China’s-Verfolgung von Falun Gong: Nach 15-jähriger qualvoller Haft, in Gehirnwäschezentrum eingeliefert

Von 22. Oktober 2014 Aktualisiert: 22. Oktober 2014 12:14
Nach 15 qualvollen Jahren im Gefängnis in Peking wurde Wang Zhiwen, ein Gewissens-Gefangener der spirituellen Medidationspraxis Falun Gong am Samstag, dem 18. Oktober entlassen. Wang wurde jedoch sofort nach seiner Freilassung erneut festgenommen …

Nach 15 qualvollen Jahren im Gefängnis in Peking wurde Wang Zhiwen, ein Gewissens-Gefangener der spirituellen Medidationspraxis Falun Gong am Samstag, dem 18. Oktober entlassen. Wang wurde jedoch sofort nach seiner Freilassung erneut festgenommen und in ein Gehirnwäschezentrum gebracht.

Der Grund für Wangs Inhaftierung ist, dass er Falun Gong praktiziert.
Was ist Falun Gong? 
Falun Gong, auch Falun Dafa gennant, ist eine buddhistische Meditaionspraxis, bestehend aus den drei Prinzipien Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Nachsicht, sowie fünf Qigong-Übungen. In 1992 wurde Falun Gong von Herrn Li Hongzhi in China der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Auf Grund der großen gesundheitlichen Vorteile hat sich die Praxis in China in wenigen Jahren zum beliebtesten Qigong entwickelt. Im Jahre 1999 praktizierten zwischen 70 und 100 Millionen Chinesen Falun Gong. Falun Gong ist kostenlos und wird weltweit praktiziert. Die große Beliebtheit der Praxis störte die Kommunistische Partei Chinas (KPC) und im Juli 1999 verbot das Regime die friedliche Praxis. Seitdem gibt es eine flächendeckende Verfolgung von Falun Gong-Anhängern in ganz China. 
Die KPC führte einen Schauprozess gegen Wang. Seine Verurteilung zu 15 Jahren Gefängnis war für die Partei von symbolischer Bedeutung. Die KPC bezeichnet solche Verurteilungen als "Schläge auf den gesamten Körper" der spirituellen Praxis. Chinesen denken in Bildern.
Nachdem Wang 15 Jahre seiner Strafe abgesessen, Folter erduldet und einen Schlaganfall erlitten hatte, wurde er am Samstag aus dem Gefängnis entlassen. Als er die Haftanstalt verließ, erwarteten ihn lokale Polizisten, die ihn ohne Begründung oder Vorwarnung direkt in eine Gehirnwäsche Einrichtung einlieferten. 
Erste Verhaftungswelle 
Wang Zhiwen war Koordinator der Falun Dafa-Forschungsgesellschaft in Peking. In den frühen Morgenstunden des 20. Juli 1999 brachen Polizisten in seine Wohnung ein, zerrten ihn aus dem Bett und verschleppten ihn ins Gefängnis. In derselben Nacht wurden in ganz China Hunderte Praktizierende, die als wichtige Falun Gong-Mitglieder betrachtet wurden, verhaftet. Die chinesische Geheimpolizei und das Ministerium für Öffentliche Sicherheit führte die Festnahmen durch. 
Diese Verhaftungen waren die ersten brutalen Schritte in der KPC-Kampagne gegen die Meditationsbewegung. 

Danielle mit ihrem Vater.  Foto: Via Familie Wang

Als das Verbot von Falun Gong ausgesprochen wurde und die Verfolgung begann, wurden Zehntausende völlig unschuldige Menschen in ein lokales Sportstadion gebracht und dort eingesperrt. Die Praktizierenden wurden tagelang in der schwülen Julihitze ohne Obdach, Nahrung oder sanitäre Anlagen in diesem Stadion festgehalten. Die Menschen wurden nur mit etwas Wasser versorgt. Die Polizei forderte von ihnen, eine Erklärung zu unterzeichnen, in der sie versprechen sollten, mit dem Praktizieren von Falun Dafa aufzuhören.
Auch Herr Wang wurde in dieses Stadion gebracht und danach ins Gefängnis gesperrt. Sechs Monate später wurde sein Gerichtsverfahren im Fernsehen ausgestrahlt. Wangs Familie war schockiert. Der einst stattliche Mann mit vollem schwarzem Haar, war ergraut und sah müde und niedergeschlagen aus. Er war brutal gefoltert worden. In den sechs Monaten Gefängnis war Wang um 10 Jahre gealtert.
Wang zu foltern hatte einen Zweck. Es ist die KPC-typische Vorgehensweise, einen gewaltlosen Glaubensgefangenen so lange zu foltern bis er zusammenbricht. Danach wird er vor laufender Kamera dazu gezwungen seinen Glauben zu verleumden. Mit diesen Videos versucht die KPC andere Glaubensgefangene zu täuschen und sie dazu zu bewegen nicht mehr zu praktizieren.
LINK: Warum Chinas Tabu-Thema „Falun Gong“ die Welt betrifft
Wang war ein Ingenieur der China Railway Materials Commercial Corp. und Mitglied der Kommunistischen Partei. Dass er als Angeklagter vor dem Pekinger Mittleren Volksgericht erscheinen musste, war für seinen Bekanntenkreis unvorstellbar.
Sein "Verbrechen" war, dass er sich als Freiwilliger zur Unterstützung anderer Falun Gong-Praktizierender in Peking zur Verfügung gestellt hatte. 
[–Die Verhaftung von Falun Gong-Schlüsselpersonen–]
Wangs Tochter Danielle erinnert sich an ihren Vater, dass er manchmal 24 Stunden am Tag arbeitete und sogar das Mittag- und Abendessen übersprang. Immer, wenn ein Praktizierender mit Schwierigkeiten konfrontiert war, war Wang da um zu helfen. 
Am 26. Dezember 1999 wurde Herr Wang und drei weitere Mitglieder der KPC, vor Gericht gestellt. Alle drei Angeklagten waren hochangesehe Persönlichkeiten der Gesellschaft. Später wurden sie jedoch als "Schlüsselpersonen" unter den Falun Gong-Praktizierende angesehen und vor Gericht gestellt.

