James Scott: „Ich denke, der Geist ist der neue Kriegsschauplatz“

Von 4. July 2018 Aktualisiert: 4. Juli 2018 10:11
Fortsetzung der Diskussion mit James Scott über Operationen zur Einflussnahme auf die Gesellschaft und über psychologische Kriegsführung.

Mehrere Operationen, die Russland während der Wahl 2016 in Gang gesetzt hatte, wurden nun aufgedeckt. Zwar gibt es immer noch keine Beweise dafür, dass Russland das Wahlergebnis beeinflusst hat. Doch die Ziele und die Art dieser Operationen hängen mit einigen der tieferen Formen der ideologischen Subversion in den Vereinigten Staaten zusammen.

Die russische Regierung förderte in den Vereinigten Staaten sowohl Gruppen der „Linksradikalen“ als auch der „Rechtsradikalen“ mit der Absicht, einen Keil zwischen die amerikanische Gesellschaft zu treiben und die Wahrnehmung von Rassismus und Konflikten weiter auszubauen.

Doch Russland ist nur einer von vielen Akteuren auf diesem Gebiet. Mehrere andere Gruppen, darunter spezielle Interessengruppen, politische Aktivisten und sogar große Nachrichtenagenturen, haben die Maschine der falschen Wahrnehmung gespeist, die ein Bild von ständigem Chaos und Instabilität in der Gesellschaft erzeugt.

[Anm. der Redaktion: Den Lesern bleibt überlassen, diese Vorgänge auch im jeweils eigenen Land zu entdecken.]

Das Ziel des Chaos ist es, die Gesellschaft niederzureißen, die soziale Harmonie zu zerstören und die Menschen gegeneinander aufzubringen. Aus dem Chaos heraus können eine neue Politik geschaffen und Machthaber ausgetauscht werden. In einem solchen Zustand können verschiedene Gruppen mit extremer Agenda diese Instrumente nutzen, um ihre Ambitionen voranzubringen.

Um dieses Konzept zu verstehen, habe ich meine Diskussion mit James Scott fortgesetzt. Scott ist Experte für Internetsicherheit und Informationskriegsführung, der den Kongress und die Nachrichtendienste zu diesem Thema berät und beim Aufbau des „Institute for Critical Infrastructure Technology’s Center for Cyber Influence Operations Studies“ mitgewirkt hat.

Bezüglich der laufenden Operationen in den Vereinigten Staaten sagt Scott: „Chaos ist die Operation.“

Die aufgedeckten russischen Operationen zur Einflussnahme waren lediglich die Fortsetzung ähnlicher Pläne, die auf die Sowjetzeit zurückgehen, als die Sowjetunion versuchte, die „kommunistische Revolution“ zu verbreiten.

Während des Kalten Krieges und der nuklearen Pattsituation verstanden die Sowjets, dass ein direkter Krieg nicht möglich war. So bedienten sie sich ideologischer Subversion – Taktiken zur Demoralisierung und Destabilisierung einer Gesellschaft, die dann zu offenen Konflikten und anschließend zur „Normalisierung“ von Invasion oder Bürgerkrieg führen.

Laut Scott ist das die „Maskirovka“, die militärische Irreführung durch Russland.

In ihrer jetzigen Form sind die Taktiken, die Russland und andere Gruppen anwenden, sogar über das hinausgewachsen, was in den Tagen der Sowjetunion existiert hat.

„Sie haben viel von uns gelernt, was die Farbrevolution eines Putsches betrifft“, so Scott. „Wir haben hier das Problem, dass Russland das versucht, [und] China [und die] Muslimbruderschaft, als Teil ihres Cyber-Kalifats. Und dann haben wir böswillige Insider-Drohungen in Form von speziellen Interessengruppen, die Chaos verursachen wollen.“

Das Modell der „Farbrevolution“ knüpft an die Taktik des Milliardärs und demokratischen Finanziers George Soros an. Dabei werden Strategien für „oben“ und für „unten“ verwendet.

Unten“ werden radikale Organisationen finanziell unterstützt, die für Veränderungen protestieren und eintreten. Und „oben“ werden Politiker genutzt, die mit dem System in Verbindung stehen und Unstimmigkeiten hervorrufen, um neue politische Richtungen vorzuschlagen.

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„Wenn man die Farbe Violett sucht und sieht, wer sie trägt, was angekündigt wird, wo der Veranstaltungsort ist, wird man sehen, dass es in diesem Land wirklich den Versuch einer violetten Revolution gibt“, erklärte Scott.

