"Viele Menschen wissen, dass sie unglücklich sind. Aber noch mehr Menschen wissen nicht, dass sie glücklich sind.“ (Albert Schweitzer)Foto: Stock

Kolumne vom Freischwimmer: Wie ruiniere ich fachmännisch unser Weihnachtsfest

Von 21. Dezember 2020 Aktualisiert: 21. Dezember 2020 9:48

Zugegeben, es gibt schon genügend Ratgeber. So zum Beispiel gefühlte 28.987 über das Thema „wie werde ich schlank ohne mich bewegen zu müssen“. Aber auch Empfehlungen für Partnerschaften existieren en masse. Obwohl die Erfolge derartiger Hilfestellungen teilweise sehr übersichtlich sind, werden sie jedoch sehr gerne gelesen.

Ratgeber für die (un-)ordnungsgemäße Durchführung eines Weihnachtsfestes sucht man leider vergebens.

Doch da kann ein hilfsbereiter Freischwimmer für Sie in die Bresche springen und die Chancen, dass Sie sich mit diesen Vorschlägen Ihr Fest selbst richtig verpfuschen können, sind sehr hoch. Dabei müssen Sie noch nicht einmal alle zusammen umsetzen – es würde schon völlig ausreichen wenn Sie einen einzigen gezielt, beharrlich und entschlossen verwirklichen.

Sie könnten jedoch meine Anregungen auch herum drehen und diese Sachen vermeiden – doch mit den Konsequenzen, nämlich ein frohes Fest feiern zu können, müssten Sie dann selbst leben.

Ich habe Sie also gewarnt … !

„Aus Lust wird leicht Frust, wenn du mußt.“ (Waltraud Puzicha)

Diejenigen, die schon im Vorfeld den Grundstein für ein angespanntes Klima im Kreise der Lieben legen möchten, sollten sich möglichst streng an die Regel halten, alle Geschenke erst am Vormittag des Heiligen Abends zu kaufen – quasi auf den letzten Drücker. Das ist äußerst clever und gerade in diesem Jahr haben wegen der mörderischen Pandemie nicht alle Läden geöffnet. Dies reduziert Ihre Chancen auf ein kreatives Geschenk auf ein Minimum – aber es erhöht den Stressfaktor um ein Vielfaches.

Damit beweisen Sie bereits vor dem Beginn des Festes, dass Sie ein wahrer Profi im künstlichen Aufbau von Spannungen sind.

Nur Amateure und Angsthasen kaufen rechtzeitig und besonnen.

„Geld allein macht nicht glücklich. Es gehören auch noch Aktien, Gold und Grundstücke dazu.“ (Danny Kaye)

Kaufen Sie dabei so viele Geschenke wie möglich (und am besten auch noch die teuersten), denn wer das meiste schenkt, wird auch am meisten geliebt.

Dieser skurrile und weit verbreitete Glaubenssatz kann im Hinblick auf die unsichere wirtschaftliche Zukunft zusätzlich den innerlichen Druck verstärken.

„Die besten Dinge im Leben sind nicht die, die man für Geld bekommt.“ (Albert Einstein)

Als äußerst hilfreich haben sich in so mancher Familie kleine Anspielungen bezüglich des Weihnachtsbaumes erwiesen. Ist Ihr Göttergatte mit dem schmücken fertig, so reicht es schon völlig aus mit kleinen Sticheleien den Hausseegen für die restlichen Feiertage schief hängen zu lassen. Bemerkungen wie „musst du denn die Weihnachtskugeln immer so nah aneinander aufhängen“ oder „früher war aber mehr Lametta“ senken die Stimmung schlagartig.

Wirkliche Könner kontern dann derartige Spitzen mit einem: „Deiner Mutter wird es schon gefallen. Sonst hätte sie sich ja auch nicht für jeden Feiertag angekündigt“.

Das ist „Weihnachtsstress heraufbeschwören“ auf Bundesliga -Niveau.

