„Bild“-Chef Reichelt: „Merkel empfängt Obama – obwohl dieser Europa schwer geschadet hat“

Von 5. April 2019 Aktualisiert: 6. April 2019 11:33
Scharfe Kritik am „Freundschaftsbesuch“ Barack Obamas am Freitag im Kanzleramt hat „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt geübt. Kanzlerin Merkel habe mit dem Treffen US-Präsident Donald Trump vor den Kopf stoßen wollen – obgleich Obama es gewesen wäre, der Europa im Stich gelassen hätte.

Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den Berlin-Besuch des früheren US-Präsidenten Barack Obama am Freitag genutzt, um sich mit diesem zu einem anderthalbstündigen Meinungsaustausch im Kanzleramt zu treffen. In dem Gespräch soll es unter anderem auch um Streitpunkte zwischen beiden Ländern gehen, die das bilaterale Verhältnis zuletzt belastet hatten.

Dies sind vor allem Konflikte im Bereich der Handels- und Zollpolitik sowie das sogenannte Zwei-Prozent der Nato. Dieses beinhaltet eine Anhebung der Verteidigungsausgaben der Mitglieder der transatlantischen Militärallianz auf zwei Prozent bis 2024. Die dazugehörige Vereinbarung wurde 2014 noch während der Amtszeit Obamas getroffen.

Am Donnerstag war Obama Stargast im Rahmen des World Leadership Summits in Köln, an dem mehr als 14 000 Menschen teilnahmen. Der frühere US-Präsident wird auch noch am Samstag in Berlin weilen.

Wie die „Welt“ berichtet, will Obama ein „Town Hall“-Treffen mit etwa 300 Jugendlichen aus unterschiedlichen Nichtregierungsorganisationen abhalten. Zudem will er auch mit 20 Vertretern der „Fridays for Future“-Bewegung sprechen.

Obama kein „Maskottchen der guten alten Zeit“

Dass das „nicht presseöffentliche“ Treffen zwischen Merkel und Obama eine verklausulierte Unmutsäußerung der deutschen Regierung in Richtung des amtierenden US-Präsidenten Donald Trump darstellen könnte, wies Regierungssprecher Steffen Seibert zurück. „Diesem Eindruck würde ich entschieden widersprechen“, hieß es von seiner Seite über den „vertraulichen Termin“.

Es komme immer wieder vor, dass die Kanzlerin „mit früheren Präsidenten und Regierungschefs, mit denen sie eine Strecke lang eng und gut zusammengearbeitet hat, auch durchaus nach deren Zeit noch einmal zusammentrifft“.

Anders sieht dies der Vorsitzender der Chefredaktionen und Chefredakteur Digital von „Bild“, Julian Reichelt. In einem ungeahnt scharfen Kommentar schreibt Reichelt, es wäre Merkels Kalkül gewesen, Trump vor den Kopf zu stoßen. Für „ein bisschen irreführende Nostalgie“, heißt es weiter, nehme Kanzlerin Merkel weiteren Schaden im überragend wichtigen deutsch-amerikanischen Verhältnis in Kauf.

Es sei zudem völlig unangebracht, Obama jetzt gleichsam zum „Maskottchen der guten alten Zeit“ zu stilisieren. Tatsächlich sei es Obama gewesen, der eine Abkehr der USA von Europa eingeleitet habe. Auch er habe bei den Verteidigungsausgaben Druck gemacht und außerdem noch seine Geheimdienste gegen die deutsche Wirtschaft eingesetzt. Reichelt warf Obama unter anderem auch vor, in Syrien nicht eingegriffen und damit die Flüchtlingskrise begünstigt zu haben.

„Außer Obamas schönen Worten“ sei an dessen Ära „nichts wirklich gut“ gewesen, vielmehr habe er „Europa massiv geschadet“.

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.
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