Rating oder Ratespiel

Von 22. Mai 2006 Aktualisiert: 22. Mai 2006 1:42
Chinesisches Verwirrspiel

Internationale Kreditprüfungsgesellschaften, die auf dem chinesischen Markt tätig sind, operieren in solch einem Nebel, dass viele Investoren den Wert ihrer Arbeit in Frage stellen.

Bonitätsprüfungen – eine  Einschätzung, wie bereit und fähig ein Schuldner ist, seine Schulden zurückzuzahlen – sind im Aufwind, da vermehrt chinesische Firmen Geld von internationalen Investoren ausleihen wollen. Aber falsche Buchführung, schlecht geführte Unternehmen und ein Mangel an Offenheit lassen die Versuche der Bonitätsprüfer oft scheitern.
China hält sich nicht an internationale Standards bei der Bilanzierung und an der Börse gelistete Unternehmen können von Mutterfirmen geleitet werden, die nicht zur Offenlegung ihrer Bilanzen verpflichtet sind. Noch schlimmer, die Regierung selbst veröffentlicht irreführende Statistiken.
Ob es den Ratingfirmen gelingt, Transparenz von den chinesischen Firmen einzufordern, ist ein Schlüsseltest für die Versuche Chinas, Kapitalmärkte mit Weltklasseanspruch einzuführen.
Wenn es Fitch Ratings, Moody´s Investors Service und Co. gelänge, die Firmen dazu zu bringen, mehr Informationen preiszugeben und die Einstufungen deshalb als verlässlich eingeschätzt werden, dann könnte es das Vertrauen in China erhöhen, zumal das Land nach ausländischen Direktinvestitionen als Schmiermittel für das Wirtschaftswachstum sucht. Dies dürfte allerdings kaum geschehen.
Stimmen die Zahlen?
Obwohl sich das Land angeblich öffnet, kommt es oft zu einem seltsamen Schauspiel: Brian Colton bei Firmalacs SA Fitch Ratings in Hongkong bewertet chinesische Staatsanleihen. Zu seinem Job gehört die Beurteilung der chinesischen Wirtschaft. Aber Colton ist sich nie sicher, wie verlässlich die Daten sind, die er bekommt. Er wertet die Zahlen aus den 23 Provinzen und sieben speziellen Verwaltungsregionen aus und vergleicht sie mit dem gesamten Land uns stellt fest, dass sie anders sind als das BSP, das die Zentralregierung veröffentlicht. „Manchmal hat man eine Zahlenreihe und wenn man sie addiert, kommt man nicht auf das Ergebnis, das unten steht.“
Jedoch ist China ein potentiell lukrativer Markt, mehr als acht Mill. Firmen und 130 Banken sind expansionshungrig. Seit 1998 ist der Wert der Unternehmen, die an die Börse gegangen sind um 50 Prozent gestiegen, während sich der Wert der Anleihen verdoppelte, wie Thomson Financial mitteilte.
Ein großer Bogen um große Probleme
Bislang bewerteten alle Ratingagenturen zusammen nur etwa 100 chinesische Firmen. Die Agenturen verlangen um die 80.000 $ für eine Erstbewertung, für fortlaufende Bewertungen dann bis zu 40.000 $ um falls nötig, Anpassungen vorzunehmen.
Kritiker nennen die Arbeit der Ratingagenturen in China nutzlos, da sie auf unzureichenden Informationen beruhe. Sie sind entstanden durch die Tendenz der Unternehmen, (die in den letzten Jahren durch ihr Versagen beim Erkennen von Problemfirmen wie Enron und anderen kritisiert wurden) um große Probleme einen Bogen zu machen.
Alles ‚Junkgrade’ – Schrottwert?
„Wenn man glaubwürdig bleiben wollte, müsste man wahrscheinlich alles in China als ‚Junkgrade’ (Schrottwert) einstufen,“  so Scott Kennedy, ein Professor an der Indiana University in Bloomington, Indiana, der sich auf chinesische Wirtschaftspolitik spezialisiert.
Brad Aham, ein Portofoglio Manager, der zwei Milliarden in asiatische Aktien investiert hat, drückt es so aus: „Ratingagenturen können den Markt über laufende strukturelle Probleme in China informieren, aber was Daten auf einer täglichen Grundlage angeht, sind sie nicht so nützlich.“
Fitch, Moody´s und die zu McGraw-Hill Co. gehörende Ratingagentur Standard and Poors fokussieren denn auch chinesische Staatsanleihen und Firmen, die an Börsen außerhalb Chinas geführt werden, da dort die Veröffentlichung der Daten angeblich besser sei. Was sie außer Acht lassen, ist die Tatsache, das chinesische Firmen normalerweise vier, manchmal bis zu sieben verschiedene Bilanzen führen, eine ist immer für westliche Analysten gedacht… Firmenanleihen wie von China Mobile oder Huaneng Power International Inc wurden denn auch als Investment Grade eingestuft.
Charles Chang, stellvertretender Leiter von Fitch Ratings in HK konnte 2002 eine Einzelhandelsfirma einschätzen, die eine Anleihe herausgeben wollte, obwohl wenig Informationen über die Finanzen der Firma noch über den chinesischen Einzelhandelssektor zur Verfügung standen. Um den Informationsmangel auszugleichen, konstruierte er verschiedene „Stressszenarien“ und stellte Hypothesen über die Fähigkeit der Firma auf, mit verstärktem Preiswettbewerb oder mit einem Einbruch des Konsums oder einem Niedergang der Gesamtwirtschaft fertig zu werden. „Das war nicht leicht“, meinte er hierzu.
Gekaufte oder zensierte Medienberichte
Fitch und S&P haben damit angefangen, ihre Firmenbewertungen auf öffentlich zugänglichen Informationen wie Medienberichte etc. anstelle von direkten Kontakten mit dem Management, aufzubauen. Fitch und S&P sagen, solch ein Vorgehen sei in China nötig, da es schwer sei, die Zusammenarbeit mit den zu bewertenden Firmen zu gewährleisten. Jedoch können solche Bewertungen auf zensierten Medienberichten beruhen. Deshalb hat Moody´s bereits diese Art von auf öffentlich zugänglichen Informationen basierenden Bewertungen aufgegeben und behauptet, sie seien ungenau.
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Häufig werden chinesische Finanzjournalisten von Firmen, über die sie schreiben sollen, bestochen; deshalb sind diese öffentlich zugänglichen Zeitungsberichte oft wertlos, einer der Gründe, warum einheimische chinesische Anleger das Vertrauen in die Börsen verloren haben.
Professor Kennedy von der Indiana-University meint, die chinesischen Firmen bekämen von den Ratingagenturen oft unangemessen hohe Bewertungen, weil sie das hohe Wirtschaftswachstum und die staatliche Unterstützung der Staatsfirmen als hohen Positivfaktor in ihre Bewertung einbezögen.
Fitch, Moody´s und S&P verknüpfen ihre Bewertungen der Banken an die Bewertungen der Regierungsanleihen. Die Mitarbeiter meinen, sie müssten das so machen, da die Banken des Landes bankrott seien, mit faulen Krediten in der Höhe der halben Darlehen.
„Man hat niemals alle Fakten“, so meint Wie Yan, ein Bankanalyst bei Moody´s Corp. In Hongkong.
„Man nimmt die Informationen, die man kriegen kann, und trifft eine Entscheidung, die dann auf der eigenen Logik basiert.“ 

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