Coronavirus: Ein weiterer Schlag für Chinas Wirtschaft – BIP könnte um 0,5 bis 1 Prozent sinken

Von 2. Februar 2020 Aktualisiert: 2. Februar 2020 11:49
Ökonomen sind für die chinesische Wirtschaft skeptisch, ob das Wirtschaftstief schon erreicht wurde. Die Ausbreitung des Coronavirus stärkt diese Bedenken. Ökonomen rechnen mit einem Schrumpfen des Wirtschaftswachstums von 0,5 bis 1 Prozentpunkten.

„Trotz des jüngsten Aufwärtstrends halten wir es für verfrüht, dass der gegenwärtige Wirtschaftszyklus sein Tief erreicht hat“, sagen Julian Evans-Pritchard und Martin Rasmussen von Capital Economics in einer Mitteilung.

Chinas Wirtschaft wuchs im Jahr 2019 um 6,1 Prozent, besagen offizielle Daten vom 24. Januar. Das war das niedrigste jährliche Wachstum seit fast drei Jahrzehnten. Die Wachstumsrate hat sich gegenüber 2018 um 6,6 Prozent verringert und liegt unterhalb der Grenze des offiziellen Ziels von 6 bis 6,5. China war dabei dem zunehmendem Druck eines schwachen Arbeitsmarktes, dem Handelskrieg zwischen den USA und China, in die Höhe schnellenden Fleischpreisen und der Nervosität der inländischen Banken ausgesetzt.

Evans-Pritchard und Rasmussen:

Der externe Gegenwind dürfte in den kommenden Quartalen dank des ‚Phase Eins‘-Handelsabkommens und einer Erholung des globalen Wachstums weiter nachlassen. Aber wir glauben, dass dies durch eine erneute Verlangsamung der Inlandsnachfrage ausgeglichen wird, was eine weitere Lockerung der Geldpolitik durch die Volksbank auslösen wird“.

Dadurch steigt der Druck auf die Behörden, die Wirtschaft zu stabilisieren. Der Abwärtsdruck wird auch das Ziel, die Größe der Wirtschaft in 10 Jahren zu verdoppeln, gefährden.

Im vergangenen Jahr haben die Behörden bereits einen gezielteren Ansatz zur Stimulierung gewählt – durch Steuerreformen, neue Anforderungen an die Bankreserven und Änderungen bei der Ausgabe von lokalen Staatsanleihen. Schon Anfang 2020 hat die Emission von lokalen Staatsanleihen die Zinsen von 2019 übertroffen. Dies könnte ein Anhaltspunkt dafür sein, dass die lokalen Regionen verstärkt Unterstützung benötigen.

Dafür spricht weiter, dass zwei Drittel der chinesischen Provinzen ihre Wachstumsziele für 2020 herabgesetzt haben. Denn eine sich verlangsamende Wirtschaft mindert die Einnahmen der Provinzen in Form von niedrigeren Steuern und einer sich verlangsamenden Wirtschaft.

Es werden somit weitere Anreize notwendig, um das Wachstum zu stimulieren. Doch es ist unklar, ob die chinesischen Behörden dadurch die Verschuldung anheizen und finanzielle Instabilität erzeugen.

Anlageinvestitionen etwas gestiegen

Die Anlageinvestitionen sind im Laufe des Jahres 2019 auf 5,4 Prozent gestiegen, wobei der Anstieg besonders im verarbeitenden Gewerbe spürbar war. Auch die Industrieproduktion stieg im Jahresvergleich von 6,2 Prozent auf 6,9 Prozent und lag damit über den Markterwartungen. Das könnte der Druck auf die chinesische Wirtschaft verringern.

Die Abkühlung der Handelsspannungen mit den USA durch die Unterzeichnung des „Phase Eins“-Handelsabkommens könnte den Druck auf die chinesische Wirtschaft ebenfalls etwas mindern. Es ist jedoch unklar, ob es sich dabei nur um eine vorübergehende Atempause handelt. Denn Analysten sind weiterhin skeptisch, ob das chinesische Regime die ehrgeizigen Verpflichtungen des Abkommens einhalten wird.

Es gibt daher zwar zaghafte Anzeichen dafür, dass sich die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt zu stabilisieren beginnt.

Coronavirus: Chinas BIP könnte um 0,5 bis 1 Prozent sinken

Der Ausbruch des Coronavirus ist ein weiterer Grund zur Besorgnis für die chinesische Wirtschaft. Die Wirtschaftstätigkeit könnte in einigen Gebieten zum Erliegen kommen.

Weil der Virus mit dem chinesischen Neujahr zusammenfiel, wo die Menschen normalerweise ihre Ausgaben für Reisen, Geschenke und Unterhaltung erhöhen würden, werden die Auswirkungen auf das Wachstum besonders ausgeprägt sein.

Dem Beratungsunternehmen Economist Business Intelligence Unit (Sitz England) zufolge könnte der Coronavirus das Wirtschaftswachstum Chinas um 0,5 bis 1 Prozentpunkte schmälern. Die zugrunde gelegte Modellrechnung basiert auf dem SARS-Ausbruch in den Jahren 2002 bis 2003. Auch andere Analysten sagen eine ähnliche Wachstumsabschwächung durch das Virus voraus.

Im Gegensatz zu den frühen 2000er Jahren ist Chinas Wirtschaft jedoch nicht mehr der Motor, der sie einst war. Um ihr Wachstumsziel zu erreichen, wird die chinesische Regierung gezieltere Anreize setzen müssen. Doch ob sie genug Munition hat, diesen Gegenwind auszusitzen, bleibt abzuwarten.

Das Original erschien in Epoch Times USA (deutsche Bearbeitung von [bm])

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Originalartikel:
China’s Economy Teeters as Coronavirus Hit

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.