„Antiker Friedhof“: Dutzende Schiffswracks in der Ägäis entdeckt

Epoch Times25. Oktober 2018 Aktualisiert: 23. Oktober 2018 15:22
Archäologen in Griechenland haben mindestens 58 Schiffswracks entdeckt, viele davon mitsamt ihrer Ladung. Bei diesem "Schiffsfriedhof" handelt es sich um die größte Konzentration an alten Wracks, die jemals in der Ägäis und möglicherweise im gesamten Mittelmeerraum gefunden wurde.

Die Wracks liegen in der kleinen Inselgruppe Fourni, in der östlichen Ägäis. Die Schiffe stammen aus einem riesigen Zeitraum, vom alten Griechenland bis zum 20. Jahrhundert, die meisten stammen jedoch aus der griechischen, römischen und byzantinischen Zeit.

Schiffsfunde in der Ägäis sind keine Seltenheit. Dennoch ist die neue Entdeckung eine Sensation, da bislang noch keine so große Anzahl von Wracks an einem Punkt gefunden wurden.

Das Schicksal der Schiffswracks

Archäologen sagen, dass die Wracks eine spannende Geschichte darüber erzählen, wie Schiffe voller Ladung, durch die Ägäis, das Mittelmeer und das Schwarze Meer reisten und plötzlich inmitten von Stürmen und von felsigen Klippen umgeben ihrem Schicksal begegneten.

„Die Aufregung ist schwer zu beschreiben, ich meine, sie war einfach unglaublich. Wir wussten, dass wir über etwas gestolpert waren, das die Geschichtsbücher verändern würde“, sagte der Unterwasserarchäologe und Co-Direktor des Fournoi-Forschungsprojekts Dr. Peter Campbell von der RPM Nautical Foundation gegenüber Reuters.

Die Stiftung arbeitet eng mit dem griechischen Ephorate of Underwater Antiquities zusammen, das die Forschung durchführt.

58 statt 22 Schiffe

Als das internationale Team 2015 mit der Unterwasseruntersuchung begann, waren sie erstaunt, 22 Schiffswracks zu finden. Nach weiteren Untersuchungen stellte sich nun heraus, dass mindestens 58 Wracks auf dem Meeresboden liegen müssen. Das Team glaubt allerdings, dass noch mehr Geheimnisse dort unten liegen.

„Ich würde es wahrscheinlich als eine der archäologischen Entdeckungen des Jahrhunderts bezeichnen. Es ist uns nun möglich eine neue Geschichte über eine Navigationsroute zu erzählen, die das alte Mittelmeer verband“, sagte Campbell.

Die Schiffe und ihre Ladung offenbaren ein Bild von Schiffen, die Waren auf Routen aus dem Schwarzen Meer, Griechenland, Kleinasien, Italien, Spanien, Sizilien, Zypern, der Levante, Ägypten und Nordafrika transportieren.

Über 300 weitere Kleinfunde

Das Team hat bereits mehr als 300 Funde aus den Schiffswracks, insbesondere Amphoren, geborgen. Die Wissenschaftler erhalten so einen seltenen Einblick in die Waren, die über das Mittelmeer transportiert wurden. „Neunzig Prozent der Schiffswracks, die wir im Fournoi-Archipel gefunden haben, trugen eine Ladung Amphoren.

„Die Amphore ist ein Gefäß, das hauptsächlich für den Transport von Flüssigkeiten und Halbflüssigkeiten in der Antike verwendet wird. Hauptsächlich waren dies Wein, Öl, Fischsaucen und vielleicht auch Honig“, sagte der Archäologe und Fournoi-Projektleiter Dr. George Koutsouflakis vom Ephorat der Unterwasserantiken.

Die berühmte römische Fischsauce hatte ihre Wurzeln in der griechischen Sauce „Garos“, die vermutlich aus der Schwarzmeerregion stammt. „Sie war im Altertum ein teures und beliebtes Gut“, fügte Koutsouflakis hinzu.

Amphoren begeistern die Forscher

Besonders begeistert waren die Archäologen von römischen Amphoren, die sie in Schiffen aus dem Schwarzen Meer und Nordafrika fanden. Diese konnten bisher nur sehr selten und meist stark fragmentiert im Raum der Ägäis gefunden werden.

Weiterhin sei schlechtes Wetter die wahrscheinlichste Erklärung dafür, weshalb die Schiffe alle im selben Gebiet gesunken sind. Die Region erlebt viele plötzliche, heftige Stürme und ist von felsigen Küsten umgeben. Fourni war für viele Händler während ihrer Reise ein Zwischenstopp.

„Da es enge Passagen zwischen den Inseln, viele Golfe und absteigende Winde aus den Bergen gibt, kommt es häufig zu plötzlichen Stürmen.

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„Es ist kein Zufall, dass eine große Anzahl der Wracks in diesen Passagen gefunden wurde. Wenn es eine plötzliche Änderung der Windrichtung gab, und der Kapitän aus einem anderen, Seefahrer-freundlicheren Gebiet kommt, könnte er leicht die Kontrolle über das Schiff verlieren und auf die Felsen auflaufen“, sagte Koutsouflakis.

Ungeplünderte Wracks in 60 Metern Tiefe

Weiterhin sei der Zustand der Schiffswracks sehr unterschiedlich. Einige von ihnen sind gut erhalten, während andere in Einzelteilen zerschellten, nachdem sie auf die Felsen aufgeprallt waren.

„Wir haben Wracks, die völlig unberührt sind. Wir glauben, dass wir die Ersten waren, die sie gefunden haben. Sie befinden sich in sehr tiefen Gewässern – in einer Tiefe von 60 Metern“, so Koutsouflakis.

Er erklärt weiter, dass Wracks bis in eine Tiefe von 40 Metern und mehr normalerweise in einem guten Zustand erhalten sind. „Alles, was über 40 Meter liegt, hat entweder seine Konsistenz verloren oder wurde in der Vergangenheit geplündert.“

Das Team aus Archäologen, Architekten, Restauratoren und Tauchern möchte in Zukunft in Fourni ein Forschungszentrum für Unterwasserarchäologie für Studenten und ein lokales Museum für ihre Funde schaffen.

Mehr über die unglaubliche Entdeckung im Video:

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