Wang Zhiwen (Dritter von links) vor Gericht am 26. Dezember 1999.  
Human Rights in China schrieb: "Der Ein-Tages-Prozess fand hinter verschlossenen Türen statt, ohne Vorankündigung und in der Weihnachtszeit, als die westlichen Medien größtenteils nicht verfügbar waren. Darüber hinaus wurde den Angeklagten angeblich jede rechtliche Vertretung von außerhalb verweigert und es durfte jeweils nur ein Familienmitglied bei der Verhandlung anwesend sein."
Während der Zugang zum Gerichtssaal streng kontrolliert wurde, wurde das Verfahren in ganz China über die staatlich kontrollierten Medien ausgestrahlt. Es sollte eine Botschaft an die Chinesen und Falun Gong Praktizierende sein.

Wang wurde zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt. Er wurde zunächst ins Tuanhe Arbeitslager gebracht. Das Lager liegt weit im nordöstlichen China und ist berüchtigt wegen der dort herrschenden Gewalt. Danach wurde er wieder nach Peking, in das Qianjin Gefängnis, verlegt.
Der Irrtum der Partei
"Das chinesische Regime hatte ein grundlegendes Missverständnis über die Falun Gong-Gemeinschaft", sagte Levi Browde vom amerikanischen Falun Dafa-Informationszentrum. 
"Sie waren der Auffassung, dass es diese Ansprechpersonen gab und wenn die Regierung diese öffentlich zu Schau stellt, verurteilt und demütigt, dann würden alle anderen Falun Gong-Anhänger zu praktizieren aufhören. Das Regime verstand nicht, dass jeder Praktizierende seinem eigenen Gewissen folgt," so Browde. "Bei Falun Dafa gibt keine Hierarchie und keine Praktizierenden die als Anführer auftreten." 
Am 25. April 1999 stellte der damalige Chef der KPC, Jiang Zemin, in einem Brief an das Politbüro seine Gründe für den Beginn der Kampagne, Falun Dafa "auszulöschen", dar. Jiang fürchtete sich vor der großen Anzahl an Falun Gong-Praktizierenden. Offiziellen Berichten zufolge gab es in 1999 zwischen 70 Millionen und 100 Millionen Praktizierende. Diese Anzahl übertraf die Mitglieder der KPC. Darüber hinaus betrachtete er die moralischen Lehren des Falun Dafa als eine Herausforderung für die KP-Ideologie. 
Öffentlich aussprechen
Als Wang verurteilt wurde, war seine Tochter Danielle 19 Jahre alt. In 1998 verließ sie China um in Amerika ihre Ausbildung zu beenden. Die Verurteilung ihres Vater schockte sie so sehr, dass sie vorübergehend ihr Augenlicht verlor. KP-Beamte in China drohten Danielles Verwandten, Wang zu bestrafen, sollte Danielle den Fall ihres Vaters an die Öffentlichkeit bringen. 
In 2001 erhielt Danielle einen Brief ihres Vaters in dem er ihr Mut zusprach: "Ein edler Mann ist immer großmütig. Ein Bösewicht ist immer besorgt." In einem Artikel von Danielle, ausgestrahlt im National Public Radio, sagte sie: "Vaters Brief hat mir gezeigt, dass er immer noch ohne Hass und Bitterkeit lebt, weil er Falun Gong praktiziert. Daraufhin begann ich zu sprechen." 

