, das Faria als „spirituelles Refugium“ genutzt haben soll, fanden Ermittler auch Schusswaffen und höhere Bargeldbeträge. Am Ende habe er sich selbst den Behörden gestellt und dabei seiner Hoffnung auf „göttliche Gerechtigkeit“ Ausdruck gegeben.

International bekannt wurde Faria, als US-Talkmasterin Oprah Winfrey im Jahr 2010 sein Anwesen besuchte, um ihn dort zu interviewen. Sie erklärte später, sie wäre während dieser „segensreichen“ Begegnung fast in Ohnmacht gefallen. 

Auch andere prominente Persönlichkeiten hatten „Johannes von Gott“ besucht. Der frühere US-Präsident Bill Clinton hat der „Daily Mail“ zufolge sogar eine Heilungszeremonie dort absolviert, ebenso das bekannte Model Naomi Campbell. Dem brasilianischen Nachrichtenportal „R7“ zufolge hätten auch die ehemaligen sozialistischen Präsidenten von Brasilien und Venezuela, Luiz Inácio Lula da Silva, Dilma Rousseff und Hugo Chávez den Heiler besucht.

Paranormale Aktivität während des Verhörs?

Wie die „Sun“ unter Berufung auf ein Interview des Folha de Sao Paulo berichtet, seien auch die ersten Verhöre des Heilers nach dessen Verhaftung von bizarren Begleitumständen überschattet gewesen. Im Zuge der Befragung in Goiânia, so gab die Ermittlerin Karla Fernandes an, habe der Computer, auf dem das Protokoll getippt werden sollte, ein Eigenleben entwickelt und die Tastaturkommandos nicht adäquat ausgeführt. Stattdessen sei eine Taste steckengeblieben und habe für einige Sekunden die Buchstabenreihe „OOOOOOO…“ in die Datei eingefügt.

In weiterer Folge sei es zu Fehlfunktionen von Elektrogeräten im Verhörraum gekommen, ein Drucker soll von sich aus zu drucken begonnen haben und ein Kühlschrank sei explodiert, nachdem Fernandes auf Grund der Hitze im Raum die Klimaanlage angedreht habe – was einige Beteiligte als Zeichen paranormaler Interferenz gewertet hätten. Faria selbst habe jede Aussage verweigert.

Ursprünglich hätte das Verhör der gesetzlichen Zuständigkeitsbestimmungen zufolge in Annapolis stattfinden sollen. Es musste allerdings nach Goiânia verlegt werden, weil der Beamte, der das Protokoll hätte führen sollen, von einem Auto angefahren wurde und sich den Arm brach.

Einem Reporter, der zusammen mit anderen vor einem Haus des Heilers in der Hoffnung campiert hatte, um Bilder von ihm machen zu können, sei mit einem Mal übel geworden und er habe für einige Minuten das Bewusstsein verloren. Beide Vorfälle brachten Beobachter in weiterer Folge mit Wirkungen eines angeblichen Fluchs in Verbindung, den der Heiler in Anbetracht seiner bevorstehenden Verhaftung ausgestoßen haben soll.

Karla Fernandes wollte diese Darstellung gegenüber Folha de Sao Paulo nicht dementieren: „Ich akzeptiere es, dass wir mit einer Situation konfrontiert sind, die Glauben und mystische Energien beinhaltet. […] Ich bin spirituell veranlagt und glaube an die spirituelle Welt und das Paranormale. Obwohl ich keine Angst habe, empfinde ich doch ein gesundes Maß an Respekt für das Unbekannte.“

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