Islamisten, Linksextreme oder Satanisten? Kirchenschändungen in Frankreich weiter ungeklärt

Von 17. April 2019 Aktualisiert: 17. April 2019 18:28
Im Fall des Brandes der Kathedrale von Notre Dame in Paris konnte Brandstiftung schnell ausgeschlossen werden. Eine Reihe von Kirchenschändungen und auch Brandanschlägen gegen Kirchen in Frankreich bleibt jedoch weiter ungeklärt. Das Rätselraten geht weiter.

Eine abschließende Erklärung zur exakten Abfolge der Ereignisse, die zum Brand in der Kathedrale Notre Dame in Paris am Montagabend geführt hatten, liegt noch nicht vor. Die Brandermittler der Pariser Feuerwehr, die als Erste den Tatort untersucht haben, können jedoch eine absichtliche Brandstiftung ausschließen. Sie halten Fahrlässigkeit aufseiten der Mitarbeiter einer jener fünf Unternehmen, die mit Renovierungsarbeiten in der Kathedrale beauftragt sind, für die wahrscheinlichste Brandursache.

Manchen erscheint diese Beobachtung als vorschnell. Der „Daily Express“ berichtet über einen Auftritt des Bestsellerautors Ken Follett in der Fernsehshow „Good Morning Britain“. Darin hatte Follett seinen Argwohn ob der Geschwindigkeit zum Ausdruck gebracht, in der das Dach des altehrwürdigen Gebäudes Feuer gefangen hätte. „Da ist irgendwas faul“, meinte der Schriftsteller und verweist auf die Aussage eines Freundes, der Augenzeuge gewesen wäre.

Dieser habe erst kurz vor 19 Uhr den ersten Rauch bemerkt, eine halbe Stunde später habe es bereits eine Feuersbrunst gegeben.

Man könnte erwarten, dass ein Feuer, das große, schwere Eichenbretter erfasst, langsamer und mit höherer Rauchentwicklung brennt“, meint Follett.

Außer Spekulationen, unscharfen Videos wie jenem von einem Feuerwehrmann, der in sozialen Medien als vermeintlicher „Muslim“ mit Turban ausgegeben wurde, oder „Eilmeldungen“ auf gefakten Seiten wie „USfoxnews“, die einen „Terroranschlag“ bestätigten, erhärtet bis dato jedoch nichts die These, wonach der Brand mutwillig gelegt worden wäre.

Mehrere Übergriffe innerhalb von einer Woche

Im Fall des Brandes von Notre Dame steckt offenbar kein Anschlag dahinter. Dass in sozialen Medien vielfach diesbezügliche Befürchtungen die Runde machten, kam allerdings nicht ganz von ungefähr. Unter anderem war es AfD-Fraktionssprecherin Alice Weidel, die darauf aufmerksam machte, dass Frankreich allein in den vergangenen Monaten eine Reihe von Anschlägen Kirche zu verzeichnen hatte, die von Brandanschlägen bis hin zu schwerem Vandalismus reichten.

Einer der schwerwiegendsten Angriffe war der Brandanschlag auf die bekannte Kirche St. Sulpice im März dieses Jahres, der unmittelbar nach der Vormittagsmesse stattfand und der bis heute nicht aufgeklärt ist. In der Kirche, die im 17. Jahrhundert erbaut wurde, waren unter anderem drei Gemälde des Malers der Romantik, Eugène Delacroix, untergebracht. Zudem war sie Schauplatz der Verfilmung des bekannten Romans von Dan Brown „Sakrileg – der Da Vinci Code“.

„Newsweek“ führte jüngst noch weitere Fälle schweren Vandalismus‘ in französischen Kirchen an. Anfang des Jahres gab es einige Übergriffe, die für Aufsehen sorgten. Am 4. Februar wurde in der Kirche St. Nikolaus in Houilles, Yvelines, eine Statue der Jungfrau Maria zerstört. Einen Tag später setzten Unbekannte in der Kathedrale St. Alain in Lavaur ein Altartuch in Brand. Außerdem hatten die Täter Kreuze und Statuen heruntergerissen und beschädigt. Das Feuer wurde rechtzeitig bemerkt und konnte gelöscht werden. Der Bürgermeister der Gemeinde, Bernard Canyon, erklärte daraufhin in einem Statement an die ebenfalls noch unbekannten Täter: „Gott wird euch vergeben. Ich nicht.“

Nur einen weiteren Tag später, am 6. Februar, wurde in einer Kirche in Nîmes in den Tabernakel eingebrochen. Sakrale Gegenstände wurden auf dem Boden verstreut und eine Wand mit Exkrementen beschmiert. Am 9. Februar gab es einen ähnlichen Vorfall in der „Notre Dame“-Kirche von Dijon und am 10. Februar einen erneuten Angriff auf die Nikolauskirche in Houilles.