Das entstammt auch der Strategie der kommunistischen „Einheitsfront“, wobei Lobbys, Studentenorganisationen, Frontfirmen und kontrollierte Politiker unter einem Banner vereint werden sollen. Oftmals müssen sich nur die Leiter der Organisationen der Strategie auf breiterer Basis bewusst sein, während der Rest das ist, was Lenin als „nützliche Idioten“ bezeichnete. Letztere helfen unbewusst dabei, größere Ziele zu verfolgen.

Natürlich können die aktuellen Probleme in der Gesellschaft nicht mit konventionellen Vorstellungen von „rechts“ und „links“ oder von Demokraten und Republikanern betrachtet werden. Auf der anderen Seite stehen erzeugte Inflation und Schuldenwirtschaft, ausländische Subversion sowie Edward Bernays‘ Propagandastrategie, bei der das genährt wird, was Scott „Konsumfetischismus“ nennt.

Darüber hinaus stellte Scott fest, dass wir im digitalen Zeitalter „ein Problem mit der Schleppnetz-Überwachung von Kapitalisten haben“.

Internetfirmen, die bestimmen können, welche Informationen uns gezeigt werden, und Daten über unsere Online-Aktivitäten sammeln, haben selbst begonnen, auf verschiedene Art und Weise Propaganda und Zensur zu betreiben. Gemeinsam bilden sie ein „gesamtstaatliches Zensur-Kollektiv“, so Scott.

Viele dieser Bewegungen arbeiten unabhängig, doch sie haben auch von den Methoden und Strategien der anderen gelernt. Etliche Aktivisten und „Community-Organisatoren“ entnehmen ihre Methoden dem Buch „Rules for Radicals“ von Saul Alinsky, das ebenfalls die Subversions- und Täuschungstaktiken kommunistischer Systeme widerspiegelt.

Andere ziehen ihre Methoden aus der kulturellen marxistischen Taktik der Frankfurter Schule, die subversive Konzepte wie die „Kritische Theorie“ einführte, die die Geschichte aus der Sicht des Marxismus neu definierte und die zur Grundlage vieler radikaler sozialer Bewegungen wurde.

Einige Strategien werden auch auf nationalstaatlicher Ebene angewendet. Dabei gehört Russland zu den bekannteren Ländern. Aber auch der Iran und die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) sind hier sehr aktiv.

Die Volksbefreiungsarmee der KPCh zum Beispiel hat ihre Doktrin der „drei Kriegsführungen“ – die psychologische Kriegsführung, um die Wahrnehmung von Informationen zu verändern, die Medienkriegsführung, um Medienberichte zu kontrollieren, und die Rechtskriegsführung, um internationale Rechtssysteme zu manipulieren.

Zwei chinesische Obristen veröffentlichten das Buch „Uneingeschränkte Kriegsführung“, das ein Kriegssystem ohne Moral skizziert und sich etlicher nichtmilitärischer Strategien wie „Kulturelle Kriegsführung“, „Drogenkrieg“ und „Wirtschaftshilfe-Krieg“ bedient.

Laut Scott ist eine der tiefergehenden Propagandataktiken der Einsatz der Memetik. Die Memetik untersucht, wie Ideen in eine Gesellschaft eingeführt werden, wie sich diese im Laufe der Zeit entwickeln und wie sie schließlich eine Kultur beeinflussen. Verschiedene Gruppen wollen die Memetik zu einer Waffe machen.

„Alles, was sinnvoll ist, kann auch als Waffe benutzt werden“, sagte Scott. „Das Mem ist das Embryostadium einer Information, ein Mikro-Paket der Information, die verbreitet wird. Und das ist die Waffe. Es ist ein wirksamer Bestandteil von Beeinflussungsoperationen, Informationskriegen und digitalisierter psychologischer Kriegsführung. In diesem Bereich sehen wir sehr viel Macht.”

Wir bringen den Nachrichtendiensten bei, wie man sie benutzt, um Demokratie zu verbreiten und im Ausland an Einfluss zu gewinnen, ohne dabei eine Waffe zu benutzen“,

sagte Scott über seine eigene Arbeit im „Center for Cyber Influence Operations Studies“.

Angesichts der Entwicklung und der Gesamtsituation der heutigen Welt sagte Scott: „Ich denke, der Geist ist der neue Kriegsschauplatz.“

Quelle: The Epoch Times

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