Steigende Besorgnis um Bio-Lebensmittel aus China

Von und 4. September 2011 Aktualisiert: 4. September 2011 14:30
China ist die größte Produktionsstätte für die beliebte „Health-Food“ Goji-Beere, aber wirkliche Bio-Qualität ist nicht gesichert.

Die Nachfrage nach biologisch angebauten Produkten ist weltweit im Anstieg. Schätzungen zufolge erwirtschaftet die Biobranche allein in Deutschland einen Umsatz in Höhe von rund sechs Milliarden Euro im Jahr. Auch chinesische Bauern drängen immer weiter in diesen profitablen Markt hinein. Da die deutschen Bauern mit dem Bio-Boom hierzulande überfordert sind, werden Bioprodukte immer öfter importiert. China ist inzwischen der größte Anbieter von einigen Bohnensorten und Samen wie Kürbis- und Sonnenblumenkernen im europäischen Markt. Auch Tee, Knoblauch und Ingwer werden in großen Mengen aus China importiert.

Doch um  in den westlichen Markt zu gelangen, müssen sich chinesische Bio-Produkte einer strikten Kontrolle unterziehen lassen. Die diesjährigen Lebensmittelkontrollen zeigten einen alarmierend hohen Gehalt an Schadstoffen und Pestiziden. Das hat dazu geführt, dass viele der getesteten Produkte aus China vom Export in die EU und USA ausgeschlossen wurden. Die chinesischen Bauern können folglich ihre Ware nicht mehr an den Markt bringen, es wird mit großen Verlusten gerechnet. Besonders stark davon betroffen ist die Goji-Beere, bei der China bis jetzt mit Abstand weltweiter Marktführer war.

Die Goji-Beere, auch als Gemeiner Bocksdorn oder „chinesische Wolfsbeere“ bekannt, ist eine kleine rote Beere, die traditionell in der chinesischen Medizin verwendet wird. Diese Beere soll die Leber- und die Nierenfunktion sowie das Sehvermögen verbessern. In den letzten Jahren ist ein regelrechter Boom an Goji-Beeren und deren Produkten in Deutschland entstanden. Die Goji-Beere hat einen sehr hohen Gehalt an verschiedenen wichtigen Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen und ist deshalb hoch begehrt. Diese Beeren sind auch vollbepackt mit Antioxidanten, also Elementen, die die schädlichen freien Radikalen neutralisieren, die durch Sonnenlicht, Strahlung, Stress, Alkohol und Rauch im Körper entstehen.

Die Goji-Beere ist mittlerweile die wichtigste Quelle des Lebensunterhalts für viele Landwirte im Landkreis Zhongning in der Autonomen Region Ningxia im Nordwesten Chinas geworden. Der Landkreis Zhongning ist mit einem jährlichen Umsatz von 1,5 Milliarden Yuan (150 Millionen Euro) der weltweit größte Produzent und Exporteur von Goji-Beeren. Laut einem kürzlich erschienenen Bericht auf der Webseite der Zeitung „Wenweipo“, einer in Hongkong ansässigen Zeitung mit Verbindungen zur Kommunistischen Partei Chinas (KPCh), werden jährlich 3.500 Tonnen der chinesischen Goji Beere, mit einem Verkaufswert von über 21 Millionen Euro weltweit exportiert.

Wie es in einem im Juli erschienenen Bericht in der chinesischen Zeitung „Southern Weekend“ hiess, haben dieses Jahr viele Goji-Beeren-Bauern in Zhongning jedoch Schwierigkeiten, ihre Ware auf den Markt zu bringen.

„Die Europäische Union und die USA haben ihre Türen für chinesische Goji-Beeren so gut wie geschlossen“, sagte Liu Lei, Vizepräsident von Zaokang, der größten Goji-Beeren Produktionsfirma im Landkreis Zhongning, gegenüber der Southern Weekend,  als er an einem Treffen mit Mitarbeitern des Schweizer Instituts für Marktökologie (IMO) teilnahm.

„Die Kontrolle in diesem Jahr ist außergewöhnlich streng“, sagte Liu. „Sie untersuchen sehr gründlich. Sie haben nicht nur detailliertere Anforderungen hinzugefügt, sondern auch ein Online-Tracking-System.“ Denn „die Gefahr, dass es Betrug oder andere Unregelmäßigkeiten gibt, ist in China besonders hoch“, erklärte dazu Peter Schaumberger, Leiter des IMO auf Anfragen der Berliner Zeitung TAZ.