Danielle Wangs Vater, Wang Zhiwen, wurde für 15 Jahre im Gefängnis festgehalten und wurde am 18. Oktober plötzlich an ein Gehirnwäschezentrum ausgeliefert.  Foto: Via Familie Wang
Danielle lebte in Texas und begann damit, jede Gelegenheit zu nutzen um über ihren zu unrecht inhaftierten Vater zu berichten. In 2007 sprach Danielle bei einer Pressekonferenz vor dem APEC-Treffen in Sydney, Australien. Danach erhielt sie keine Briefe mehr von ihrem Vater. Sie sagte, sie hätte insgesamt nur drei oder vier Briefe empfangen. 
Im Jahr 2008 beendete Danielle ihre Karriere als Ingenieurin (sie ist die dritte Generation von Ingenieuren in ihrer Familie) in Texas und zog nach Washington, DC. Sie begann damit Kongress-Büros, das US-Außenministerium, und die Menschenrechtskommission zu kontaktieren. Sie wollte jemanden finden der vielleicht in der Lage wäre Einfluss zu nehmen, um ihren Vater aus dem Gefängnis zu holen. 
[–Gehirnwäsche-Zentrum–]

Danielle dachte, dass ihr Vater am 18. Oktober endlich entlassen werden würde, nachdem er fast 15 Jahre seiner 16-jährigen Haftstrafe abgesessen hatte. Aus Gesprächen mit Verwandten in China erfuhr sie, dass es einer ihrer Tanten erlaubt wurde ihrem Vater am Morgen des 18. Oktober frische Kleidung ins Gefängnis zu bringen. Sie durfte aber nicht bleiben und musste die Haftanstalt sofort wieder verlassen. 
Wang wurde daraufhin aus dem Gefängnis entlassen, aber gleich darauf von Beamten in ein Gehirnwäschezentrum nach Peking, Bezirk Changping, gebracht. Angeblich wusste Wang nichts von diesem Transfer. Polizeibeamte kamen zu Danielles Tante und sagten ihr, dass Wang nun in einem Gehirnwäschezentrum wäre und dass es ihm dort besser gehen würde.
Sie sagten auch, dass Wang vor einem Monat einen Schlaganfall erlitten hatte und ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Er litt an Bluthochdruck und sein Gesundheitszustand wurde als "nicht gut" beschrieben. Während Danielle sich wünschte, dass ihr Vater endlich aus dem Quianjin Gefängnis entlassen werden würde, wurde sie von der Nachricht überrascht, dass er stattdessen in ein Gehirnwäschezentrum geschickt wurde.
"Eine Gehirnwäsche ist schlimmer", sagte Danielle in einem Telefon-Interview. "Ein Gefängnis ist zumindest ein Teil des Rechtssystems. Die Gehirnwäsche-Einrichtungen sind es nicht. Sie sind nicht einmal legal."
"Es gibt zwei Gehirnwäschezentren in Changping in Peking", so Danielle und fügte hinzu: "Laut der Webseite Minghui, sind in beiden dieser Einrichtungen Falun Dafa-Praktizierende zu Tode geprügelt worden. An diesen Orten werden nervenschädigende Drogen injiziert, um die Gesundheit der Praktizierenden zu zerstören. Ich bin sehr besorgt."
Minghui berichtet aus erster Hand 
Minghui ist eine Website, die von Falun Gong-Praktizierenden betrieben wird. Dort werden Berichte aus erster Hand und Augenzeugenberichte über die Verfolgung von Falun Gong in China veröffentlicht. Im September 2009 hatte Minghui über die Misshandlungen berichtet, die Wang im Gefängnis erlitt. Vier Gruppen von je vier Verbrechern wurden beauftragt, ihn rund um die Uhr zu überwachen. Sie ließen ihn nicht schlafen, und wenn er die Augen zu machte, schlugen sie ihn.
Sie zwangen ihn auch, für längere Zeit mit ausgestreckten Füßen auf einer Bank zu sitzen. Wenn er sich bewegte, wurde er geschlagen. Sie klemmten Zahnstocher unter seine Fingernägel, wodurch er stark blutet, heißt es auf Minghui.

Danielle Wang in Washington, DC.  Foto: Via Familie Wang
Im Jahr 2007 erhielt Danielle den letzten Briefe ihres Vaters. Er schrieb hauptsächlich darüber, wie sie als junge Frau die in die Welt hinaus geht, ihr Leben führen sollte. Nach acht Jahren Haft, in denen er nach Aussagen seiner Familie häufig gefoltert wurde, schrieb Wang diese Zeilen:
"Die wahre Natur des Glücks ist Freude, Toleranz, Gleichgültigkeit gegenüber Ruhm und Gewinn, ein reiner Geist, ein ruhiges Wesen und ein friedliches Leben, aber selbstbewusst und frei von Beschränkungen. Das sind die Lebensqualitäten und der edle Geisteszustand nach denen ich mich sehne und nach denen ich strebe."
Wangs Familie wurde gesagt, er würde nur 10 Tage in dem Gehirnwäsche-Zentrum bleiben. Die Familie ist jedoch sehr besorgt darüber, ob ein Schlaganfall-Opfer überhaupt einen Tag an einem Ort überleben kann, der dafür eingerichtet ist, Menschen durch Prügel und Folter zur Aufgabe ihres Glaubens zu zwingen.

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