„Wenn ich auf mein Unglück trete, stehe ich höher.“ (Friedrich Hölderlin)

In anderen Familien hat sich wiederum die Taktik bewährt, sich vor dem gemeinsamen Beisammensein mit den lieben Verwandten abzusprechen, welche heiklen Themen lieber nicht zur Sprache gebracht werden sollen.

Sind die Themen erst einmal fixiert, suchen Sie sich ein beliebiges aus und tappen dann mal so richtig ins Fettnäpfchen.

Schlagen Sie Ihrer adipösen Schwägerin ruhig einmal vor, nach dem Fest umgehend mit einer Diät anzufangen oder fragen Sie Ihre Tante vor der ganzen Familie, warum sie sich eigentlich nie eine flotte und modernere Frisur machen lässt. Falls Sie dann noch einen kleinen Hinweis auf das gute Aussehen von Marilyn Monroe in diesem Gespräch platzieren können, wäre das fast perfekt.

„Schmerz und Freude liegen in einer Schale; ihre Mischung ist der Menschen Los.“ (Johann Gottfried Seume)

Ein weiterer, wichtiger Punkt ist: Essen Sie zu viel! Stehen Sie vom Frühstück gar nicht erst auf und gehen gleich zum Mittagessen über. Anschließend gibts sofort Kaffee und Stollen, um danach nahtlos das Abendbrot zu servieren.

Alle Mahlzeiten fließend aneinander gereiht. Ohne Verschnaufpause.

Stopfen Sie so viel in sich hinein bis Sie sich nicht mehr bewegen können.

Das beeinträchtigt das eigene Wohlbefinden bis zur Unerträglichkeit und ist ebenfalls eine geeignete Maßnahme, um sich seine Feiertage selbst zu ruinieren.

„Dem Unersättlichen in jeglichem Genuss wird selbst das Glück zum Überdruss.“ (Ludwig Bechstein)

Nun könnten Sie problemlos das viele Essen als Hauptgrund dafür anführen, zwingend alkoholhaltige Getränke zu sich nehmen zu müssen. Verniedlichen Sie dabei gekonnt den Schnaps und fragen Sie scheinheilig nach einem „Verdauerli“.

Und dann nach noch einem „Verdauerli“. Und dann noch einen.

Nach dem siebten Magenschnaps haben Sie nun die Tabu-Themen völlig vergessen und gänzlich enthemmt fragen Sie Ihren Schwager, ob ihn seine Freundin nur deshalb verließ, weil er keinen richtigen Beruf gelernt hat und deshalb nur wenig Kohle mit nach Hause bringt.

Legen Sie die Finger wirklich in jede Wunde Ihrer Familienangehörigen.

„Glück entsteht oft durch Aufmerksamkeit in kleinen Dingen. Unglück oft durch Vernachlässigung kleiner Dinge.“ (Wilhelm Busch)

Falls Sie, liebe Schwiegermütter, dem ungerechtfertigten Ruf über Schwiegermütter doch noch gerecht werden wollen, können Sie die Stimmung während der Festtage sehr wohl entscheidend beeinflussen. Bereits mit relativ einfachen Mitteln sind Sie in der Lage, den weiteren Verlauf des Tages zu manipulieren. So kann beim Mittagessen schon ein einfacher Satz wie: „Hm, man schmeckt es kaum heraus, dass ihr immer den billigen Soßenbinder verwendet“, kleine Wunder bewirken.

Beachten Sie jedoch, dass die Wirkung mit einem leicht herablassenden Unterton doppelt so stark ist. Wenn Sie dann noch ein: „wir nehmen ja nie Billigprodukte mit chemischen Zusätzen“ hinterher schieben, sind Ihnen böse Blicke garantiert.

Wollen Sie jedoch die Meisterschaft im „Weihnachtsfest vermasseln“ erreichen, hilft Ihnen eventuell der finale Stoß: „Also wir bevorzugen immer gesunde Produkte – aber was ihr euren Kindern zu essen gebt, ist ja schließlich eure eigene Sache“.

