„Neue Seidenstraße“: China schlachtet Kenias Esel – einheimische Bauern gehen bankrott

Von 17. September 2019 Aktualisiert: 17. September 2019 21:58
Bis 2023 könnte der Esel in Kenia ausgerottet sein: Seit 2016 arbeiten in Kenia vier lizenzierte Schlachthöfe für Esel, drei davon befinden sich in chinesischer Hand. Um die Haut der Tiere für Heilpräparate zu nutzen, beschaffen sich chinesische Abnehmer die Esel legal oder illegal aus Ostafrika. Weil die Bestände stetig abnehmen, können sich Bauern die Nutztiere nicht mehr leisten.

In den hoch industrialisierten Teilen Europas spielt der seit mindestens 5000 Jahren als Nutztier verwendete Esel eine verhältnismäßig geringe Rolle. Als Trag- oder Lasttier in der Landwirtschaft ist er ebenso wie das Pferd weitgehend durch maschinelle Technologie ersetzt worden. Allenfalls im Freizeitbereich hat er noch eine gewisse Bedeutung als Reittier, in Ländern wie Italien oder Ungarn auch als Nahrungsmittel: Fleisch- und Wurstprodukte vom Esel werden hier zu meist stolzen Preisen gehandelt.

Mehr als 96 Prozent aller Esel in unterentwickelten Ländern im Einsatz

In weniger entwickelten Ländern hingegen hängen ganze Existenzen vom Esel ab – von mehr als 40 Millionen Tieren, die es in der Welt gibt, stehen etwa 96 Prozent in Entwicklungs- oder Schwellenländern im Einsatz, beispielsweise im Transportwesen, der Landwirtschaft oder der Mühlenwirtschaft. Wo dort der Esel nicht zur Verfügung steht, droht oft Armut.

Das Afrikanische Netzwerk für Tierwohl (ANAW) schlägt nun mit Blick auf Kenia Alarm. Dass immer mehr Schlachthäuser für Esel in dem ostafrikanischen Land ihren Betrieb aufnehmen und es dazu noch eine hohe Dunkelziffer an illegalen Schlachtungen gibt, könnte dazu führen, dass der Esel bereits 2023 dort ausgerottet ist.

Die Studie, die ANAW dazu vorlegt und über die „The East African“ berichtet, sieht in der vor sieben Jahren erfolgten Klassifizierung von Esel und Pferd als Nutztiere zum Zwecke der Nahrungsgewinnung als Wurzel des Problems. Dadurch seien mehr Schlachthäuser gegründet worden, um die immer höhere Nachfrage lokaler und internationaler Märkte zu bedienen. Derzeit existieren allein in Kenia vier lizenzierte Eselsschlachthöfe.

Schlachtrate das Fünffache der Fortpflanzungsrate

Inzwischen, so schreibt die „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ), werden in Kenias vier lizenzierten und seit 2016 arbeitenden Schlachthäusern 500 Esel pro Tag verarbeitet. Andere Schätzungen gehen gar von bis zu 1000 geschlachteten Eseln täglich aus. „Die Schlachtrate der Esel in Kenya beträgt das Fünffache der Fortpflanzungsrate“, erklärt Tabitha Karanja von der Kenya Agriculture and Livestock Research Organization.

Karanjas Kollege, der Veterinärmediziner Calvin Onyango, spricht zudem ein anderes Thema an, das mit der Schlachtung zur Fleischgewinnung Hand in Hand geht: den Export von Eselhäuten nach Ostasien. Onyango spricht von 600 000 Einheiten an Eselshaut und 400 Tonnen an Eselsfleisch, die in den Jahren zwischen 2016 und 2018 nach Vietnam, vor allem aber nach China exportiert worden wären.

Vor allem in China wird die Haut von Eseln bei der Fertigung des traditionellen Heilmittels Ejiao verwendet, von dem pro Jahr etwa 5000 Tonnen produziert werden. Die Bestandteile von Eselshaut und daraus gewonnene Gelatine würden, so heißt es dort, Blutverlust ausgleichen, den Alterungsprozess verlangsamen, die Libido erhöhen und Nebenwirkungen von Chemotherapien lindern. Außerdem würde das Medikament Unfruchtbarkeit umkehren, Fehlgeburten vorbeugen und den Menstruationszyklus verstetigen.

