CO2-Angst ist out: Wird Methan zum neuen Klima-Schreckgespenst?

Von 10. Mai 2019 Aktualisiert: 10. Mai 2019 16:38
Die „Neue Zürcher Zeitung“ weist darauf hin, dass der Methangehalt in der Atmosphäre seit 2007 deutlich ansteigt. Die Gründe sind unklar. Da Methan als „Treibhausgas“ 20 Mal so effektiv sei wie CO2, könnte die Entwicklung die Pariser Klimaziele gefährden.

War es bislang vor allem die Konzentration des mit einem Anteil von etwa 0,04 Prozent in der Luft vertretenen CO2 in der Erdatmosphäre, die den Anhängern der Theorie eines „menschengemachten Klimawandels“ schlaflose Nächte bereitete, ist nun ein weiteres Spurengas ins Visier der Klimaforschung geraten.

Methan, dessen Anteil an der Atmosphärenluft 0,000189 Prozent beträgt, sei aktuellen Messungen zufolge damit auf seinem höchsten Wert seit mindestens 800 000 Jahren. Vor allem aber habe sich dessen Anteil seit 1750, also etwa drei Jahrzehnte vor den Anfängen der Industrialisierung, bis heute von 0,000073 Prozent mehr als verdoppelt.

Warum das so schlimm sei, erklärt Tim Kalvelage in der „Neuen Zürcher Zeitung“ (NZZ) damit, dass Methan als „Treibhausgas“ mehr als 20 Mal so effektiv wirke wie Kohlendioxid. Eine Verdoppelung der Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre führt, so der Astrophysiker Peter Heller, zum Anstieg der Atmosphärentemperatur von einem Grad Celsius.

Im Zuge von 200 Jahren seit der Industriellen Revolution ist die CO2-Konzentration von 280 ppm (Parts per million) auf etwa 400 gestiegen. Eine damit einhergehende Erwärmung, die durch menschliche Aktivitäten hervorgerufen würde, ist demnach in ihren praktischen Auswirkungen völlig unerheblich – und nicht einmal, wenn alle fossilen Energieträger auf einmal verbrannt würde, könne auf diese Weise eine „menschengemachte Katastrophe“ hervorgerufen werden, betont Heller.

Um 2000 hatte sich der Anteil stabilisiert

Deshalb spekuliere und simuliere die politisch unterstützte Klimaforschung auch hauptsächlich über hypothetische Verstärkungseffekte oder andere Szenarien, die in Summe doch noch Folgewirkungen nach sich ziehen könnten, die nicht mehr beherrschbare Veränderungen für Mensch und Biosphäre zur Folge hätten.

Je mehr Skepsis allerdings die Dämonisierung des Kohlendioxids hervorruft – und je mehr eine CO2-Steuer oder ähnliche dirigistische Maßnahmen den Wohlstand minimieren, umso mehr werden Menschen diese Skepsis entwickeln -, umso wichtiger könnte der Methanausstoß als zweite Front im Kampf um die Rechtfertigung massiver staatlicher Eingriffe unter dem Banner des „Klimaschutzes“ werden.

Über die Gründe für den deutlichen Anstieg der Methankonzentration seit 2007, der sich seit 2014 noch einmal zusätzlich beschleunigt habe, rätselt man jedoch auch in der Klimaschutz-Gemeinde. Immerhin hatte sich der Methananteil zuvor noch um die Jahrtausendwende herum stabilisiert – und es ist auf den ersten Blick nicht erkennbar, welche Entwicklungen, die damit zusammenhängen könnten, einen parallelen Verlauf erkennen ließen, und sei dieser auch nur vorgelagert.

Zwar werden wie auch schon im Zusammenhang mit dem CO2 die Nutzung fossiler Brennstoffe und eine intensivere Landwirtschaft als Faktoren herangezogen, aber diese wurden durch neue Technologien auch effizienter. Dass es in diesem Bereich eine so drastische Veränderung gegeben hätte, die sich in einer so stark beschleunigten Erhöhung der Methankonzentration niederschlagen musste, ist nicht zu erkennen.

„Worauf der neuerliche Methananstieg zurückzuführen ist, darüber können Forscher derzeit nur spekulieren“, räumt Kalvelage ein.