Und dann war da noch die Frustrierte, die sagte: „Ich habe nie bekommen, was ich wollte. Ich wollte, ich hätte das bekommen, was ich wollte. Aber nicht einmal das will ich.“ (Wolfgang J. Reus)

Selbstverständlich können Sie auch Ihren kleinen Kindern das Fest so richtig vermiesen. Schleppen Sie dazu Ihren Nachwuchs zu den herrschsüchtigen Großeltern und zwingen Sie sie dazu, Gedichte aufsagen zu müssen. Schärfen Sie Ihren Blagen vorher jedoch gründlich ein, auf keinen Fall lustig herum zu rennen und auch keinesfalls ihre Meinung vor den diktatorischen Familienoberhäuptern zu sagen.

Gedicht aufsagen, stundenlanges Stillsitzen und das Verbot, die eigene Meinung sagen zu dürfen sind in despotisch geführten Familien ein probates Mittel, schon den Kindern das Fest der Liebe gründlich zu vermiesen. Garantiert.

„Der Egoismus glücklicher Menschen ist leichtsinnig, seiner selbst unbewusst. Der Egoismus unglücklicher Menschen ist verbissen und von seinem Recht zu bestehen überzeugt.“ (Marie von Ebner- Eschenbach)

Sollten Sie zu jenen Familien gehören, die sich schon seit Jahren nichts mehr zu sagen haben, ist es relativ einfach sich selbst das Fest zu vergällen. Ein erfolgreich erprobtes Mittel ist, sich die ganzen Feiertage gezielt anzuschweigen. Auch wenn die Grabesstille mittlerweile ohrenbetäubend und unerträglich ist – das macht nichts. Starren Sie ruhig weiter unablässig, stumpfsinnig und nichtssagend tagelang auf das Farbfernsehgerät.

Dabei spielt es auch überhaupt keine Rolle, ob Sie bereits erkannt haben, dass das TV- Programm sowieso nur ein weiterer Beitrag zu Rückverdummung des Volkes ist.

Schweigen Sie rigoros und schauen Sie sich zusammen mit Ihrer Familie vier mal hintereinander „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ an.

Das läuft eh auf jedem Sender. Ununterbrochen.

Da kommt richtig Stimmung in die Bude. Aber aufgepasst: Sie müssen sich jedes mal am Ende auf`s Neue gerührt und tief ergriffen zeigen, wenn der Prinz das Aschenbrödel kriegt.

Ein an der richtigen Stelle platzierter Seufzer ist die Übertünchung der quälenden Langeweile in Perfektion.

Glotzen Sie einfach nur teilnahmslos auf die Flimmerkiste und beobachten Sie dabei, wie sich innerlich immer mehr Verdruss über die Sinnlosigkeit der so verplemperten Zeit in Ihnen aufbaut.

Sie können Ihren Unmut auch noch verstärken, wenn Sie sich beim Anschauen der 754. Folge von „Sissi“ ausmalen, wie schön es doch wäre, wenn Sie jetzt gerade mit Ihren Freunden im Stadion an der Bierbude lustige Gespräche sprechen würden (wahlweise hilft auch die Vorstellung endlich einmal mit der hübschen Nachbarin in St. Moritz rodeln zu gehen).

„Seltsam, dass Leute, die zusammen leiden, stärkere Beziehungen haben, als die Leute, die sehr zufrieden sind.“ (Bob Dylan)

Relativ einfach – aber trotzdem äußerst wirkungsvoll – das harmonische Zusammensein während der Feiertage zu zerstören, ist die bloße Erwähnung sogenannter Reizworte. Sollten zu Ihrer Familie fanatische Gläubige der kommunistischen Erziehungsanstalten ARD oder ZDF gehören, so reicht es oft schon aus, die Worte „Wahlbetrug“, „amtierender Präsident Donald J. Trump“, „Impfzwang“, „Fake- Pandemie“, „Adrenochrom“, „Neue Weltordnung“ oder „schleichender Austausch der Bevölkerung“ in den Ring zu werfen. Beachten Sie dabei aber unbedingt bei der aufkommenden Diskussion nur im widernatürlichen, kommunistischen Neusprech zu kommunizieren und den Weihnachtsmann ausschließlich nur Weihnachtsmann*Innen*divers zu nennen.

