Gute Nachrichten, schlechte Nachrichten – Eine Studie belegt das Interesse der Menschen am Negativen

Epoch Times3. September 2019 Aktualisiert: 3. September 2019 15:36
1.156 Testpersonen aus sechs verschiedenen Kontinenten wurden untersucht, wie sie auf positive und negative Informationen aus TV-Beiträgen reagieren.

Mord, Vergewaltigung, Prügeleien. Die Sensationslust der Medien kennt keine Grenzen. Auf der Jagd nach hohen Klickzahlen fällt die ausgewogene Berichterstattung den Negativmeldungen schnell zum Opfer. Eine Studie des Kommunikationswissenschaftlers Stuart Soroka kam zu dem Ergebnis, dass Menschen dazu neigen, stärker auf negative als auf positive Nachrichten zu reagieren. Mit seinem Team hat der Forscher von der Universität Michigan in Ann Arbor laut „Tagesspiegel“ über tausend Menschen aus 17 Ländern untersucht.

Anhand von 1.156 Testpersonen aus sechs verschiedenen Kontinenten wurde untersucht, wie sie auf positive und negative Informationen reagieren. Die Teilnehmer schauten sich in zufälliger Reihenfolge sieben Beiträge des TV-Senders BBC World News an. Davon bezogen sich zwei auf das eigene Land. Eines der positiven Videos zeigte, wie Gorillas aus dem Zoo ausgewildert wurden. In einem Negativbeispiel wurde dargestellt, wie eine Stadt in Peru niederbrannte.

Mit über an den Fingern befestigten Sensoren wurde die Leitfähigkeit der Haut und die Herzfrequenz der Testpersonen gemessen. Die Untersuchungen zeigten, dass die Herzfrequenz bei negativen Beiträgen stärker variierte. Die Änderung der Leitfähigkeit der Haut war bei schlechten Nachrichten größer als bei guten.

Aus diesen Ergebnissen leiteten die Forscher ab, dass die Probanden im Durchschnitt die negativen Informationen aufmerksamer und psychisch erregter verfolgten.

Diese Studie zeigt direkt, dass Menschen auf der ganzen Welt durch negative Nachrichtenbeiträge stärker aktiviert werden“, heißt es von Seiten der Wissenschaftler.

Gleichzeitig unterschieden sich die Testpersonen voneinander, auch innerhalb desselben Landes. Demnach fühlen sich nicht alle Leser und Zuschauer von negativen Meldungen angezogen. Nach Auskunft der Forscher könne es auch ein großes und bisher unterschätztes Publikum für positive Nachrichten geben.

Dass Negativmeldungen deutlich mehr Interesse erregen als positive, weiß auch Oliver Quiring, Kommunikationswissenschaftler an der Universität Mainz. Gegenüber dem „Tagesspiegel“ sagte er, es sei „beeindruckend, dass es dem Team um Soroka gelungen ist, das Phänomen in einer internationalen Studie kulturübergreifend zu erhärten“.

Quiring hält die Studie aus wissenschaftlicher Sicht für sehr wertvoll, auch wenn die geringe Anzahl der Teilnehmer eines Landes keinen repräsentativen Anteil darstellen würden. Die Ergebnisse seien plausibel. Auch für Deutschland würde sich in Studien immer wieder bestätigen, dass Probanden unter Zeitdruck eher „negative, überraschende oder sensationelle Nachrichten“ auswählen würden, so Quiring. Der Forscher betont:

Für den Journalismus heißt das: Negatives wird eher wahrgenommen und verkauft sich deshalb auch besser.“

In einem Interview mit dem „Tagesspiegel“ gab Quiram zu bedenken: „Berichte über schwere Kriminalität werden meiner Einschätzung nach von allen Medien gerne gebracht. Medien reagieren damit auf eine zutiefst menschliche Eigenschaft: Wir sind bei Gefahr deutlich aufmerksamer als in deren Abwesenheit.“

Dabei seien die Medien nicht der alleinige Teil des Problems. Auch die Nutzer würden durch ihr Verhalten wesentlich zur Verbreitung von Meldungen über schwere Verbrechen beitragen. Der wesentlichste Unterschied, den der Forscher zwischen Onlinemedien und den übrigen Medien sieht, liegt in der Aufmachung:

Onlinemedien haben tendenziell die provokativeren Überschriften, mit denen Leser zum Weiterklicken geködert werden sollen.“

Der Kommunikationswissenschaftler befürwortet saubere Recherchen, gute Argumentationen und Beiträge, die Lösungsvorschläge anbieten. Ein Aufbauschen mit irrelevanten Meldungen sei nicht nötig.

Nicht immer müsse Angst geschürt werden. Ein Bericht über eine Kriminalstatistik, der Wege zur Eindämmung von Kriminalität aufweist, könne die Gemüter durchaus beruhigen, betont Quiram. (sua)

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