Japan: Ein Kaiser auf der Suche nach der Vereinbarkeit von Familie und Berufung

Epoch Times29. April 2019 Aktualisiert: 29. April 2019 13:42

Japans Kaiser Akihito dankt am Dienstag nach drei Jahrzehnten ab. Unter seinem Sohn Naruhito bricht dann die „Raiwa“-Ära an, ein Zeitalter der „Harmonie“.

Naruhito will Reformen wegen psychisch angeschlagener Frau

Dem 59-jährigen Tenno wird es in seiner Amtszeit auch darum gehen, die strikten Regeln der uralten japanischen Monarchie mit der Lebenswirklichkeit seines Volks und den Bedürfnissen seiner psychisch angeschlagenen Frau Masako in Einklang zu bringen. Denn die Harvard-Absolventin, die für ihre Ehe auf eine Diplomatenkarriere verzichtete, leidet seit Jahren unter dem Druck, den der Hof auf sie ausübt.

In der Vergangenheit hat Naruhito in ungewöhnlich deutlicher Form die unfaire Behandlung seiner Frau angeprangert. Vor japanischen und ausländischen Journalisten sagte der Kronprinz 2004, der Palast ersticke die Persönlichkeit seiner Frau. „Mir erscheint Masako erschöpft durch ihre Bemühungen in den vergangenen zehn Jahren, sich dem Leben als Mitglied des Königshauses anzupassen“, klagte Naruhito.

Royale Pflichte müssen an moderne Zeit angepasst werden

Später entschuldigte er sich für seine Äußerungen, forderte aber, dass die „royalen Pflichten“ der modernen Zeit angepasst werden müssten. Aus dem Königspalast, in dem Naruhitos öffentliche Kritik für Aufregung gesorgt hatte, wurde noch im selben Jahr mitgeteilt, dass Masako praktisch seit Beginn ihrer Ehe wegen einer durch Stress verursachten „Anpassungsstörung“ in Behandlung sei.

Naruhito heiratete die drei Jahre jüngere Masako 1993. Sie stammt aus einer Diplomatenfamilie und hat an den Elite-Unis Harvard und Oxford studiert. Dass sie eine vielversprechende Diplomatenkarriere aufgab, begründete sie mit ihrem Willen, „mich auf diesem neuen Weg nützlich zu machen“. Naruhito versprach im Gegenzug, sie „um jeden Preis zu schützen“.

Doch das gelang ihm aufgrund der starren Strukturen in der ältesten Monarchie der Welt nicht immer. Masako litt unter dem abgeschotteten und durchgetakteten Leben als Prinzessin.

Naruhito lernte westliche Freiheit kennen

Weil in Japan nur Männer den Thron besteigen dürfen, war zudem der Druck auf sie enorm, einen Thronfolger zu gebären. 2001 brachte Masako eine Tochter zur Welt, und Aiko blieb das einzige Kind des Paares. Die Lage entspannte sich erst etwas, als Masakos Schwägerin 2006 einen Jungen, Prinz Hisahito, bekam.

Dass der künftige Kaiser Naruhito sich dem Zwang des Palasts nicht genauso unterwerfen wird wie seine Vorgänger, zeichnete sich schon in seiner Kindheit ab. Er ist der erste japanische Kaiser, der im Kreise seiner Familie aufwuchs und nicht von Gouvernanten und Hauslehrern erzogen wurde.

Nach einem Geschichtsstudium in der Heimat hat Naruhito während eines zweijährigen Studiums in Oxford in den 80er Jahren außerdem den Duft der Freiheit gerochen.

Er stürzte sich ins Studentenleben und kam dabei auch mit der britischen Königsfamilie in Kontakt. In seinem Studentenzimmer soll ein Poster des damaligen Sex-Symbols Brooke Shields gehangen haben. Von dieser Zeit relativer Freiheit fern der Heimat spricht Naruhito noch heute mit Begeisterung.

Nach der Abdankung seines Vaters will Naruhito nun aber „immer an der Seite des Volkes sein“ und mit ihm „Freude und Leid teilen“, wie er im Februar erklärte.

Die voraussichtlich ersten Staatsgäste werden Trump und seine Frau sein

Als voraussichtlich erste Staatsgäste wird der neue Kaiser Ende Mai US-Präsident Donald Trump und seine Frau Melania empfangen.

Der Historiker Hideya Kawahishi rechnet damit, dass Naruhito und Masako wie schon sein Vater und dessen Frau Michiko die Rolle der Chef-Tröster in Japan übernehmen, die nach Naturkatastrophen und anderen Unglücken die Betroffenen trösten.

Wie sein populärer Vater Akihito ermahnt Naruhito das Volk immer wieder zu einem demütigen Umgang mit Japans Rolle im Zweiten Weltkrieg. Naruhito werde aber „keine Kopie seines Vaters“ sein, sagt Kenneth Ruoff, Leiter des Zentrums für Japan-Studien der US-Universität Portland. Schließlich habe der künftige Kaiser „immer wieder betont, dass das Kaiserhaus stets gesellschaftlichen Wandel“ folgen sollte. (afp)

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