Spielen – ein schönes Privileg unserer Kinder

Von 6. März 2010 Aktualisiert: 6. März 2010 23:41
Freies Spielen ist für Kinder kein Luxus, sondern ein notwendiger Entwicklungsschritt, der großen Einfluss auf das spätere Leben hat.

Es ist ein wunderbarer Anblick, fröhliche Kinder in der Natur zu sehen, ihrem Spielen in Parks oder auf Kinderspielplätzen zu folgen und kindliches Lachen zu hören.

Die Wintermonate bieten wie jede andere Jahreszeit für Eltern viele gute Gelegenheiten, mit ihren Kindern spannende Momente und Möglichkeiten zum Spielen zu finden. Selbst wenn Schnee auf Kinderspielplätzen liegt, macht es Spaß, sich dick angezogen hinauszuwagen. In manchen Großstädten gibt es zudem bei schlechtem Wetter die Möglichkeit, auf Indoor-Spielplätze zu gehen. Die überdachten Spielanlagen bieten neben Kletteranlagen, Seilbahnen, Hüpfburgen und Dschungelabenteuern meist all das, was Kinder spannend finden und was ihrem Bewegungsdrang und ihrer Abenteuerlust gerecht wird.

Viele Eltern sind verunsichert, wenn es um die Spielgewohnheiten und –wünsche und die Erziehung ihrer Kinder geht. Erziehungsberechtigte wollen, dass aus ihrem Kind “etwas Vernünftiges“ wird, auch das Streben nach Perfektionismus tangiert immer weitere Bereiche des Lebens. Dadurch ist ein enormer Leistungsdruck entstanden, der sich auf Eltern und Kinder auswirkt. Zudem sind Flexibilität, Mobilität und Schnelligkeit gefragter denn je zuvor.

Viele Eltern haben Angst, dass ihre Kinder keine angemessene Förderung erhalten, deshalb kaufen sie schon für die Kleinsten Bildung hinzu. Seit private Bildungseinrichtungen für Babys in Mode gekommen sind, hat sich die Situation weiter zugespitzt. Die Konkurrenz ist groß. Private Vorschulen boomen.

Manche Frühförderfirmen werben intensiv mit der Optimierung der Karrierechancen durch Förderung schon im Windelalter. Der US-Konzern “Fastrackis“ zum Beispiel verspricht einen Wissens- und Erfahrungsvorsprung durch das weltweite Betreiben von Kleinkinderschulen für die gesamte spätere Schullaufbahn.

Wassilios Fthenakis, Professor für Entwicklungspsychologie an der Freien Universität Bozen, beschäftigt sich seit Jahren mit der Frühförderung von Kindern und warnt vor Überforderung.

Er ist der Auffassung, dass nicht die Vermittlung von Wissen im Vordergrund stehen sollte, sondern die Stärkung kindlicher Entwicklung und Kompetenzen.

Einen ähnlichen Ansatz vertritt die Redaktion des Internet-Portals “Spiel und Zukunft“.

Epoch Times sprach mit Gabriela Jehn vom Online-Portal www.spielundzukunft.de, das sich mit Fragen rund um die Erziehung und das kindliche Spielen befasst.

Gabriele Jehn ist Historikerin und arbeitete nach ihrem Studium als Organisatorin für verschiedene kulturelle Institutionen, unter anderem war sie PR-Referentin am Museum of Modern Art in New York. Gabriela Jehn lebt seit 1997 wieder in Berlin und hat ein Kind. Sie arbeitet freiberuflich seit 2003 für www.spielundzukunft.de.Gabriele Jehn ist Historikerin und arbeitete nach ihrem Studium als Organisatorin für verschiedene kulturelle Institutionen, unter anderem war sie PR-Referentin am Museum of Modern Art in New York. Gabriela Jehn lebt seit 1997 wieder in Berlin und hat ein Kind. Sie arbeitet freiberuflich seit 2003 für www.spielundzukunft.de.Foto: Ingrid Wittig/The Epoch Times

Epoch Times: Frau Jehn, glauben Sie, dass Eltern zunehmend Angst haben, dass ihre Kinder das Leben in der Gemeinschaft nicht meistern können?

Gabriela Jehn: Die Ergebnisse der Pisastudie und der darauf folgende Trend zur Frühförderung haben dazu geführt, dass tatsächlich viele Eltern verunsichert sind und sich Sorgen machen, wie sie ihre Kinder optimal auf das Leben vorbereiten können. Förderung und Bildung stehen hoch im Kurs. Dabei wird oft vergessen, dass vor dem schulischen und kognitiven Lernen ein anderer wichtiger Schritt steht.

Damit ein Kind später richtig lernen kann, muss es im Kleinkind- und Kindergartenalter eigene Erfahrungen machen. Das heißt, ein Kind sollte alle Sinne benutzen dürfen, nicht nur den Kopf. Forschungen zeigen den Zusammenhang zwischen der Entwicklung des Gehirns und der Entwicklung der Sinne. Bewegung und Eigeninitiative spielen hierbei eine große Rolle. Dafür muss Freiraum geschaffen werden.

