Die Universität als Institution ist gescheitert – in den USA entstehen bereits Alternativen

Von 10. September 2018 Aktualisiert: 10. September 2018 20:31
Spätestens seit 1968 sind die tradierten Institutionen der höheren Bildung zunehmend zu geschützten Werkstätten für marxistische Ideologen und deren verquere Ideen geworden. Immer weniger Beobachter halten die Universitäten noch für reformierbar. In den USA denkt man nun über neue Bildungsformen nach.

In einem Essay für das US-amerikanische Blogportal „PJ Media“ hat David Solway die Universität als Institution und herkömmliche Vorstellungen von höherer Bildung für gescheitert erklärt. Er begründet diese Einschätzung vor allem damit, dass die Vermittlung von Fähigkeiten und Fertigkeiten, um komplexe Aufgaben bewältigen zu können, im Hochschulwesen immer weniger Bedeutung hat.

An die Stelle klassischer Lehrtätigkeit sei eine Echokammer extremistischer Ideologen getreten, deren einzige Aufgaben die Reproduktion der eigenen Dogmen und die Indoktrination von Personen seien, die meinen, auf formale Abschlüsse der jeweiligen Einrichtungen angewiesen zu sein.

Vom primären und sekundären Bildungsbereich bis in die höchsten Grade universitärer Bildung sei linksextreme Indoktrination das gravierendste Dilemma, das die Bildung in Nordamerika belaste, meint Solway, und dies mache sie zum „vielleicht mächtigsten Instrument antiwestlicher Voreingenommenheit und sozialistischer Propaganda in der modernen Zeit“. Es ist schwer zu bestreiten, dass sich die Lage an staatlichen Hochschulen Europas durchaus ähnlich darstellt.

Für Solway liegt auf der Hand: Die eigentliche Lehre, faktenbasierte historische Forschung, Vertrautheit mit den „Großen Büchern“ des klassischen Bildungskanons und die Entwicklung kritischer Denkweisen, insbesondere in den Human- und Gesellschaftswissenschaften, haben an den Universitäten ausgedient.

„Revolutionäres Projekt sozialer und politischer Dekonstruktion“

Das heutige Kurrikulum sei eines der „intellektuellen Dysphorie“, es diene der Verbreitung falscher oder nicht beweisbarer Narrative. Diese reichten von der „menschengemachten Erderwärmung“ über den Islam als „Religion des Friedens“, die angebliche Vergewaltigungsepidemie auf dem Campus oder die Erscheinungsformen „toxischer Maskulinität“ über das angeblich „imperialistische“ Wesen Amerikas, den Segen von „Diversität und Inklusion“ bis hin zu den Segnungen des Sozialismus.

Deutsche Universitäten stehen US-amerikanischen im Hinblick auf die Pflege von Junk Science in nichts nach – und aus den in „feministischer Perspektive“ gehaltenen Seminaren über „Genderidentitäten“, „Critical Whiteness“, die Notwendigkeit der „Dekonstruktion patriarchalischer Narrative“ oder „queere Entfaltungswelten im Kindesalter“ geht es nicht selten direkt ins Parlament oder in die Verwaltung.

Die Folgen des kulturmarxistischen Weltbildes, das in der Filterblase Universität vertieft wird, zeigen sich in allen erdenklichen Lebensbereichen. Sie reichen von dem Richter, der auch bei multiplen Stichwunden keine Mordabsicht erkennen mag, über die Gutachterin, die dem manipulativen Triebtäter eine günstige Sozialprognose erstellt, bis hin zur Ministerialbeamtin, die die episch breite Erörterung des Analverkehrs in den Bildungsplan für Grundschulen aufnimmt.

Sogenannte höhere Bildung sei ein „revolutionäres Projekt sozialer und politischer Dekonstruktion“ geworden, resümiert Solway. Postmoderne Doktrin, die Zurückweisung menschlicher Vernunft, die Vorstellung, die Realität sei ein konzeptuelles Konstrukt und es gäbe keine feste und objektive Wahrheit, hätten die Universitäten in eine Parodie ihres ursprünglichen Anspruches umgewandelt, nämlich des Strebens nach tatsächlichem Wissen.