Die Tierschutzvereinigungen fordern von der Regierung in Kenia, die Lizenzen für die Schlachthäuser, von denen drei chinesischen Eigentümern gehören, zu entziehen, bis es gelungen sei, geeignete Maßnahmen zum Schutz des Eselsbestandes in Kenia in Kraft zu setzen.

Chinesische Versprechen der „Nichteinmischung“ klingt für Afrikas Potentaten attraktiv

Der geschätzte Wert der aus einer Eselshaut produzierten Gelatine auf dem chinesischen Markt kann knapp 1300 Euro erreichen. Gleichzeitig leiden einheimische Bauern oder Unternehmer an der Verringerung des Eselsbestandes in Kenia, die entsprechend die Anschaffungspreise in die Höhe treibt. Infolge der chinesischen Nachfrage koste bereits ein untrainiertes Jungtier um 25 Prozent mehr. Vor drei Jahren waren selbst für den Fuhrbetrieb ausgebildete Esel noch für umgerechnet knapp 130 Euro zu haben. Dazu kommen nun erhöhte Kosten für die Bewachung der Tiere: Immer wieder dringen Unbekannte nachts in Ställe und auf Grundstücke ein, stehlen oder töten die Esel und ziehen ihre Haut ab. Deshalb haben einige andere ostafrikanische Staaten bereits Exportverbote erlassen.

Der groß angelegte Aufkauf des Nutztierbestandes afrikanischer Volkswirtschaften ohne Rücksicht auf die Interessen der Bevölkerung und der Landwirtschaft der betroffenen Länder ist symptomatisch für die Art und Weise, wie China in Afrika „Entwicklungszusammenarbeit“ praktiziert.

Zwar erscheinen vielen Regierungen in Afrika chinesische Offerten unter dem Banner der „Neuen Seidenstraße“ auf den ersten Blick als attraktiv. Anders als der IWF oder andere westliche Institutionen verlangt Peking keine Wirtschaftsreformen und keine institutionellen Schritte zu mehr Rechtsstaatlichkeit und Marktwirtschaft. Dies klingt nach wenig Einmischung, zumal mit großzügigen Krediten und Joint Ventures für den Ausbau der Infrastruktur sowie mit der Abnahme von Exportgütern geworben wird.

Politik der verbrannten Erde mit Endziel, die USA zu schädigen

Tatsächlich aber führen die chinesischen Offerten die betroffenen Länder regelmäßig in die Schuldenfalle und enden damit, dass strategische Häfen oder Bahnlinien als Faustpfand in die Hände Pekings Fallen. Die Versprechen zum Ankauf von Gütern entpuppen sich regelmäßig als Danaergeschenk – wie im Fall Kenias der Betrieb von Eselsschlachthäusern.

Die Initiative „One Belt, One Road“ konzentriert sich unterdessen nicht nur auf die Beschaffung von Rechtsansprüchen an Landrouten, Wasserwegen und großen Häfen oder auf den Ausverkauf ihrer Fauna und Flora. Die Kommunistische Partei Chinas will Schlupflöcher nutzen, wo immer sie sich auf der Welt befinden. Viele Länder in Asien, Afrika und Lateinamerika sind neue unabhängige Staaten, die durch Entkolonialisierung entstanden sind. Diese Regionen erlebten ein Machtvakuum, welches die KP Chinas einlud, Fuß zu fassen.

Die neuen unabhängigen Länder, die einst die Sowjetunion und ihre osteuropäischen Satelliten umfassten, verfügten nur über eine schwache Souveränität und waren auch für das Regime der KP Chinas eine leichte Beute. Kleine Länder, Inselstaaten und unterentwickelte Länder an strategisch günstigen Standorten liegen alle im Fadenkreuz der Partei.

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Geopolitisch betrachtet kreist die Partei auf diese Weise allmählich die Vereinigten Staaten ein, indem sie die Wirtschaft anderer Länder kontrolliert. Ziel ist, den amerikanischen Einfluss zu verringern, zu verdrängen und schließlich aus diesen Ländern zu entfernen – um am Ende die eigene, totalitär-kommunistische Weltordnung an dessen Stelle zu setzen.