Wasserwerfer und Gummigeschosse: Ein Toter bei Demonstration zum 1. Mai in Istanbul

Epoch Times1. Mai 2017 Aktualisiert: 1. Mai 2017 18:39
Bei den Demonstrationen zum 1. Mai in Istanbul ist ein Mensch bei einem Unfall beim Manöver eines Wasserwerfers ums Leben gekommen. Mehr als 200 Demonstranten wurden festgenommen.

Festnahmen und Tränengas zum 1. Mai in Istanbul: Die türkische Polizei ist mit aller Härte gegen eine Gruppe von Demonstranten vorgegangen, die trotz eines Verbots zum zentralen Taksim-Platz marschieren wollten.

Die Beamten setzten Tränengas und Gummigeschosse ein und nahmen mehr als 200 Demonstranten fest, nachdem diese Banner mit Parolen gegen die Regierung entrollt hatten.

„Lang lebe der 1. Mai. Nein zum Diktator“, hieß es auf Bannern der linken Demonstranten im Istanbuler Stadtteil Gayrettepe. Als der Protestzug in Richtung des Taksim-Platzes startete, schritt die Polizei ein. Der Istanbuler Gouverneur erklärte, einige illegale Gruppen hätten versucht, die Feiern zum 1. Mai als „Vorwand“ für Proteste gegen die Regierung zu nutzen.

Demnach kam ein Mensch bei einem Unfall beim Manöver eines Wasserwerfers ums Leben. 40 Molotowcocktails, 17 Handgranaten, 176 Feuerwerkskörper und sieben Masken seien beschlagnahmt worden, erklärte die Polizei. Insgesamt 207 Menschen seien festgenommen worden. Allein in Istanbul waren rund 30.000 Polizisten im Einsatz.

Seit Gezi-Unruhen im Sommer 2013: Demonstrationsverbot für Taksim-Platz

Die Istanbuler Behörden hatten ein Demonstrationsverbot für den Taksim-Platz erlassen, auf dem seit den Gezi-Unruhen im Sommer 2013 keine Proteste mehr zugelassen werden. Der Platz war am Montag komplett mit Gittern abgeriegelt, auch die Zufahrtsstraßen waren in weitem Umkreis abgesperrt. Die Polizei war massiv präsent, die Metrostation war geschlossen.

Der Taksim-Platz war in Istanbul der Austragungsort der Mai-Kundgebungen bis 1977, als 34 Menschen von radikalen Nationalisten erschossen wurden. „Unsere Leute wurden am 1. Mai 1977 massakriert“, sagte eine Demonstrantin namens Sevim. „Wir gehen zum Taksim-Platz, weil es ein bedeutender Platz für die Arbeiterklasse ist.“

Weitere Demonstrationen in Istanbul und Ankara

An der offiziellen Kundgebung in Bakirköy beim Atatürk-Flughafen im Westen der Bosporus-Metropole nahmen mehrere tausend Menschen teil.

Die Mai-Kundgebung fand zwei Wochen nach einem umstrittenen Referendum statt, bei dem eine knappe Mehrheit für die Ausweitung der Macht von Präsident Recep Tayyip Erdogan gestimmt hatte.

Die Opposition sieht darin einen Schritt zur Autokratie und wirft der Regierung vor, die Abstimmung manipuliert zu haben. Ihre Klagen vor Gericht blieben bislang aber erfolglos. Der Demonstrant Yunus Özgür sagte in Istanbul, er wolle zum Taksim-Platz marschieren, um gegen die „Unregelmäßigkeiten“ bei der Abstimmung zu protestieren.

Auch in Ankara versammelten sich 6.000 Menschen zum 1. Mai, wobei die Menge Buchstaben hoch hielt, die in Anspielung auf das Verfassungsreferendum das Wort „Hayir“ (Nein) bildeten. Zudem gab es Banner mit der Aufschrift „Nein heißt Nein“. (afp)

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