Schon Stalin wusste um die Rolle der Bildung im Klassenkampf

Seit den 1960er und 1970er Jahren sei es der extremen Linken durch gezielte Unterwanderungsstrategien wie „Targeted Recruiting“ gelungen, vor allem abseits naturwissenschaftlicher Bereiche Gleichgesinnte in die Institute zu bringen. Dies erklärt beispielsweise der Historiker Niall Ferguson in einem Interview mit Dave Rubin. Heute seien etwa „90 Prozent von Mitgliedern einer Fakultät Linksliberale oder Progressive, wenn nicht gar bekennende Marxisten“.

Die Bildungsinstitutionen zu unterwandern sei von jeher eines der zentralen Anliegen marxistischer Ideologen gewesen. Die Verstaatlichung des Bildungswesens und die damit verbundene umfassende Kontrolle des Staats über die Erziehung war eines der prägenden Kennzeichen aller totalitären Systeme des 20. Jahrhunderts. Sowjetführer Josef Stalin erklärte in einem Interview mit dem Schriftsteller H. G. Wells aus dem Jahre 1934, Bildung sei „eine Waffe, über deren Effekt jene entscheiden, die sie in ihren Händen halten.“

Zu seiner Zeit waren dies noch „jene, die niedergeworfen werden müssen“. Heute hingegen sind es seine entfernten geistigen Verwandten, die ihm allenfalls übelnehmen, dass er die Sache mit der Weltrevolution zu sehr hätte schleifen lassen. Mit der Folge, dass vom gesamten marxistischen Gedankengebäude heute vor allem die Vulgärfassung geblieben ist, die davon ausgeht, dass die Welt ebenso wie jeder Bereich des Lebens in den Dualismus aus „Unterdrückern“ und „Unterdrückten“ zerfällt. Und es findet sich immer ein geeigneter „Unterdrückungs“-Narrativ, der es ermöglicht, Fakten, die nicht ins eigene Weltbild passen, als Versuch zu denunzieren, Unterdrückung zu rechtfertigen.

Pubertären Weltschmerz in politischen Auftrag übersetzt

Nicht selten legen linke Lehrer bereits im Pubertätsalter ihrer Schüler die Grundlage für die marxistischen Karrieren von morgen. Den speziellen Zustand der Betroffenen ausnützend, wird vor allem den „Kritischen“ und „Aufsässigen“ suggeriert, ihre Verunsicherung und Unzufriedenheit seien einem breiten Netz an „unterdrückerischen“ Strukturen geschuldet.

Diese reichten von strengen Eltern über traditionelle Wertvorstellungen, Leistungsdruck und Sexualrepression bis hin zu allgegenwärtigen „Nazis“, die man als verkannte Elite von morgen zu bekämpfen habe. Da sich 14- oder 15-jährige Gymnasiasten aus der Oberschicht dadurch zum einen geschmeichelt fühlen und zum anderen meinen, eine Aufgabe gefunden zu haben, die ihnen automatisch auch moralisches Oberwasser verschafft, gelingt es so in den meisten Fällen, sich den Nachwuchs für morgen zu sichern.

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Was insbesondere in unseren Breiten dazukommt, ist, dass Marxisten an den Universitäten exakt von jenen tradierten Wertvorstellungen jener gesellschaftlichen Gruppen profitieren, die sie selbst Tag für Tag als „faschistisch“ oder „reaktionär“ verketzern. Es war im Grunde die Kriegsgeneration, die selbst dazu erzogen worden war, akademisch gebildeten Personen Respekt entgegenzubringen und ihnen Autorität zuzubilligen. Ähnlich das Bürgertum. Diese Überzeugung haben sie weitergegeben – mit der Folge, dass auch Scharlatane heute noch davon profitieren.