Wenn man den richtigen Rahmen dafür schafft, lernen gesunde Kinder ganz von selbst, das ist ein einfaches menschliches Lebensprinzip. Kinder können gar nicht anders als sich zu entwickeln und täglich dazuzulernen, sonst würden sie niemals beginnen, sich aufzurichten und zu laufen. Wir müssen also eigentlich nur dafür sorgen, dass dieser gesunde Entwicklungsprozess stattfinden kann.

Epoch Times: Was ist der richtige Rahmen?

Jehn: Wichtig ist zunächst die sichere Bindung eines Kindes an Mutter oder Vater oder eine andere feste Bezugsperson. Wer in Sicherheit aufwächst, wird leichter zu einem selbstsicheren Wesen. Nur ein geborgenes Kind traut sich, kleine Abenteuer zu erleben. Erst wenn ein Kind an der Hand der Eltern die Erfahrung gemacht hat, dass es auf einem Baumstamm balancieren kann, wird es später auch alleine hinauf wollen. Wenn die Eltern dann mit etwas Abstand daneben stehen und das Geschehen wohlwollend beobachten, ist das eine gute Voraussetzung.

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Wenn die Eltern bei Erfolgen weder in zu großen Jubel noch in zu großes Wehklagen ausbrechen, falls es schief geht, bekommt ein Kind eine gute Basis und hat gelernt: Mama und Papa sind da, wenn ich sie brauche, trauen mir auch zu, dass ich etwas alleine schaffe, und selbst wenn etwas nicht so läuft, ist jemand für mich da.

Diese elterliche Haltung ist ein wichtiger Grundstein der Erziehung. Das Herunterfallen und andere kleine Enttäuschungen sind dabei ebenso notwendig wie positive Erlebnisse. Denn nur so lernt ein Kind, Fehler dürfen, ja müssen sogar sein, damit es danach umso besser weitergeht.

Der Kasper und das böse Krokodil in Kinderhänden. Foto und Spielzeug www.ostheimer.de
Der Kasper und das böse Krokodil in Kinderhänden. Foto und Spielzeug www.ostheimer.de

Epoch Times: Welche Rolle spielen die Eltern noch?

Jehn: Eltern sind Vorbilder, und zwar nicht durch ihr Reden, sondern durch ihr Handeln. Jungen und Mädchen hören und sehen ganz genau hin. Eltern, die achtsam und respektvoll mit sich, ihrer Umgebung und ihren Kindern umgehen, sind ein nachahmenswertes Vorbild.

Epoch Times: Welche Rolle kommt dem kindlichen Spielen zu?

Jehn: Freies Spiel ist die Grundlage, um sinnliche Erfahrungen zu machen. Kinder sollten sich bewegen, klettern, balancieren, in der Erde wühlen, etwas bauen, auf jegliche Art selbst aktiv werden können. Dabei machen sie die Sinneserfahrungen, die Kinder brauchen, um sich gesund entwickeln zu können. Dafür allerdings brauchen sie Raum und Zeit, und beides ist leider recht knapp geworden.

Mit unseren Anregungen möchten wir auch Eltern mit wenig Zeit darin unterstützen, bei ihren Kindern Kreativität, Phantasie, Verantwortung, Selbstbewusstsein und Initiative zu stärken. Denn freies Spielen ist für Kinder kein Luxus, sondern ein notwendiger Entwicklungsschritt, der großen Einfluss auf das spätere Leben hat.

Epoch Times: Welche Ziele hat das Online-Portal www.spielundzukunft.de?

Jehn: Unser Internet-Portal ist ein Ratgeber für Eltern und klärt über die Entwicklung von Kindern auf. Wir begleiten Familien ganz praktisch und zeigen, was man mit Kindern das ganze Jahr hindurch unternehmen kann, ohne gleich viel Geld ausgeben zu müssen.

Die Jahreszeiten spielen auf unserer Webseite eine große Rolle, denn auch der wiederkehrende Rhythmus der Jahresfeste und der Natur sind stärkende Elemente für Kinder. Monatlich wird die Internetseite aktualisiert und Eltern erhalten neue Spielideen, passend zur Jahreszeit und zur Witterung, sowie Informationen rund um die Themen Erziehung und Familienleben.

Wer den Satz “Mir ist langweilig“ von seinem Kind hört und dann nicht den Fernseher einschalten möchte, ist bei uns richtig. Nebenher erfahren die Eltern auch etwas darüber, was hinter der Langeweile ihrer Sprösslinge stecken kann.

Epoch Times: Was halten Sie vom Geschichtenerzählen in unserer stressigen Zeit?