Hohe Verwendung von Pestiziden

China ist der weltweit größte Produzent und Verbraucher von Pestiziden. Die derzeit jährliche Nutzung von Pestiziden in China liegt bei 1,3 Millionen Tonnen; das ist das 2,5-fache des weltweiten Durchschnitts, wie offizielle Zahlen des chinesischem National Bureau of Statistics zeigten. Die Zahl der registrierten Pestizide in China hat mittlerweile 27.000 erreicht; im Jahr 1999 lag die Zahl noch bei knappen 10.000. Im April 2010 wurden neun Bewohner in Qingdao, einem ehemaligen deutschen Kolonial-Handelsstützpunkt in der ostchinesischen Provinz Shandong, vergiftet, nachdem sie mit Phosphor verseuchten Knoblauch gegessen hatten. Seitdem ist das kommunistische Regime vorsichtiger geworden. Ende Juli machte das Ministerium für Landwirtschaft bekannt, dass China bis Ende Oktober die Produktion von zehn hochgiftigen Pestiziden verbieten wird.

Trotz der wachsenden Besorgnis über die Sicherheit der landwirtschaftlichen Produkte in China sind viele chinesische Lebensmittel-Importe durch die hohe Verwendung von Pestiziden geprägt – sogar  Lebensmittel, die als „Bio“ gekennzeichnet sind.

Zwischen Januar 2007 und März 2009 verweigerte die amerikanische Lebensmittelzulassungsbehörde Food and Drug Administration (FDA) 24 Lieferungen von Goji-Beeren aus China den Zugang in die USA. Die Gründe für die verweigerte Einfuhr waren laut Daten des Forstwirtschaftsbüros von Ningxia, die hohen Rückstände von Schädlingsbekämpfungsmitteln, Sulfiden, Pigmenten und schädlichen Verunreinigungen.

„Seit 2007 fordert die FDA, dass keine Pestizidrückstände auf Goji-Beeren, die in die USA importiert werden, nachweisbar sein dürfen“, sagte Meng Yuejun, Direktor des Zhongning Landkreis Goji-Beeren-Produktionsbüros der chinesischen Zeitung „Southern Weekend“. „Der Export von Bio-Goji Beeren aus Ningxia in die USA ist seitdem gestoppt“, fügte Meng hinzu.

Seit 2006 ist CERES, eine Zertifizierungsstelle für ökologischen Landbau und Verarbeitung von Öko-Lebensmitteln mit Sitz in Deutschland, an der Inspektion und Zertifizierung von chinesischen Bio Goji Beeren beteiligt. „Seit 2007 haben wir alle Arten von Verstößen, Nichteinhalten von Bestimmungen und sogar (verstecktem oder offensichtlichem) Betrug in mehreren der Goji-Projekte gefunden. Der Einsatz von chemischen Insektiziden und Düngemitteln sowie Vermischung mit konventionellen Produkten waren die häufigsten Probleme.“ Es gab mehrere Fälle, in denen „Bio“ Goji-Beeren, die mit Pflanzenschutzmitteln kontaminiert waren, den europäischen Markt erreicht haben. CERES hat angesichts der Unfähigkeit, eine einwandlose Kontrolle zu gewährleisten, die Zertifizierung von Bio-Goji-Beeren aus China dieses Jahr eingestellt.

Missbrauch vom Bio-Siegel

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„Viele Bauern kaufen das Bio-Zertifikat [durch illegale Mittel]“, berichtete Zhou Jiaqi, Besitzer eines anderen Goji-Beeren-Unternehmens in Ningxia, der Southern Weekend. Weil dies auch in Deutschland bekannt ist, werben die meisten Verkäufer von chinesischen Bio-Produkten in Deutschland mit eigenen Testverfahren zur Kontrolle.

So bietet Alnatura als Deutschlands größte Biosupermarktkette mit 70 Filialen bundesweit keine Goji-Beeren in ihrem Sortiment an. „Einige wenige Alnatura-Markenprodukte enthalten Zutaten aus China, so Grüntee Gunpowder, Sonnenblumenkerne, gelegentlich Hirse. Unsere Herstellerpartner, die die Alnatura-Markenprodukte für uns herstellen, nehmen den Rohwareneinkauf vor. Sie überzeugen sich durch Besuche vor Ort, durch die Zusammenarbeit mit örtlichen Fachleuten sowie durch ein differenziertes System an Rückstandsuntersuchungen von der verlässlichen Bio-Qualität ihrer in China eingekauften Rohwaren. Zu diesem System gehören selbstverständlich auch die Bio-Zertifikate dazu, als einer, jedoch nicht als einziger Schritt der Überprüfungen,“ schreibt Dr. Manon Haccion, Alnaturas Leiterin in Qualität, Recht und Nachhaltigkeit, auf Anfrage von The Epoch Times.

