Hongkong: 350.000 Menschen gehen trotz Polizeiverbot auf die Straße

Von 21. Oktober 2019 Aktualisiert: 21. Oktober 2019 15:27
Wenige Tage nach dem Angriff auf einen prominenten Hongkonger Aktivisten gehen Hunderttausende trotz Polizeiverbots auf die Straße und rufen: "Fünf Forderungen, nicht eine weniger!"

Tausende von Hongkongern gingen am Nachmittag des 20. Oktober trotz polizeilichen Verbots auf die Straße. Nur wenige Tage zuvor wurde ein prominenter Aktivist von Schlägern, die noch auf freiem Fuß sind, brutal angegriffen.

Die Teilnehmer des Marsches, viele von ihnen in Schwarz gekleidet und einige mit Regenschirm, starteten gegen 13:30 Uhr Ortszeit vom Salisbury Garden in Tsim Sha Tsui. Eine Stunde später erreichte der erste Abschnitt des Marsches sein Ziel, die West Kowloon Station, die etwa 2,5 Kilometer entfernt liegt.

Man hörte die Demonstranten Slogans rufen, wie „fünf Forderungen, nicht eine weniger“ und „Hongkonger Widerstand“.

Der Marsch wurde ursprünglich von der Civil Human Rights Front (CHRF) geplant, dem Organisator einiger der bisher größten Proteste der Stadt. Aber die Gruppe verlor eine Berufung gegen ein polizeiliches Verbot am 19. Oktober. Nach Angaben der Hongkonger Medien verbot die Polizei den Marsch mit der Begründung, man habe Angst vor Gewaltausbrüchen.

Die Organisation schätzte, dass 350.000 Personen am Sonntagsmarsch teilgenommen haben.

Die CHRF plante den Marsch, um die Abschaffung des Vermummungsverbots der Hongkonger Regierungschefin Carrie Lam vom 4. Oktober zu fordern. Lam berief sich damit Anfang des Monats auf ein Notstandsgesetz aus der Kolonialzeit. Das Gesetz verbietet es Menschen, bei großen öffentlichen Versammlungen Gesichtsmasken zu tragen – womöglich um Personen besser identifizieren zu können und ihnen den Schutz vor Tränengas zu nehmen.

Vier Aktivisten beschlossen, den Marsch trotz des Verbots zu leiten. Die vier waren Figo Chan, 22, stellvertretender Vorsitzender der CHRF; Leung Kwok-hung, 63, Mitglied der Liga der Sozialdemokraten; Albert Ho, 68, ehemaliger Vorsitzender der Demokratischen Partei und derzeitiger Vorsitzender der Hongkonger Allianz zur Unterstützung patriotisch-demokratischer Bewegungen in China; und Cyd Ho, 65, stellvertretender Vorsitzender der Labour Party.

Vor dem Marsch waren die Organisatoren unsicher, wie viele Menschen daran teilnehmen würden. Da Jimmy Sham, 32, der Organisator des CHRF, erst am 16. Oktober von Schlägern mit Waffen brutal angegriffen wurde. Laut CHRF zielten die Schläger während des Angriffs auf Kopf, Knie und Ellbogen des Opfers.

Es war das zweite Mal, dass Sham angegriffen wurde. Beide Angriffe geschahen kurz bevor die CHRF einen großen Marsch abhielt. Der letzte Angriff fand am 29. August statt, als Sham in einem Restaurant in Kowloon von zwei maskierten Männern mit langen Messern und Baseballschlägern angegriffen wurde.

Die CHRF hatte ursprünglich geplant, einen Marsch am 31. August durchzuführen, jedoch wurde er abgesagt, nachdem man die polizeiliche Genehmigung nicht erhalten hatte. Trotz der Absage gingen Tausende auf die Straßen in Wan Chai und Causeway Bay.

Am 19. Oktober veröffentlichte Sham auf Twitter einen „Familienbrief“ an Hongkonger, in dem er die Lam-Regierung angriff, weil sie den Marsch nicht genehmigt hatte.

Die Regierung toleriert keine abweichenden Meinungen und ist nicht in der Lage, die sozialen Probleme zu lösen. Vielmehr versucht sie nur, Menschen zum Schweigen zu bringen, die sich mit dem Problem befassen“, sagte Sham.

Er forderte diejenigen, die am 20. Oktober am Marsch teilnehmen wollten, zur Vorsicht auf: „Bitte passt auf euch auf. Kommt sicher nach Hause. Ich sende meinen Wunsch an alle, die Risiken eingehen und sich für Hongkong hingeben.“

Gegen 16.00 Uhr Ortszeit gab die CHRF bekannt, dass Sham aus dem Kwong Wah Hospital entlassen wurde.

Gewalt und gezielter Vandalismus

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Der friedliche Marsch führte bald zu weiteren Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Demonstranten.

Gegen 15:15 Uhr Ortszeit feuerten Polizeibeamte der Polizeistation Tsim Sha Tsui Tränengas auf Demonstranten ab, die die Station umgeben hatten. Vor dem Versuch der Polizei, die Menge zu räumen, hatten einige Demonstranten schwarze Farbe auf das Polizeiemblem der Station gesprüht, während andere Molotowcocktails auf die Station geworfen hatten.

Die Polizei setzte dann Wasserwerfer ein, um Demonstranten entlang der Nathan Road zu zerstreuen.

Gegen 15:30 Uhr Ortszeit haben die U-Bahn-Behörden Hongkongs laut dem lokalen Sender RTHK mehrere Stationen geschlossen, nachdem einige Demonstranten sie entweder verwüstet oder in Brand gesteckt hatten. Austin, Mong Kok, East Tsim Sha Tsui und Yau Ma Tei gehörten zu den betroffenen Gebieten.

Gegen 16:30 Uhr Ortszeit feuerten Polizisten der Polizeistation Mong Kok Tränengas auf Demonstranten, die Straßensperren in der Nathan Road errichtet hatten.

Die Demonstranten richteten sich auch gegen Geschäfte, die sie als Pro-Peking betrachteten. Ab 17.00 Uhr Ortszeit wurde eine Filiale der Bank of China in der Nathan Road in Brand gesteckt und ein Geschäft der chinesischen Mobilfunkmarke Xiaomi in Mong Kok verwüstet.

Nur einen Tag zuvor versammelten sich mehrere hundert Menschen, einige mit US-Flaggen, friedlich am Edinburgh Platz und baten die internationale Gemeinschaft um Hilfe bei der „humanitären Krise, die die Stadt heimsuchte“, berichtete RTHK.

Der Originalartikel erschien in The Epoch Times USA (deutsche Bearbeitung von rm)
Originalfassung: 350,000 Hongkongers March Despite Police Ban, Days After Assault on Prominent Activist