Jehn: Da wir davon ausgehen, dass Bildung mit Herzensbildung beginnt, halten wir sehr viel vom Erzählen von Geschichten und Märchen. Kinder freuen sich über die elterliche Aufmerksamkeit beim Erzählen. Geschichten heilen, trösten und ermutigen. Leider müssen immer mehr Kinder auf Vorlesen und Erzählen mit Mutter und Vater verzichten. Fernsehen, Kassetten, CDs und DVDs sind der Ersatz für etwas geworden, was nicht ersetzt werden kann: das gemeinsame Gespräch und die gegenseitige Zuwendung.

Selbst wenn man wenig Zeit hat, sorgen ein gemeinsames Abendessen und eine kleine Gute-Nacht-Geschichte für die Nähe, die es Kindern erleichtert, ihre Sorgen und Nöte zu erzählen. So entsteht Bindung und Nähe. Bei uns finden Eltern viele Empfehlungen zu kindgerechten Gute-Nacht-Ritualen sowie Übersichten zu Märchenbüchern, Ritterbüchern und anderen schönen Geschichten, die im Buchhandel erhältlich sind. Wer seinem Kind etwas Gutes tun will, sollte das Märchen- und Geschichtenerzählen zu einem Ritual machen.

Epoch Times: Welches Spielzeug empfehlen Sie?

Jehn: Spielzeug ist die erste Begegnung eines Kindes mit der Welt der Dinge, im Spiel entwickelt es sein Seelenleben. Daher sollte man bei der Auswahl der Spielzeuge ebenso verantwortungsvoll sein wie bei der Auswahl von Nahrungsmitteln. Kinder lernen über Spielzeuge die Welt kennen, die Eindrücke bleiben ein Leben lang bestehen.

Wer erinnert sich nicht an sein Lieblingsspielzeug aus der Kindheit? Spielzeug sollte möglichst vielseitig sein, damit Kinder es verschieden einsetzen können und es nicht langweilig wird. Zudem sollte Spielzeug meiner Ansicht nach positive Werte transportieren.

Früh übt sich auch Jamie am liebsten spielend. Foto und Spielzeug www.ostheimer.de
Früh übt sich auch Jamie am liebsten spielend. Foto und Spielzeug www.ostheimer.de

Auf unserer Webseite finden Sie in einer nach Alter geordneten Übersicht viele Spielzeugempfehlungen. Bevorzugte Berücksichtigung finden handgefertigte, stabile und qualitativ hochwertige Holzspielzeuge, die in Deutschland hergestellt werden.

Eltern können ihre Vorauswahl zum Spielzeugkauf auf einer nach Alter geordneten Empfehlungsliste treffen. Verkauft wird bei uns auf der Seite nichts, da wir dem Spielzeugfachhandel nicht schaden möchten. Übrigens, in unserem Gewinnspiel können Eltern jeden Monat ein schönes Kinderspielzeug gewinnen. Die kniffligen Rätselfragen und Hinweise zum Lösungssatz finden die Eltern im Internet-Portal.

Epoch Times: Ihre Ratschläge und Angebote für Familien sind sehr vielseitig. Geben Sie den Eltern auch Ratschläge zu Problemfragen des täglichen Lebens?

Jehn: Ja, da lassen wir Experten sprechen. In unserer Rubrik „Fachinterviews“ finden Eltern fundiertes Wissen von erfahrenen Ärzten, Therapeuten, Psychologen und Kinderpädagogen. Diese Rubrik entstand aus der Serie “Was Kinder brauchen von A bis Z“. Dort kann man Antworten zu vielen Fragen und Problemen des täglichen Lebens lesen, zum Beispiel, wie Eltern Disziplin positiv vermitteln können, wie Erziehen mit Freude und Gelassenheit möglich ist, warum Kinder Trotzphasen haben und wie sie medienkompetent werden können.

Zusätzlich bieten wir in den Interviews eine Vielzahl von Links an, über die Eltern sich zusätzliche Anregungen oder fachlichen Rat holen können.

Epoch Times: Für welche Altersgruppe geben Sie Ratschläge und wie wird Ihr Internet-Portal von den Eltern angenommen?

Jehn: Wir entwickeln Alltags- und Spielideen für Kinder von 3 bis 10 Jahren. Besonders beliebt sind unsere „Glücksmomente“, täglich wechselnde Anregungen für Eltern, die man mit Kindern leicht und ohne großen Aufwand nachmachen kann.

Seit kurzem gibt es auch eine neue Serie mit dem Titel “Willkommen im Leben Baby“. Darin begleiten wir werdende Eltern durch die Schwangerschaft und die ersten Lebensjahre. Wir erklären, worauf schwangere Frauen besonders achten sollten, was Babys brauchen und was man tun kann, damit sich Mutter und Baby wohl fühlen.

Etwa 50.000 Eltern nutzen unsere Ratschläge monatlich. Wir erhalten sehr viele positive und, was uns besonders freut, sehr persönliche Zuschriften. Offenbar spricht das, was wir zu sagen haben, vielen Eltern aus dem Herzen.

Das Interview führte Ingrid Wittig.

http://www.spielundzukunft.de

 

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