Ist ein Vulkan schuld an Napoleons Niederlage in Waterloo?

Epoch Times1. Oktober 2018 Aktualisiert: 30. September 2018 10:03
Britische Wissenschaftler fanden heraus, dass ein Vulkanausbruch in Indonesien schuld an der historischen Niederlage Napoleons in Waterloo sein könnte. Der Vulkan brach zwei Monate vor der bedeutenden Schlacht aus und bescherte Europa ein monsunartiges Wetter und "das Jahr ohne Sommer."

In der entscheidenden Schlacht bei Waterloo am 18. Juni 1815 behinderten Dreck und Nässe die Armeen Napoleons. Das Wetter verschaffte Napoleons Feinden einen strategischen Vorteil. Und so gewannen die alliierten Truppen mit ein bisschen Hilfe die berühmte Schlacht bei Waterloo im heutigen Belgien.

Aber die starken Regenfälle, die Europa im Mai und Juni 1815 überfluteten, können auf eine erhebliche atmosphärische Störung im April zurückzuführen sein. Laut einer neuen Studie brach zu diesem Zeitpunkt ein indonesischer Vulkan namens Mount Tambora aus. Er war es, der Europa ein Jahr voller Regen bescherte.

Die unberechenbare Variable „Vulkan“

Ausbrechende Vulkane können hoch aufragende Aschefahnen in die Stratosphäre speien, die sich bis zu 50 Kilometer über der Erdoberfläche erstreckt. Durch den Ausbruch können kleinste Aschepartikel das Sonnenlicht streuen oder reflektieren und somit zeitweise das Weltklima beeinflussen.

Zudem können außergewöhnlich starke Eruptionen elektrische Kräfte erzeugen, die Ascheteilchen noch höher treiben. Diese gelangen bis in die wolkenbildende Ionosphäre, berichtet der britische Forscher Matthew Genge in der Studie.

In der Ionosphäre können elektrisch geladene Partikel das Erdklima weiter stören. Und genau das geschah nach dem Ausbruch des Mount Tambora. Der Vulkan hat die Atmosphäre und das Wetter in Europa in kürzester Zeit „kurzgeschlossen“ und die Armee Napoleons innerhalb von Monaten in die Knie gezwungen, schrieb Genge in der Studie.

„Das Jahr ohne Sommer“

Am 5. April 1815 begann der viermonatige Ausbruch des Mount Tambora. Er gilt als der größte Vulkanausbruch der Geschichte. Er tötete etwa 100.000 Menschen auf der Insel Sumbawa und ließ Gebäude durch das Gewicht der Asche zusammenzubrechen, so das National Center for Atmospheric Research (NCAR).

Wissenschaftler wissen seit langem, dass der Ausbruch des Vulkans das globale Klima dramatisch beeinflusst hat. Die Asche und die in die Stratosphäre eingedrungenen Partikel zirkulierten um den Planeten herum. Dies führte zu einem Rückgang der durchschnittlichen globalen Temperatur von 3 Grad Celsius im folgenden Jahr.

Das düstere, kalte Wetter hielt in Europa und Nordamerika monatelang an, und 1816 wurde als „Das Jahr ohne Sommer“ bekannt.

Wie zwei Magnete die sich voneinander abstoßen

Es dauerte gewöhnlicherweise Monate, bis die in der Luft befindlichen Partikel das globale Wetter beeinflussten. Daher nahmen die Forscher bis vor Kurzem an, dass die ungewöhnlich nassen Bedingungen im Frühjahr 1815 nichts mit dem Vulkan zu tun hatten, so Genge.

Seine jüngsten Erkenntnisse über elektrische Kräfte bei Eruptionen deuten jedoch auf etwas anderes hin. In Simulationen zeigte Genge, dass sich starke negative Ladungen in der Aschewolke eines Vulkans und in den Partikeln gegenseitig abstoßen und somit Asche in die Ionosphäre schleudern könne.

„Der Effekt funktioniert sehr ähnlich wie die Art und Weise, wie zwei Magnete voneinander weggedrückt werden, wenn ihre Pole übereinstimmen“, sagte Genge in einer Erklärung.

Ascheteilchen die den europäischen Himmel verdunkelten

Die globalen Wetterdaten von 1815 sind dürftig, was es schwierig macht, den Ausbruch von 1815 mit späteren meteorologischen Störungen zu verbinden, schrieb Genge weiter.

Doch zum Glück gibt es vollständigere Wetteraufzeichnungen von einem weiteren mächtigen Vulkanausbruch im Jahr 1883 – dem des Krakatoa in Indonesien. Auch diese Daten zeigen Anzeichen von ionosphärischen Störungen und Wetterveränderungen kurz nach dem Ausbruch des Vulkans, so Genge.

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Elektrisch aufgeladene, schwebende Asche nach dem Ausbruch von Tambora 1815 könnte somit innerhalb weniger Wochen das Wetter in Europa beeinflusst haben, lange bevor die Ascheteilchen in der Stratosphäre im Sommer 1816 den europäischen Himmel verdunkelten, so die Studie.

Den Link zur PDF der Studie finden Sie hier (Englisch): Electrostatic levitation of volcanic ash into the ionosphere and its abrupt effect on climate