Das Kind als Feindbild: Ökologismus als Rechtfertigung für den demografischen Selbstmord

Von 19. Februar 2019 Aktualisiert: 19. Februar 2019 14:30
Obwohl sich Europas Geburtenraten weiter im freien Fall befinden, wird freiwillige Kinderlosigkeit in Medien und Politik zunehmend als Tugend verklärt.

Was früher als Ausdruck von Egoismus und Flucht vor Verantwortung galt, hat mit der Öko-Ideologie eine „moralische“ Rechtfertigung erlangt.

In einem Beitrag für die Webseite des Instituts für Demographie, Allgemeinwohl und Familie e.V. (IDAF) hat der deutsche Publizist und Buchautor Jürgen Liminski angedeutet, dass unter dem Banner des Ökologismus eine Art Synthese zwischen malthusianischen Depopulationsideologen und Verfechtern eines säkular-hedonistischen, hyperindividualistischen Lebensstils entstanden sei. Der Ökologismus würde beiden Seiten eine pseudomoralische Rechtfertigung für deren Kampf gegen die Familie liefern.

Während sich die Geburtenraten in Europa ungeachtet der Zuwanderung aus Afrika und dem Nahen Osten weiter im freien Fall befinden, allen voran in Deutschland und kein Land der EU die bestandserhaltende Geburtenrate von 2,1 Kindern pro Frau erreicht, wird die freiwillige Kinderlosigkeit in Medien und von linken Politikern gleichsam als Tugend verkauft.

Deutschland ist, wie Liminski darlegt, mit fast einem Viertel aller Frauen weltweit das Land mit dem höchsten Prozentsatz an Kinderlosen. Rund zehn Prozent können demnach aus biologischen Gründen keine Kinder bekommen, die anderen wollen nicht aus wirtschaftlichen oder persönlichen Gründen. Ihre Zahl wachse vor allem bei den jüngeren Frauen. In Frankreich seien es knapp fünf Prozent – bei den Männern fast sieben –, die ihrer Familiengeschichte aus freien Stücken ein Ende setzen wollen.

Neu sei allerdings ist, dass diese bewusst Kinderlosen ihre Haltung auch öffentlich rechtfertigten und gutgeheißen sehen wollten. In den USA nennen sich die Betreffenden „childfree“ oder „Gink“, was für „Green inclination, no kids“ steht bzw. „kinderlos aus ökologischen Gründen“. Die Ideologin dieser Bewegung, die selbsternannte „Öko-Feministin“ Lisa Hymas, erklärt dazu: „Wenn Du Deine Kinder liebst, bring sie nicht auf die Welt, sie ist ein Mülleimer.“

Steht die Welt wirklich so schlecht da?

Objektive Zahlen wie jene der Seite „Our World in Data“ vermögen die Schreckensszenarien über den Zustand der Welt nicht zu belegen. Im Jahr 1990 starben weltweit noch mehr als 12 Millionen Kleinkinder, 2015 waren es weniger als sechs Millionen. Während im Jahr 1900 nur jeder fünfte Erdenbürger lesen konnte, sind es heute vier Fünftel, auf die dies zutrifft. In Deutschland lag die durchschnittliche Lebenserwartung noch 1875 bei 40 Jahren, heute ist sie mehr als doppelt so hoch.

Lebten noch vor 200 Jahren rund 90 Prozent der Weltbevölkerung in extremer Armut, ist dieser Anteil mittlerweile auf zehn Prozent gesunken. Allein zwischen 1990 und 2015 sind täglich im Schnitt rund 137.000 Menschen dieser entkommen.

Auch bezüglich der Schadstoffbelastung in der Luft ist zumindest in den entwickelten Industriestaaten eine deutliche Verbesserung zu bemerken. Sogar das Umweltbundesamt muss zugeben: „Die Belastung der Luft mit Schadstoffen nahm in den vergangenen 25 Jahren deutlich ab. Mittlerweile gibt es in Deutschland keine Überschreitungen der europaweit geltenden Grenzwerte für Schwefeldioxid, Kohlenmonoxid, Benzol und Blei mehr.“

Die Harvard-Universität sieht einen Zusammenhang zwischen besserer Luftqualität und höherer Lebenserwartung in US-amerikanischen Städten. Es trifft zwar auch zu, dass es in afrikanischen und asiatischen Großstädten, die in den letzten Jahrzehnten ein hohes Maß an Urbanisierung und Industrialisierung erlebt hatten, Probleme bezüglich der Luftqualität gibt. Diese gab es in früherer Zeit jedoch auch in Europa oder Nordamerika – und steigender Wohlstand ermöglichte Investitionen in die Verbesserung der Lebensqualität, die sich dann auch bezahlt machten.

Widerlegung schadet ökologistischen Mythen nicht

Einen objektiven Anlass dafür, von einer schlechteren Lebensqualität künftiger Generationen auszugehen, gibt es also nicht – dennoch dominieren im öffentlichen Diskurs Katastrophenszenarien, die sich auf eine angeblich drohende „Überbevölkerung“, auf ein vermeintlich bevorstehendes Ende der Rohstoffvorkommen oder, wie zunehmend seit Ende der 1980er Jahre, auf eine angeblich drohende Katastrophe infolge „menschengemachter Erderwärmung“ stützen.

Dass sich weder die Prognosen des Pastors Thomas Robert Malthus über die angeblich unausweichliche Verarmung durch Bevölkerungszuwachs noch die Prophezeiungen des „Club of Rome“ auch nur annähernd bestätigt hatten, ficht heutige Weltuntergangspropheten unter dem Banner des „Weltklimas“ nicht an.

