Ein-Kind-Politik am Scheideweg: Peking braucht Kinder und kampffähige Soldaten

Von 5. Mai 2021 Aktualisiert: 5. Mai 2021 18:26
Mit einer rasch alternden Bevölkerung und einer schnell schrumpfenden Erwerbsbevölkerung steht China unter wachsendem Druck. Soll das Land die umstrittene Geburtenkontrolle vollständig abschaffen, um eine tickende demografische Zeitbombe zu entschärfen? Demografen und Experten sagen eine Krise voraus.

China hat ein demografisches Problem: Anfang Februar hat das Ministerium für öffentliche Sicherheit der Volksrepublik mitgeteilt, dass die Geburtenzahl 2020 auf einen historischen Tiefststand gefallen ist. Es gab nur noch etwa zehn Millionen Neugeborene. Im Vergleich mit 2019 ist das ein Rückgang von 15 Prozent. 

Mit einer niedrigen Geburtenrate schrumpft Chinas Bevölkerung in den kommenden Jahrzehnten, während sie gleichzeitig altert. Die sinkende Tendenz hat schon begonnen – einige Jahre sogar früher als die UN vorhergesagt hatte. Ist es bereits zu spät, um die „tickende Zeitbombe“ zu entschärfen?

Neue Ansätze „zu aggressiv“

Vorsichtige Versuche, die eine Bevölkerungskrise verhindern sollen, hat das chinesische Regime dieses Jahr bereits unternommen: Am 18. Februar hat die Nationale Gesundheitskommission eine Erklärung veröffentlicht, demnach in drei Provinzen umfangreiche sozioökonomische Studien und Pilotprogramme zur Abschaffung von Geburtenkontrollen entwickelt werden sollen.

Die Provinz Guangdong hat sich zum Ziel gesetzt, seine Bevölkerung bis zum Jahr 2035 auf 130 Millionen zu erhöhen. In einem Dokument wurde der Plan namens „Territoriale Sonderplanung der Provinz Guangdong (2020-35)“ vorgestellt. 

Im Jahr 2019 betrug die Anzahl 115 Millionen – die Aktion würde also ein Anstieg von 13 Prozent bedeuten. Laut „South China Morning Post“ finden manche Demografen dieses Ziel – was einen durchschnittlichen Zuwachs von etwa 1 Million Menschen pro Jahr bedeuten würde – „zu aggressiv“.

Mehr ältere Menschen, weniger Erwerbstätige

Laut „Financial Times“ sei allerdings die größte Herausforderung nicht die Anzahl der Bevölkerung, sondern deren Struktur. „Im Jahr 2040 werden etwa 30 Prozent des Landes über 60 Jahre alt sein“, so das Finanzblatt. Mehr alte Menschen werden von einer kleineren Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter unterstützt werden müssen, was das Wirtschaftswachstum noch zusätzlich verlangsamt.

Die „New York Times“ beschreibt ähnliche Szenarien: China wird für die Pflege einer riesigen älteren Bevölkerung aufkommen müssen, „ohne die Ressourcen, die reicheren Gesellschaften zur Verfügung stehen, die vor der gleichen Herausforderung stehen“. 

Dazu kommt, dass die Geburtenrate sich Jahr um Jahr verschlechtern wird, wenn sie weiterhin unter der Reproduktionsrate bleibt. So verliere die jüngere Gesellschaft „an Dynamik und Wachstum“ – ein Kreislauf ohne Ende.

Zu der Krise habe aber, so „New York Times“, nicht nur die „Ein-Kind-Politik“ beigetragen, die 1980 auf nationaler Ebene eingeführt und 2015 aufgehoben wurde, sondern auch andere „grausame politische Entscheidungen“, wie die erzwungenen Abtreibungen, Sterilisationen und Kindesmord. Diese wurden von der Politik der Kommunistischen Partei Chinas (KPC) „verlangt und gefördert“ und seien eine „schwere Last der Schuld“ der Partei.

Mehr Han-Chinesen, unterdrückte Minderheiten

Lyman Stone, Demograf und Autor bei „New York Times“, analysierte letztes Jahr den plötzlichen Sinneswandel der chinesischen Führung, demnach die Politik für die Familienplanung deutlich gelockert wurde. 

„Fällt die Geburtenrate auf ein niedrigeres Niveau, dann könnte China im Jahr 2080 tatsächlich weniger Männer im kampffähigen Alter haben als die USA und ihre Pazifikallianz“, schrieb Stone.

