Wie Arglosigkeit gegenüber chinesischen Ambitionen der deutschen Wirtschaft schadet

Von 4. April 2019 Aktualisiert: 4. April 2019 16:34
Während das Interesse von Investoren aus der Volksrepublik China in den USA an Unternehmen aus Schlüsselindustrien schon seit längerer Zeit mit Argwohn betrachtet wird, dauerte es in Deutschland lange, bis diesbezüglich überhaupt Problembewusstsein entstand. Ende 2018 hat die Regierung reagiert

Als Schlüsselmoment im Zusammenhang mit der erhöhten Wachsamkeit gegenüber chinesischen Ambitionen auf dem deutschen Markt benennt die „Welt“ in einer Analyse den Kauf von zehn Prozent aller Aktien im Februar des Vorjahres. Für umgerechnet 7,5 Milliarden US-Dollar hatte der CEO des Unternehmens Geely, Li Shufu, den größten Einzelanteil unter allen Daimler-Aktionären erworben, nachdem er bereits acht Jahre zuvor für 1,8 Milliarden Euro die Markenrechte an Volvo gekauft hatte.

Geely ist übrigens selbst Autobauer. Das erste Auto, das der Konzern vor 20 Jahren produziert hatte, der Haoqing, hatte Daimler selbst zu einer Klage veranlasst, weil man sich plagiiert sah. Aber nicht nur die eigenwillige Optik, die vor diesem Hintergrund mit der Transaktion verbunden war, stieß deutschen Wirtschaftsbossen über Daimler hinaus sauer auf. Der Vorgang bestätigte, was Warner bereits zuvor über die Gefahren im Zusammenhang mit Großinvestitionen aus der Volksrepublik China zu bedenken gaben: nämlich, dass es dabei regelmäßig um mehr als nur private Gewinninteressen geht.

Gegen die Partei hat niemand Erfolg – mit ihr jedoch oft umso mehr

Der Geely-Chef und mehrfache Milliardär Li Shufu verdankt, wie so viele andere erfolgreiche chinesische Unternehmer, seinen Reichtum nicht nur seinem geschäftlichen Geschick. Insbesondere seine Nähe zu den Granden der Kommunistischen Partei, die ihn unter anderem zum Mitglied im Nationalkomitee der Politischen Konsultativkonferenz des chinesischen Volkes machten, sichert ihm Erfolge und Einfluss. Vor allem aber illustriert es, dass die Führung in Peking reiche chinesische Geschäftsleute, die stets auf finanzielle Rückendeckung durch die Staatsbank setzen können, als Partner bei der globalen Umsetzung eigener politischer Ziele betrachtet.

Diese gehen aber nicht immer mit den Interessen der Partner im Ausland konform. Insbesondere ist für chinesische Investoren oder Vertragspartner der Transfer von Know-how ein wichtiger Aspekt beim Eingehen geschäftlicher Beziehungen. Ob dies auf offiziellem Weg stattfindet oder notfalls auch ohne Zustimmung des Partners, ist aus Sicht der Chinesen oft zweitrangig.

Insbesondere Deutschland kann ein Lied davon singen: Nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel 2011 dem Land die „Energiewende“ verordnet hatte, versuchten vor allem die Wirtschaftsverbände dem skeptischen bürgerlichen Zielpublikum das Experiment als Chance zu verkaufen, die Solarindustrie mit hohen Subventionen zu einer Branche zu machen, in der Deutschland noch das Zeug zum künftigen Weltmarktführer hätte.

Energiewende hinterließ Millionenpleiten – während China profitierte

Arglos gingen die auf diese Weise Subventionierten Joint Ventures mit chinesischen Partnern ein in der Hoffnung, sich bei dieser Gelegenheit auch bereits auf einem Zukunftsmarkt zu etablieren. Am Ende standen die Deutschen jedoch mit leeren Händen da, während die chinesischen Partner deutsche Geschäftsführer mit deutschen Subventionen bezahlten und gleichzeitig den europäischen Markt mit billigen Solarpanels überschwemmten.

Immerhin teilten die ambitionierten deutschen Pioniere der Energiewende ihr Schicksal mit den USA unter Präsident Barack Obama: Ein Schicksal, wie es hierzulande Solarworld und weitere Akteure ereilte, traf jenseits des Großen Teichs Unternehmen wie Solyndra. Auch im Bereich des Eisenbahnbaus sahen sich westliche Unternehmen in nicht wenigen Fällen von chinesischen Partnern überrumpelt.

Obama schien immerhin aus dem Solyndra-Debakel gelernt zu haben und wurde bezüglich chinesischer Shoppingtouren im eigenen Land und bei Verbündeten skeptisch. Im Jahr 2016 war er es, der in Berlin darauf drängte, den bereits genehmigten Verkauf des Chip-Anlagenbauers Aixtron an einen chinesischen Anbieter zu stoppen. Das Maschinenbauunternehmen soll Verfahren zur Herstellung von Halbleitern entwickelt haben, mithilfe derer sich militärische Laser und Infrarot-Suchköpfe in Raketen einbauen lassen. Der Deal scheiterte am Ende am Ausstieg der Chinesen.

Peking will an die Weltspitze in Bereichen, in denen es Deutschland noch ist

Allein in den vergangenen Jahren sollen, so berichtet die „Welt“ weiter, chinesische Investoren jährlich mehr als zehn Millionen US-Dollar für Akquise auf dem deutschen Markt ausgegeben haben – häufig war es nicht einmal eigenes Geld, weil der chinesische Staat mit seinen Mitteln aushalf.

„Zwischen 2006 und 2010 kauften Chinesen in Deutschland nach Angaben der Unternehmensberatung EY 30 Firmen“, heißt es in dem Bericht. „Im Jahr 2011 waren es schon 23, im Rekordjahr 2016 waren es 68 und im vergangenen Jahr immer noch 35.“

Erst kurz vor Jahreswechsel reagierte nun die Regierung und änderte die Außenwirtschaftsverordnung. In besonders sensiblen Bereichen wie Telekommunikation, Energie, Finanzdienstleistungen oder Verkehr hat die Regierung bereits beim Kauf von mindestens zehn Prozent der Firmenanteile durch nichteuropäische Käufer die Möglichkeit, diesen zu prüfen und gegebenenfalls dagegen vorzugehen. In allen anderen Bereichen bleibt es bei 25 Prozent.

Was US-Präsident Donald Trump und Mitglieder seiner Regierung mehrfach moniert hatten, ohne nennenswerte Rückendeckung aus Berlin zu bekommen, scheint auch in Merkels Kabinett angekommen zu sein: Den freien Zugang zu anderen Märkten, den die Volksrepublik China in eigener Sache gerne anmahnt, ist sie ihrerseits nicht so ohne Weiteres bereit, Unternehmen aus anderen Ländern auf eigenem Boden zu gewähren.

Für Deutschland ist doppelt bitter, dass die Regierung in Peking im Rahmen ihrer außenwirtschaftlichen Agenda das Ziel verfolgt, bis 2025 in zehn Industriebereichen die weltweite Führungsmacht zu sein. Zu diesen gehören unter anderem auch Maschinen- und Anlagenbau, Robotik, aber auch der Schiffs- und Schienenverkehr. Gelingt es Peking, sein Vorhaben umzusetzen, ginge dies oft zwangsläufig auf Kosten Deutschlands.

Mögen Sie unsere Artikel?
Unterstützen Sie EPOCH TIMES
HIER SPENDEN