Ohne belastbare Fakten oder auch nur Kriterien nennen zu können, forcieren sie den Narrativ eines angeblich überbevölkerten Planeten – und das, obwohl es, wie einfache Berechnungen erkennen lassen, theoretisch möglich wäre, die gesamte Weltbevölkerung auf der Fläche des US-Bundesstaates Texas unterzubringen, wobei jeder Familie immer noch ein zumutbares Maß an Wohnraum und eigener Grünfläche verbleiben würde.

„Es sind krude Thesen, wissenschaftlich nicht nachweisbar“, erklärt Liminski. „Sie basieren auf einem allzu simplen und eigentlich animalischen Menschenbild. Sie sehen den Menschen nur als Konsumenten, nicht als geistige Potenz, die andere Ressourcen hat als Ackerbau und Viehzucht. Sie rechnen nicht mit der Innovationsfähigkeit, mit neuen Erfindungen und Durchbrüchen in der Wissenschaft, sie rechnen nicht mit der Kraft des Geistes. In diesem Sinn wird ‚ein Kind weniger‘ in dieselbe Kategorie gelistet wie ‚Verzicht auf einen Transatlantikflug‘ oder der ‚Wechsel von Glühbirnen‘. So geschehen im Juli 2017 in der Zeitschrift Environmental Research Letters.“

#regrettingmotherhood als Testballon

Dieser Narrativ hat es mittlerweile in etablierte Tageszeitungen und sogar in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk geschafft. Während Kampagnen wie #regrettingmotherhood und Texte über die angeblich so unzumutbaren Begleitumstände von Elternschaft auf wohlwollende Berichterstattung treffen, heißt es in auflagenstarke Zeitungen wie „Süddeutsche“ oder „Spiegel“:

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„Auf Auto und Fleisch verzichten und weniger Flugreisen machen – mit diesen Maßnahmen können Sie das Klima schützen. Doch laut Forschern ist noch wirksamer: ein Kind weniger in die Welt setzen.“

Der frühere grüne Umweltminister aus Frankreich, Yves Cochet, erklärte jüngst in der Zeitschrift „l’Obs“: „Keine Kinder zeugen ist ein ökologischer Akt“. Statt Familien zu entlasten, plädierte er sogar für Kürzungen bei familienpolitischen Transferleistungen, für das dritte Kind sollten alle Leistungen gestrichen werden – der Umwelt zuliebe. Das würde auch Platz schaffen für Migranten.

Dass es weder wissenschaftliche noch empirische Rechtfertigungen für die ökologistischen Katastrophenszenarien gibt, geht Jürgen Liminski davon aus, dass viele Menschen in Europa an die mit der Öko-Ideologie verbundenen Mythen glauben, weil sie daran glauben wollen. Was gestern noch Kopfschütteln auslöste und als Ausdruck übersteigerter Ich-Bezogenheit oder Verantwortungsunfähigkeit wahrgenommen wurde, bekommt mit einem Mal den Anstrich moralischer Überlegenheit:

„Die Öko-Ideologie schafft ihre Alternativen, die Rettung des Planeten, das Überleben der Menschheit wird gegen das Leben des Menschen in Stellung gebracht. Dabei handelt es sich vielfach bei genauerem Hinsehen doch nur um Rechtfertigungen eines totalen Individualismus, von verständlichen Ängsten um den Planeten einmal abgesehen. Mit Wissenschaft und konsequentem Verhalten hat das jedenfalls nur wenig zu tun. Eher schon mit der knappen Feststellung des früheren Nestors der Politik-Wissenschaft, Karl-Dietrich Bracher, der Ideologie als ‚Selbstüberhöhung‘ definierte.“

Öko-Ideologen wollen Familien unter Rechtfertigungszwang setzen

Mit dem vermeintlich moralisch gerechtfertigten eigenen Verzicht auf Nachwuchs dürften sich die Öko-Ideologen, wie die jüngsten Forderungen Cochets zeigen, aber nicht begnügen. Vielmehr werden, so vermutet Liminski, die Öko-Ideologen kinderreiche Familien zunehmend unter Rechtfertigungszwang zu setzen versuchen:

„Familie wird ihre Selbstverständlichkeit rechtfertigen müssen. Kinderreiche (ab drei Kinder) werden rechtfertigen müssen, warum sie die Umwelt und damit die Menschheit ‚belasten‘. Es wird nicht viel nutzen darauf hinzuweisen, dass viele Genies und Persönlichkeiten als viertes, fünftes oder sechstes Kind in einer Familie zur Welt kamen (z. B. Amadeus Mozart, Johann Sebastian Bach, Otto von Bismarck, Freiherr vom Stein, Immanuel Kant, Franz Schubert, Carl Maria von Weber, Ludwig van Beethoven, Georg Friedrich Händel, usw. usf.). Genie und Geist zählen nicht in dieser neuen Ideologie.“

Liminski rechnet damit, dass die Öko-Ideologie zudem eugenischen Überlegungen Auftrieb geben wird. Neben der Rechtfertigung der Abtreibung werde dies auch den Apologeten der aktiven Sterbehilfe in die Hände spielen. „Das ist nur logisch: Wer gegen unproduktives Leben ist, der ist es am Anfang und am Ende“, erklärt der Publizist.

Dass die malthusianische Depopulationsideologie, die sich hinter dem Ökologismus verbirgt, ausgerechnet eine 16-jährige Schülerin mit Asperger-Syndrom als Aushängeschild erkoren hat, erscheint vor diesem Hintergrund doppelt zynisch: Immerhin hat die Geschichte gezeigt, dass überall dort, wo sich der Staat im Sinne einer limitierenden Ideologie anmaßt, zu bestimmen, wem Lebenschancen zustehen sollen und wem nicht, Menschen mit gesundheitlichen Gebrechen zu den Ersten gehören, deren Existenzberechtigung infrage gestellt wird.

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.