100 Jahre Astronomie-Debatte: Forscher diskutieren über Außerirdische – und wo wir sie finden

Epoch Times27. April 2020 Aktualisiert: 27. April 2020 9:29
Am 26. April 1920 diskutierten Astronomen über die Geografie des Universums. 100 Jahre später geht es um die Frage, ob und wo es Außerirdische gibt. Forscher glauben an einen ersten Kontakt in naher Zukunft. Die berühmten "Kleinen grüne Männchen" dürften es aber eher nicht sein.

Schwimmen sie unter der Eisschicht des Jupiter-Mondes Europa? Rasen sie in Raumschiffen durchs All? Führende Astronomen aus aller Welt haben darüber diskutiert, wo außerirdische Organismen sein könnten – und wie wir sie finden.

„Diese Frage spaltet gerade die Forschergemeinde“, teilten Initiatoren der Debatte mit. Wissenschaftler konnten ihre Beiträge zuvor bei der US-Weltraumbehörde NASA oder der Michigan Technological University einreichen.

Große technische Strukturen oder Bakterien unter dem ewigen Eis?

„Innerhalb der nächsten 20 Jahre werden wir große technische Strukturen im All aufspüren“, glaubt zum Beispiel der prominente US-Astronom Seth Shostak. Der Direktor der Sternwarte des Vatikans, Guy Consolmagno, erwartet keine Raumschiffe, sondern die Entdeckung einfacher Lebensformen.

Er vermutet, dass die Menschheit bald biologische Spuren in dem Wasser finden, das aus Europas Innerem ins All schießt. „Das wäre ein starkes Anzeichen dafür, dass es unterhalb der Eisschicht des Mondes Leben gibt“, schrieb Consolmagno.

Gleich mehrere Forscher teilen diese These. Auf dem Mond Europa, heißt es in vielen Beiträgen, dürften wir am ehesten außerirdisches Leben finden, wenn auch bloß in Form von Mikroben. James Green, der Chef-Wissenschaftler der Nasa, glaubt, dass dies noch vor dem Ende des Jahrzehnts gelingen könnte.

Das Zeitfenster für außerirdische „Kleine grüne Männchen“ ist zu kurz

Geht es um intelligentes Leben, um Aliens, wie man sie aus Zukunftsromanen kennt, sind die Experten skeptischer. Anders als Shostak halten die meisten es für unwahrscheinlich, dass wir solche Außerirdischen in naher Zukunft entdecken – auch wenn sie überzeugt sind, dass es sie gibt.

Der britische Astronom Martin Rees etwa glaubt, dass wir höchstens Signale „einer elektronischen Intelligenz“ aufspüren werden, erschaffen von einer längst untergegangenen Zivilisation. Denn das Zeitfenster, um organisches Leben zu finden, argumentiert Rees, sei sehr kurz.

Er verweist darauf, dass die Erde rund viereinhalb Milliarden Jahre alt ist – aber erst seit wenigen Jahrtausenden höhere Lebensformen beherbergt. Und in nicht allzu ferner Zukunft könnte laut Rees die Lage auf unserem Planeten eine andere sein. „Uns wird eine elektronische Intelligenz nachfolgen“, meint er, „die Milliarden Jahre überdauert“.

26. April: Ein geschichtsträchtiges Datum

Deutlich kürzer, nur 100 Jahre dauerte die Zeitspanne zwischen der jüngsten Debatte und ihrem aufsehenerregenden wissenschaftlichen Vorbild. Auf den Tag genau vor 100 Jahre, am 26. April 1920, diskutierten die US-Astronomen Heber Curtis und Harlow Shapley im Smithsonian Museum of Natural History in Washington die Frage, ob die Sonne in der Mitte der Milchstraße ist und ob es weitere Galaxien im Universum gibt.

Heute ist bekannt, dass die Zahl der Galaxien in die Milliarden geht – und dass sich unser Stern in einem Seitenarm der Milchstraße befindet, fernab des Zentrums. „Die Debatte von 1920 half der Menschheit, sich selbst im Universum geografisch zu verorten“, hieß es von den Veranstaltern der Internet-Diskussion. „Die Debatte von 2020 könnte der Menschheit helfen, ihren biologischen Platz zu finden.“ (dpa/ts)

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