Wenn die Lockerung nicht gekommen wäre, würde die „Gesamtzahl der Männer im kampffähigen Alter mit außergewöhnlichem Tempo“ zurückgehen. Für das Land mit ehrgeizigen Zielen auf der politischen Bühne ein Desaster.

Stone schrieb im Januar 2020 auf Twitter, dass Peking „die fruchtbareren Gruppen des Landes angreift, indem es Minderheiten und religiöse Bevölkerungsgruppen ins Visier nimmt“.

Dies läuft darauf hinaus, dass, wenn die Geburtenraten der Han-Chinesen gesunken sind, die Geburtenraten der Minderheiten entsprechend reduziert werden müssen, so Stone. „China hat die Ein-Kind-Politik gelockert und fördert nun Geburten von Han-Chinesinnen, während es gleichzeitig verschärft Minderheiten unterdrückt“, schrieb der Demograf.

Chinas „Achillesferse“

Der österreichische Demograf Wolfgang Lutz sieht kein „kurzfristiges Drama“, wie die oben genannten Medien und Experten, sondern „sehr langsame und langfristige Entwicklungen“.

„Demografische Entwicklung lädt eigenartigerweise immer Menschen ohne wissenschaftliche Kenntnis zu Extremen ein“, sagte Lutz in einem „n-tv“-Interview. „Früher wurde das Bevölkerungswachstum als ‚Bombe‘ oder ‚Explosion‘ überdramatisiert, nun das Schrumpfen.“

Die Bevölkerung wird auch anderswo schrumpfen, meint Theo Sommer, früherer „Zeit“-Herausgeber. „In Japan um 42 Prozent von 127 auf 83 Millionen; in Russland um 27,4 Prozent von 146 auf 106 Millionen ; in der EU-27  um  8,3 Prozent von 447 Millionen auf 410 Millionen; in Deutschland um 17 Prozent von 83 auf 66 Millionen“, schreibt er in seiner Kolumne. 

Am drastischsten betrifft es allerdings China, das wiederum „zum kranken Mann Asiens“ werden könnte, daher sei Bevölkerungsentwicklung die „Achillesferse“ des Landes.



Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Unsere Buchempfehlung

Finanzmärkte, Handel, Medien, Ideologie, internationales Recht, Weltraum und vieles mehr sind potenzielle Krisenfelder, auf denen im übertragenen Sinn ein Krieg tobt. Für die KP China bedeutet es jedoch Krieg im wahrsten Sinne des Wortes. Diese Partei, die die Regierung Chinas stellt, vertritt den Grundgedanken der „uneingeschränkten Kriegsführung“.

Zu den Mitteln des Kampfes gehören das Hacken von IT-Systemen, Terrorismus, psychologische, biochemische, ökologische, atomare und elektronische Kriegsführung, die Verbreitung von Drogen, Schmuggel, Sanktionen und so weiter.

Der Schlüsselpunkt dazu sind nicht unbedingt die unter Waffen stehenden Streitkräfte, sondern die „Generalisierung von Krieg“ für jeden chinesischen Landesbürger. „Uneingeschränkte Kriegsführung“ meint, dass „alle Waffen und Technologien nach Belieben eingesetzt werden können; was bedeutet, dass alle Grenzen zwischen Krieg und Frieden, zwischen militärischer Welt und ziviler Welt aufgebrochen werden.“

Genau darum geht es im Kapitel 18 des Buches „Wie der Teufel die Welt beherrscht“ mit dem Titel „Chinas Griff nach der Weltherrschaft“. Hier mehr zum Buch.

Jetzt bestellen - Das dreibändige Buch ist sofort erhältlich zum Sonderpreis von 50,50 Euro im Epoch Times Online Shop

Das dreibändige Buch „Wie der Teufel die Welt beherrscht“ untersucht auf insgesamt 1008 Seiten historische Trends und die Entwicklung von Jahrhunderten aus einer neuen Perspektive. Es analysiert, wie der Teufel unsere Welt in verschiedenen Masken und mit raffinierten Mitteln besetzt und manipuliert hat.

Gebundenes Buch: Alle 3 Bände für 50,50 Euro (kostenloser Versand innerhalb Deutschlands); Hörbuch und E-Book: 43,- Euro.

Weitere Bestellmöglichkeiten: Bei Amazon oder direkt beim Verlag der Epoch Times – Tel.: +49 (0)30 26395312, E-Mail: [email protected]

Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Die Kommentarfunktion wird immer weiter entwickelt. Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback, sollten Sie zusätzliche Funktionalitäten wünschen an [email protected]


Ihre Epoch Times - Redaktion