„Die Zertifizierung ist in China ein gewaltiges Problem“, so der Internationale Fonds für Landwirtschaft und Entwicklung der Vereinten Nationen. Bis heute hat das „China Organic Food Certification Center“ (COFCC), Chinas offizielle Zertifizierungsstelle, 1.472 Unternehmen offiziell als Bio-Hersteller gekennzeichnet. Die Standards dazu sollen zumindest auf dem Papier internationalen Vergleichen standhalten. Doch das Image der chinesischen Produktkontrolleure ist schlecht. Ausländische Importeure sehen sich deswegen gezwungen, selbst nach europäischen Standards zu testen.

Zudem ist es eine große Herausforderung, ökologische Ernten in einem Land zu pflanzen, das die am stärksten verschmutzten Böden weltweit hat und dessen Böden mit Schwermetallen, Düngemitteln und Pestiziden kontaminiert sind. Die meisten, der in China verwendeten Düngemittel enthalten Phosphate, die sehr giftig sind und hohe Schwermetall-Rückstände nachweisen. China benutzt fast 400 Kilogramm Chemie-Dünger pro Hektar Land. Das ist weit über der Grenzschwelle von 225 Kilogramm pro Hektar, die in den Industrieländern gesetzt wurde. Laut der chinesischen „State Environmental Protection Agency“ (SEPA) sind etwa 10 Prozent von Chinas Ackerland derzeit schwerwiegend kontaminiert.

Chinas Bio-Situation

China liegt mittlerweile unter den oberen drei Ländern bei der Produktion von Bio-Produkten. Schätzungsweise 2.3 Millionen Hektar Land wird für den Bioananbau genutzt. Nur Australien und Argentinien haben flächenmäßig mehr Land für den Bioanbau bereitgestellt.

Laut einer Umfrage von Insight China Magazine und der Tsinghua Universität, fühlen sich fast 70 Prozent der chinesischen Verbraucher über die Lebensmittelsicherheit in China verunsichert. Dagegen ist das Interesse an sicheren Lebensmitteln in China rapide gestiegen, insbesondere seit dem Melanin-Milchpulver-Skandal im Jahr 2008, bei dem sechs Babys starben und weitere 300.000 erkrankten.

Eine wachsende Zahl von chinesischen Unternehmen hat nach dem Vorbild der kommunistischen Ministerien begonnen, seine eigenen Anbaubetriebe zu bewirtschaften. Es ist weitgehend bekannt, dass in China hohe Regierungsbeamte und verschiedene Regierungsabteilungen ihre Lebensmittel von spezialisierten Betrieben geliefert bekommen. Dort wird sich vergewissert, dass die Tierhaltung und Gemüsezucht sicher und übersichtlich ablaufen.

Fang Ming, Geschäftsführerin des Betriebes Bio-Yimutian auf der Insel Chongming bei Shanghai, zählt 27 Unternehmen, überwiegend in staatlicher Hand, unter den 2.700 Mitgliedern. Bei der Gründung des Betriebes vor zwei Jahren hatte sie insgesamt 60 Mitglieder.

Dass nicht-landwirtschaftliche Unternehmen ihre eigenen Anbaubetriebe gründen sei „ein Zeichen dafür, dass die Dinge nicht richtig laufen. Es ist nicht effizient und es ist auch keine Lösung für die Probleme der Lebensmittelsicherheit in China“, sagt Peter Ben Embarek, ein Lebensmittelsicherheitsexperte der World Health Organization der amerikanischen Zeitung USA Today aus Peking.

Die gute Nachricht ist, dass man auch bei uns in Deutschland nicht auf die geliebte Beere verzichten muss: Goji-Sträucher wachsen in nahezu allen Regionen dieser Welt – auch in Europa. So kann praktisch jeder im heimischen Garten oder zu Hause im Topf diesen Strauch selbst kultivieren und damit die vitamin- und mineralreiche Frucht selbst ernten. Um genügend Platz für die roten Früchte zu bieten, ist jedoch ein ausreichend großes Gefäß für die etwa einen Meter hohen Pflanzen erforderlich.