Washington Post: „Sprechen wir nicht von einem chinesischen Virus, sondern von einem KPCh-Virus“

Von 21. März 2020 Aktualisiert: 23. März 2020 12:16
Dass US-Präsident Donald Trump von einem "chinesischen Virus" im Zusammenhang mit SARS-CoV-2 spricht, hat bei liberalen Gegnern und dem Regime in Peking für Empörung gesorgt. In der "Washington Post" mahnt Josh Rogin, die KP rhetorisch vom chinesischen Volk zu trennen.

In einer Kolumne für die „Washington Post“ ruft Josh Rogin dazu auf, in stärkerem Maße zwischen China und der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) zu differenzieren, wenn man auf den Ausgangspunkt des weltweit verbreiteten Coronavirus hinweisen will.

Damit soll rassistischen Ressentiments und einer Stigmatisierung chinesischer Bürger und Einwanderer entgegengewirkt werden, die sich auch in den USA verbreiteten. Rogin verglich die Situation mit dem 11. September 2001, als es in Reaktion auf die Terroranschläge radikal-islamischer Attentäter aus dem Lager von Al-Kaida vermehrt zu Feindseligkeiten gegenüber Muslimen im Land gekommen war.

Bürger von China sind Opfer ihres Regimes

Es sei „technisch akkurat“, wenn Präsident Donald Trump durch die Verwendung der Bezeichnung „chinesisches Virus“ explizit auf dessen Ursprung hinweise – zumal Politiker und Medien des Regimes in Peking absichtlich Fake-News verbreiteten, wonach der Erreger seinen Ursprung in den USA haben könnte. Allerdings gäbe es einen angemesseneren Weg, um der Wahrheit über das Virus die Ehre zu geben, ohne nicht angebrachte Kränkungen zu verursachen.

„Wir müssen sehr spezifisch sein, wenn es darum geht, die KP Chinas für ihre Taten zur Verantwortung zu ziehen“, schreibt Rogin. „Es war die KPCh, die den Ausbruch des Virus wochenlang verschwiegen hat, Ärzte zum Schweigen gebracht hat, Journalisten eingesperrt hat und die Wissenschaft verworfen hat – etwa durch die Schließung jenes Labors in Shanghai, das die erste Genomsequenz des Coronavirus veröffentlicht hatte.“

Die Helden der Geschichte seien jedoch die Menschen aus dem chinesischen Volk: Die Ärzte, Forscher und Journalisten, die ihr Leben riskierten und sogar gestorben seien, um das Virus zu bekämpfen und die Welt zu warnen. Die Menschen in China hätten eine Gemeinschaftsanstrengung zustande gebracht, als sich die Situation verschlechtert habe, von der man auch in hiesigen Breiten lernen könnte. Die Chinesen seien auch Opfer der drakonischen Maßnahmen ihrer eigenen Regierung, die massives zusätzliches Leid geschaffen habe.

„Pekings Regierungsversagen nicht aus den Augen verlieren“

Auch Christoph Walker vom National Endowment for Democracy mahnt, es sei „entscheidend, sich daran zu erinnern, dass das chinesische Volk keinen bedeutenden Einfluss auf das Gebaren seiner Regierung hat“. Im Nebel derzeitiger autoritärer Informationsbewirtschaftung und Desinformation durch das Regime in Peking „dürfen wir das massive autoritäre Regierungsversagen nicht aus den Augen verlieren, das am Ausgangspunkt der globalen Pandemie stand.“

Die USA, so betont Rogin, hätten keine Meinungsverschiedenheiten mit China selbst, das Problem sei die KPCh mit ihrer inneren Repression, ihrer außenpolitischen Aggression und ihrer bösartigen Einflusspolitik auf freie und offene Gesellschaften.

Ein Aspekt der Politik der KP Chinas sei es, dass diese die Spaltung westlicher Gesellschaften entlang politischer, ethnischer und rassischer Linien betreibe. Auf Kritik am Regime in Peking antworte dieses regelmäßig mit dem Vorwurf des „Rassismus“ – auch, um von der eigenen rassistischen Politik abzulenken, die Millionen unschuldiger Menschen auf der Grundlage ihrer ethnischen Herkunft in Xinjiang interniere.

Statt vom „chinesischen Virus“ von „KPCh-Virus“ sprechen

Australien habe die Gefahr erkannt und diskutiere schon lange das Problem der Einflussnahme durch das Regime in Peking. Stets klar zwischen dem chinesischen Regime und dem chinesischen Volk zu differenzieren sei ein wesentlicher Faktor, um die von der KPCh aufgestellte Falle unwirksam zu machen, erklärt das Institut für Strategische Politik.

Eine ähnliche Strategie hatte auch George W. Bush nach dem 11. September praktiziert, als er sich schon früh mit der muslimischen Community in den USA öffentlich solidarisierte und den islamistischen Terror mit dem bekannt gewordenen Ausspruch „Islam ist Frieden“ von der islamischen Religion trennte.

Deshalb solle man, so Rogin, nicht von einem „chinesischen Virus“ sprechen, auch wenn man damit keine rassistischen Zwecke verfolge. Stattdessen solle man von einem „KPCh-Virus“ sprechen. Dies sei akkurat, kränke nur diejenigen, die es verdienten und spiele nicht dem Vorhaben des Regimes in die Hände, westliche Gesellschaften zu spalten und von den eigenen Untaten abzulenken.

Ian Miles Cheong: „Warum ist Afrikanisches Schweinefieber dann unproblematisch?“

Der sino-amerikanische Publizist Ian Miles Cheong sieht die Angelegenheit als weniger problematisch an. Auf Twitter schreibt er: „Warum ist es okay, dass die WHO eine Seuche als Afrikanischen Schweinefieber-Virus bezeichnet, aber man nicht von einem chinesischen oder Wuhan-Virus sprechen soll? Scheinbar ist Afrika kein Ort und Afrikaner keine Menschen.”

Als Chinese brauche er keine „Solidarität“ gegen Präsident Donald Trump, der das Coronavirus korrekterweise als chinesisch identifiziere und China für die virale Pandemie verantwortlich mache, die das Land über die Welt gebracht habe.

In Anspielung auf einen früheren Ausspruch von Bush-Gegnern, mit Blick auf den Irak-Krieg, wandelte er diesen ab in „China lied. People died.“


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