Warren Treadgold hat in seinem Buch „The University We Need“ versucht, darzustellen, welche Schritte erforderlich wären, um die Bildungsmisere zu überwinden und dabei an den Universitäten anzusetzen. Er glaubt an die Reformierbarkeit dieser Institution, will die öffentlichen Förderungen für den Universitätsbetrieb auf maximal 20 Prozent des Etats limitieren und durch eine radikale Reform der Führung untaugliche Ideen, Lehrmaterialien, Professoren und Studenten loswerden. Ideen dafür will er selbst aber erst sammeln. Sein Ansatz, so meint auch David Solway, beruhe eher auf dem Prinzip Hoffnung, dass sich die Lehranstalten eines Tages von sich aus wieder auf ihre ursprüngliche Aufgabe besinnen würden.

Gestern Rassenkunde, heute Feminismus – Scharlatanerie mit Doktorhut

Solway selbst sieht Ungarn als positives Beispiel, wo alle Abteilungen geschlossen wurden, die sich mit Pseudowissenschaften wie Genderstudien befassen. Diese Lösung sollte auf alle Bereiche ausgeweitet werden, die für sich genommen nicht marktfähig sind und doktrinäre Ideologie statt ergebnisoffener, tatsachenbasierter Forschung bieten. Höhere Bildung habe nur dann eine Daseinsberechtigung, wenn sie ausschließlich auf Leistung und Bedarf fußt, nicht auf Spekulationen über soziale oder sonstige Gerechtigkeit. Solche sei allenfalls Sache der Justiz.

Im Grunde sieht Solway die Universitäten jedoch als nicht mehr reformierbar. Sieht man von MINT-Fächern und bestimmten wirtschaftswissenschaftlichen Disziplinen ab, die sich auch ohne staatliche Förderung auf dem Markt behaupten könnten, hat sie ihren Zweck verfehlt.

Die Universität als Bildungsinstitution hat in Zeiten politischer Pseudowissenschaften oder einer Instrumentalisierung von Forschung durch politische Ideologen die Unschuld des Elfenbeinturms verloren. Was im späten 19. Jahrhundert mit Fächern wie Eugenik oder Rassenkunde begann, hat sich über „Wissenschaftlichen Kommunismus“ oder „Marxismus-Leninismus als wissenschaftliche Weltanschauung“ heute in Klimatologie, Genderwissenschaften oder Feministische Studien gewandelt.

Solway drückt es so aus: „Die Akademie ist heute feindlich okkupiertes Territorium, verteidigt durch eine beachtliche Armee der Ignoranten, Korrupten, Vulgären und Perversen, und diese sind nicht im Begriff, ihre Privilegien aufzugeben.“

Parallelstrukturen für konservative und klassische Bildung

Es sei an der Zeit, dass tatsächlich Gelehrte und interessierte Stakeholder damit beginnen, Parallelstrukturen im Bereich der höheren Bildung aufzubauen, entweder über Onlinedienste oder stationäre Einrichtungen oder beides. Investoren, Crowdsourcing, Stiftungen, Organisation oder auch pragmatische, weitsichtige Regierungen wie die derzeitige in den USA könnten zur Entstehung dieser Parallelstruktur beitragen.

Der Psychologe Jordan Peterson baut bereits jetzt seine eigene Online-Universität auf. Die Grundlage in der Primär- und Sekundärbildung würden schon seit längerem Staaten mit Bildungspflicht und Voucher-Programmen schaffen, in denen Bildung abseits ideologisch durchsetzter Lehrpläne auch in vollständig privaten Einrichtungen oder zu Hause stattfinden kann.

Mit Strategie und einem langen Atem sollte eine solche Lösung auch in der akademischen Bildungslandschaft gefunden werden können. Wobei Business-Schulen oder technisch-naturwissenschaftliche Einrichtungen dem Gesetz von Angebot und Nachfrage entsprechend jetzt schon zum Teil ein deutlich höheres Ansehen aufweisen als selbst geschichtsträchtige Universitäten.