„Steigende Feindseligkeit gegen die Kirche und ihre Symbole“

Insgesamt soll es im Februar in ganz Frankreich 47 dokumentierte Schändungen von Kirchen und religiösen Stätten gegeben haben. Die Beobachtungsstelle von Intoleranz und Diskriminierung gegen Christen in Europa (OIDACE) spricht von einer Zunahme von Angriffen insbesondere gegen katholische Kirchen in den ersten beiden Monaten des Jahres um 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Direktorin der Vereinigung, Ellen Fantini, erklärte gegenüber „Newsweek“, dass die meisten Vorfälle dieser Art ungeklärt blieben und auch die Motive der Täter. Sie spricht von einer „steigenden Feindseligkeit gegen die Kirche und ihre Symbole“ und dass diese Akte der Kirchenschändung eine stärkere persönliche Note verrieten als bloße Sprayereien an Außenwände.

Die Hasskriminalität gegen christliche Einrichtungen kommt offenbar aus unterschiedlichen Richtungen. Radikal-islamische Terroristen hatten bereits mehrfach Anschläge auf christliche Einrichtungen oder Veranstaltungen mit christlichen Bezügen angedroht und zum Teil auch durchgeführt. Erst vor wenigen Monaten gab es bei einem Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt von Straßburg mehrere Tote. Kürzlich verurteilte ein französisches Gericht einen IS-Sympathisanten zu mehreren Jahren Haft, der vor drei Jahren einen Gaskanister-Anschlag auf die Kathedrale von Notre Dame geplant hatte.

Häme von Radikal-Islamisten, Anteilnahme aus der Gülen-Gemeinde

Vor allem aus arabischen Ländern und von mutmaßlichen Accounts arabischstämmiger Einwanderer in Frankreich kamen zum Teil hämische Kommentare oder Aufnahmen des Brandes wurden auf Facebook mit „Lach“-Smileys quittiert.

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Allerdings gab es auch Botschaften der Anteilnahme und des Mitgefühls aus islamischen Communitys, beispielsweise von türkischen Einwanderern in Deutschland. „Wo auch immer ein Feuer brennt, es trifft uns alle“, zitierte die „Stiftung Dialog und Bildung“ in Berlin ihren geistigen Mentor, den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen, und erklärt auf Facebook:

Die Bilder des brennenden Gotteshauses #NotreDame de Paris haben uns erschüttert. Unsere Gedanken und Gebete sind bei unseren französischen Nachbarn und Freunden.“

Hämisch äußerte sich demgegenüber die regierungsnahe, islamistische Zeitung „Yeni Akit“, die mit Bezug auf Notre Dame schlagzeilte: „Der Fluch der Türkei hat sich erfüllt.“

Neben radikalen Islamisten sind es jedoch auch vielfach linksextremistische Bestrebungen mit anarchistischem oder feministischem Schwerpunkt, die nicht nur Gewalt gegen die „patriarchalische“ Institution der Katholischen Kirche billigen, sondern diese zum Teil selbst anwenden.

Streit zwischen Black-Metal-Satanisten und Antifa über Nationalismus

Anders als beispielsweise in Teilen Italiens, wie etwa Turin, das eine starke diesbezügliche Szene aufweist, oder in skandinavischen Ländern ist der organisierte Satanismus in Frankreich wenig bedeutend, sodass die Wahrscheinlichkeit, dass die Übergriffe aus diesem Segment kommen, gering ist. Bedeutend sind in Frankreich allerdings vereinzelte Black-Metal-Bands wie Peste Noire, die im Zusammenhang mit Infiltrationsversuchen der Gelbwesten-Bewegung von sich Reden gemacht hatte.

Zwar teilen diese Vereinigungen mit Antifa und feministischen Gruppen die radikale Gegnerschaft zum Christentum, allerdings sind Linksextreme und Black-Metal-Satanisten einander spinnefeind, weil Letztgenannte starke Sympathien zum Neonationalsozialismus aufweisen. Allerdings könnte es Bestrebungen in diesem Spektrum geben, Kirchenschändungen als Teil einer Strategie der Spannung zu verüben – mit dem Ziel, den Hass zwischen Christen und Muslimen im Land anzustacheln.

Die Katholische Kirche hatte sich in der Öffentlichkeit kaum über die Vorfälle geäußert, möglicherweise um nicht noch Nachahmer anzustacheln. Premierminister Edouard Philippe hat am 13. Februar auf Twitter die Übergriffe auf Kirchen verurteilt:

„Fünf geschändete Kirchen in einer Woche in Frankreich. In unserer säkularen Republik respektieren wir Gebetsstätten. Akte wie diese schockieren mich und müssen einhellig verurteilt werden. Ich werde das auch den französischen Bischöfen im Rahmen unseres Dialogforums mitteilen.“

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.
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