Klar ist, dass das komplizierte Gleichgewicht aus Methanquellen und -senken gestört sein muss. Entweder nimmt die Freisetzung von Methan zu, oder der Methanabbau in der Atmosphäre verlangsamt sich. Oder es findet beides zugleich statt.“

Isotopenauswertung zur Datengewinnung

Der Datenbestand ist zudem sehr lückenhaft und auch nicht immer repräsentativ. Euan Nisbet, Geowissenschaftler am Royal Holloway College der University of London, erklärt gegenüber der NZZ:

Das größte Problem bei der Zuordnung des zusätzlichen Methans seit 2007 ist der Mangel an Langzeitmessungen in Bodennähe, vor allem in den Tropen, die eine riesige Methanfabrik sind.“

Die Forscher behelfen sich angesichts der unübersichtlichen Datenlage mit der Auswertung zweier Isotope, die dem Methan zugeordnet werden können, nämlich C-12 und das schwerere C-13. Beide unterscheiden sich voneinander im Mengenverhältnis und lassen sich auf diese Weise unterschiedlichen möglichen Quellen zuordnen.

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Den Fokus auf den Methanausstoß zu legen, könnte sich für die Befürworter einer weltweit koordinierten, rigiden Klimapolitik in unseren Breiten taktisch als Erleichterung erweisen. Zum einen entlastet es davon, begründen zu müssen, warum eine CO2-Steuer in Deutschland erforderlich wäre, wenn doch der deutsche CO2-Ausstoß im weltweiten Maßstab so verschwindend gering sei, dass ein Effekt selbst dann als minimal erscheinen müsste, wenn man an die bevorstehende Katastrophe glaubt.

Europa müsste nicht mehr den Musterschüler spielen

Anders als beim CO2, das zum allergrößten Teil in der Natur vorkommt und nur zu einem geringen Teil vom Menschen hervorgerufen wird, soll der menschengemachte Anteil am weltweiten Methanausstoß von 350 Millionen Tonnen immerhin die Hälfte bis zwei Drittel ausmachen.

Betrachtet man dann noch die Herkunftsgebiete, liegen diese zu einem wesentlichen Teil außerhalb Europas. Rinderherden in Lateinamerika, Reisfelder in der Volksrepublik China, Lecks an Gas-Pipelines in den USA, Feuchtgebiete am Amazonas, in Kanada, in Russland oder in Afrika: Auf diese Weise könnte die Klimaschutz-Bewegung in unseren Breiten auch den Fokus von der angeblichen Notwendigkeit weg verschieben, wonach unbedingt die europäischen Länder immer mit gutem Beispiel vorangehen müssten – trotz intakter Umweltsituation.

Nisbet hält trotzdem am CO2-Narrativ und der angeblichen Dringlichkeit einer massiven Reduktion des Kohlendioxidausstoßes fest – erst recht, wenn der Methangehalt der Luft stärker ansteige. Andernfalls wäre das Zwei-Grad-Ziel des Pariser Abkommens definitiv nicht mehr einhaltbar.

Macht „Tor zur Unterwelt“ alles zunichte?

All diese Szenarien könnten allerdings ohnehin hinfällig werden, wenn das „Tor zur Unterwelt“, wie der Batagaika-Krater in Sibirien auch genannt wird, sich weiter öffnet und der Permafrostboden um ihn herum antaut. Forscher des Alfred-Wegener-Institutes in Potsdam haben dem Blog „travelbook“ zufolge herausgefunden, dass der 1500 Meter lange und fast 120 Meter tiefe Krater, der erst in den 1960er Jahren entstanden war, pro Jahr um zehn bis 30 Meter wächst.

Der gefrorene Boden enthalte, so die Forscher, zwischen 1300 und 1600 Gigatonnen Kohlenstoff. Das ist fast das Doppelte wie jetzt an Kohlenstoff in der gesamten Atmosphäre vorkommt, die etwa 800 Gigatonnen enthält.

Sollte auf diesem Wege das Pariser Klimaziel auf ganz natürliche Weise scheitern und immer noch keine Apokalypse stattfinden, könnte dies auf die These von der menschengemachten Klimakatastrophe einen ähnlich schwerwiegenden Effekt haben wie der Verlust Konstantinopels für das europäische Christentum.

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.