Augsburg und das Erzgebirge in Weltkulturerbe der Unesco aufgenommen

Epoch Times6. Juli 2019 Aktualisiert: 6. Juli 2019 20:34
Die Unesco hat das Erzgebirge in Sachsen und Böhmen sowie das Augsburger Wassersystem in die Liste des Welterbes aufgenommen. Damit waren zwei Anträge aus Deutschland erfolgreich.

Die Staatsministerin für internationale Kulturpolitik, Michelle Müntefering, begrüßte am Samstag in Berlin, dass beide Anträge aus Deutschland vom Welterbekomitee in Baku angenommen wurden. Die Unesco hatte die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří sowie das Augsburger Wassersystem als Weltkulturerbe anerkannt.

Das Komitee nahm das historische Bergbaugebiet in Sachsen und Böhmen in Tschechien am Samstag auf seiner Sitzung in Aserbaidschan in die Liste schützenswerten Erbes der Welt auf. Diese von den beiden Ländern nominierte Stätte sei von universellem Wert. Delegierte sprachen von einem „Meisterwerk menschlicher Kreativität“. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) dankte für die Anerkennung. Das Projekt sei ein Beispiel für internationale Zusammenarbeit. „Glück auf!“, sagte er.

Die Region wollte eigentlich schon vor wenigen Jahren das Unesco-Siegel erhalten. Nach Bedenken des Weltdenkmalrats (Icomos) wurde die Bewerbung aber zurückgezogen und überarbeitet. Nun klappte es nach 20 Jahren auf der Vorschlagsliste für den Welterbe-Titel.

800 Jahre Bergbaugeschichte

Zur Auszeichnung für das Erzgebirge erklärte Müntefering: „Glückwunsch zum Welterbetitel an die grenzüberschreitende Montanregion Erzgebirge/Krusnohori“. Das industrielle Kulturerbe in Böhmen und Sachsen habe außergewöhnliche Bedeutung und universellen Wert. „Ich freue mich über die erste gemeinsame Welterbestätte mit der Tschechischen Republik“, erklärte Müntefering weiter. Dies sei auch ein wichtiges europäisches Signal und zeige die „enge kulturelle Verflechtung unserer Länder“.

Deutschland und Tschechien hatten den Antrag gemeinsam bei der Unesco gestellt und darin auf die jahrhundertelange Bergbau-Tradition des Erzgebirges verwiesen. In der Grenzregion wurde ab dem 15. Jahrhundert Silber abgebaut, später Uran.

Die Region bewarb sich auf sächsischer Seite mit 17, auf tschechischer Seite mit 5 Bestandteilen um den Titel. Die ausgewählten Denkmäler, Natur- und Kulturlandschaften repräsentieren als Zeugen einer 800-jährigen Geschichte die wichtigsten Bergbaugebiete und Epochen des sächsisch-böhmischen Erzbergbaus. Hinter dem Antrag stehen drei Landkreise sowie 32 Städte und Gemeinden, die sich in einem Verein zusammengeschlossen haben, um das Erzgebirge zum Welterbe zu machen.

Auch Augsburgs Wassermanagement als Welterbe anerkannt

Auch für das historische Augsburger Wassersystem mit seinen Pumpwerken und Kanälen lag der Unesco ein Antrag Deutschlands vor. Mit der nun erfolgten Aufnahme in die Welterbeliste würden nicht nur die Wasserbau- und Brunnenkunst gewürdigt, „sondern auch der nachhaltige Umgang mit unserer wertvollsten Ressource seit über 700 Jahren“, erklärte Müntefering.

Das Wassermanagement-System von Augsburg repräsentiere „eine urbane Wasserlandschaft, die in ihrer bis heute fortbestehenden technischen Vielfalt ihresgleichen sucht“.

Der Augsburger Kulturreferent Thomas Weitzel sprach von einer „großen Ehre“. Schon die Römer, die Augsburg vor zwei Jahrtausenden als Augusta Vindelicum gründeten, leiteten über viele Kilometer Wasser in die Stadt. Im Mittelalter begann dann die systematische Nutzung des Wassers auch als Wirtschaftsfaktor. Heute kann man das historische Wassersystem noch an mehr als 20 Stationen erleben, besonders die Lechkanäle in der Altstadt prägen nach wie vor das Stadtbild.

Quer durch die Stadt wurden einst zahlreiche Kanäle gezogen, die beispielsweise als Energielieferant für die Textilindustrie dienten. Wasserräder trieben Mühlen, Hammer- und Pumpwerke an. Kreativ wurde das Wasser auch bei der 1609 fertiggestellten Stadtmetzgerei verwendet. Der Vordere Lech wurde direkt durch die „Stadtmetzg“ geleitet, um so in dem Gebäude das Fleisch kühlen und gleichzeitig Abfälle entsorgen zu können.

Im vergangenen Jahrhundert kam das Augsburger Wasser dann 1972 zu olympischen Ehren. Bei den Münchner Sommerspielen wurden die Kanu-Wettbewerbe in der schwäbischen Nachbarstadt ausgetragen. Augsburg hatte mit dem Eiskanal die erste künstlich angelegte Wildwasserstrecke der Welt erhalten. Nach wie vor wird die Strecke regelmäßig für internationale Wettkämpfe genutzt.

Naumburger Dom wurde 2018 aufgenommen

Im vergangenen Jahr hatte die Unesco unter anderem den Naumburger Dom aus dem 13. Jahrhundert in die Liste aufgenommen. Mit dem Erzgebirge und dem Augsburger Wassersystem verzeichnet Deutschland nunmehr 46 Welterbe-Stätten. Das Welterbekomitee der UN-Kulturorganisation tagt bis zum 10. Juli in Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans.

Zur Entscheidung bei der diesjährigen Sitzung standen insgesamt 36 Anträge, darunter mit deutscher Beteiligung auch das Augsburger Wassermanagement-System und die alte römische Militärgrenze – der sogenannte Donaulimes. Der gemeinsam mit Österreich, der Slowakei und Ungarn eingereichte Antrag zum Donaulimes scheiterte jedoch, weil Budapest kurzfristig Änderungswünsche hatte. Die Entscheidung zu Augsburg sollte auch noch am Samstag getroffen werden.

Aktuell stehen mehr als 1000 Kultur- und Naturstätten aus 167 Ländern auf der Liste. Mehrere Stätten hatten am Samstag das Gütesiegel als Welterbe erhalten, darunter in Indien die bei Touristen wegen ihrer Palastanlagen beliebte „rosarote Stadt“ Jaipur, die Hauptstadt Rajasthans. (dpa)

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