Sie werden sehen wie sich schlagartig die friedliche Stimmung in hasserfülltes Gekreische umwandelt.

Versprochen!

Ähnliches gilt auch für Opas, Väter, Neffen und Cousins, welche sich als Fan einer Bundesligamannschaft geoutet haben. Erwähnen Sie einfach nur beiläufig das ausländische Getränkekonzerne, Aktiengesellschaften oder Chemiekonzerne keine richtigen Fußballvereine sind und der Erfolg wird Ihnen sicher sein.

„Manchmal glaube ich, wir sind keine Familie, sondern ein biologisches Experiment.“ (Al Bundy)

Auch ist es von grundlegender Bedeutung wie Sie auf unnütze und fantasielos gekaufte Geschenke reagieren. Mit einem „Oh, wie schön, eine lila Fahrradklingel! Ich werde sie gleich neben die legen, die du mir im vergangenen Jahr schon geschenkt hast“ werden Sie wohl ganz andere Effekte erzielen als mit einem „langsam nervt deine Fantasielosigkeit“.

„Viele Menschen wissen, dass sie unglücklich sind. Aber noch mehr Menschen wissen nicht, dass sie glücklich sind“. (Albert Schweitzer)

Haben Sie unter Ihren Verwandten jemanden, über den Sie sich im vergangen Jahr richtig geärgert haben, so empfiehlt es sich, seinen Kindern zu Weihnachten eine Blechtrommel oder eine Kindertrompete zu schenken. Da hat nicht nur die beschenkte Familie etwas davon, sondern auch gleich noch deren Nachbarn.

Sie können die Feiertage auch dazu nutzen, Dinge auf`s Tapet zu bringen, über die Sie sich schon vor Monaten geärgert haben. „Ach, was ich dir noch sagen wollte – du guckst viel zu oft Sport“, oder: „Nie hilfst du mir in der Küche“. Oder: „Immer wenn du rückwärts einparkst, frage ich mich, ob du deinen Führerschein im Lotto gewonnen hast!“ All diese mega-wichtigen Themen könnten Weihnachten ausführlich besprochen werden …

„Entschlossenheit im Unglück ist immer der halbe Weg zur Rettung.“ (J. H. Pestalozzi)

Falls das alles nicht helfen sollte, springen Sie einmal völlig spontan vom Sofa auf, stellen sich in Grundstellung hin und sagen laut: „Ach, das ist doch alles nur Kokolores!“

„Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.“ (F. M. Dostojewski)

So, ich hoffe, dass ich Ihnen mit meinen Vorschlägen behilflich sein konnte und sie dank meiner Hilfe nicht in die Verlegenheit kommen, ein harmonisches und friedliches Fest feiern zu müssen.

Sollten Sie sich jedoch für eine schönes Weihnachtsfest entscheiden wollen, so schenken Sie Liebe! Das kostet nichts, ist gut für die Seele und das menschliche Miteinander.

Liebe ist sowieso das Wichtigste.

Ohne einen Funken Liebe würde die Welt im Abgrund versinken.

Und wenn es auf dieser Welt überhaupt eine Frage gibt, so lautet die Antwort: LIEBE.

„Liebe mich dann, wenn ich es am wenigsten verdient habe, denn dann brauche ich es am meisten.“ (Unbekannt)

UND:

„Es gibt nichts Schöneres als geliebt zu werden, geliebt um seiner selbst willen oder vielmehr trotz seiner selbst.“ (Victor Hugo)

UND:

„Glück ist Liebe, nichts anderes. Wer lieben kann, ist glücklich!“ (Hermann Hesse)

Ahoi

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