Aus Sicht eines Piloten: Der Problemflieger F-35 für die Bundeswehr

Im März 2022 hat Verteidigungsministerin Lambrecht 35 F-35 Kampfjets in den USA bestellt. Schon damals waren die Probleme mit diesem Wunderwerk der Technik bekannt. Jetzt erst, nach sieben Monaten, wird darüber diskutiert. Und es stellt sich heraus, dass viele weitere Probleme existieren.
Titelbild
Drei F-35 Kampfjets über den Wolken.Foto: iStock
Von 25. Dezember 2022

Jetzt ist ans Tageslicht gekommen, dass für dieses Flugzeug erst ein Flugfeld umgebaut werden muss, damit die F-35 überhaupt in der BRD operieren können. Das wird Jahre dauern. Eine Frage ist dabei: Ein Flugfeld? Was ist mit Ausweichlandeplätzen? Was geschieht, wenn der Feind dieses eine Flugfeld zerstört? Man sieht schon, dass da noch gewaltige Folgekosten aufkommen werden.

Der nächste Punkt ist, dass die F-35 noch keine Betriebsgenehmigung in der EU, in der BRD, hat, für den Allwetterbetrieb. Dafür wird das Jahr 2026 genannt. Doch ob sie diese Genehmigung überhaupt erhalten wird, ist keineswegs gesichert.

Die F-35 wird von nur einem Haupttriebwerk angetrieben und es ist schon immer zumindest gewagt, sich mit nur einem Motor im Blindflug zu bewegen. Nicht nur das. Fällt dieser eine Motor aus, ist eine Notlandung oder ein Absturz unausweichlich. Der Starfighter, der sogenannte „Witwenmacher“, lässt grüßen.

Verteidigungsminister ohne Genderstern

Bei der Berichterstattung über die aktuelle Diskussion fällt auf, dass in den Monopolmedien gänzlich auf die übliche Genderei verzichtet wird. So muss man lesen, dass alle vorherigen „Verteidigungsminister“ auch Schuld tragen. Habe ich da etwas verpasst? Ich dachte, die beiden Vorgängerinnen von Frau Lambrecht waren Frauen, also Verteidigungsministerinnen. Frau von der Leyen und Frau Kramp-Karrenbauer.

Wie nicht anders zu erwarten war, wird nicht darüber diskutiert, ob diese unsinnige Entscheidung zum Kauf der Jets revidiert werden sollte. Vielleicht geht es ja darum, die US-Kriegsindustrie zu unterstützen; wer in einer deutschen Regierung wird sich mit dem Hegemon anlegen wollen.

Es ist nicht so, dass die Entscheidungsträger nicht über die Defizite der F-35 informiert gewesen wären. Ich war 30 Jahre Pilot bei der Lufthansa und flog im weltweiten Einsatz als Copilot und Kapitän. Aus diesen Erfahrungen heraus brachte ich meine Ausführungen zur Untauglichkeit der F-35 allen Parteien und Ministerien zur Kenntnis. Lesen Sie im Folgenden, welche Probleme mit der F-35 schon im März in aller Öffentlichkeit bekannt waren und warum dieses Flugzeug niemals hätte bestellt werden dürfen.

F-35 für die Bundeswehr? Der Starfighter lässt grüßen

Würden Sie ein Auto kaufen, von dem im Herstellerland bekannt ist, dass 845 Fehler eingebaut sind, von denen immerhin sechs zu einem tödlichen Unfall führen können? Oder gar ein Flugzeug? Das Kampfflugzeug F-35 aus US-Produktion befindet sich genau in diesem Zustand und die Bundesregierung will 35 Stück für etwa 15 Milliarden kaufen.

Die F-35 hatte vom Anfang ihrer Entwicklung massive Probleme, die die Indienststellung um Jahre verzögerte. Aber selbst nachdem die US-Luftwaffe die ersten Exemplare hatte, rissen die Probleme nicht ab. So musste zum Beispiel der Schleudersitz, mit dem sich Piloten aus einem abstürzenden Flugzeug retten sollen, komplett neu gestaltet werden. Es hatte sich herausgestellt, dass dieses Rettungsgerät selbst den Piloten bei Gebrauch umbringen kann. Das gesamte Projekt war zu anspruchsvoll ausgelegt und kostete schließlich ein Vielfaches der anvisierten Entwicklungskosten. Nach wie vor sind die Zuverlässigkeit und der Wartungsaufwand jenseits dessen, was von einem modernen Kampfflugzeug erwartet werden kann.

Auch was die Einsatztauglichkeit betrifft, ist die F-35 ein fragwürdiges Projekt. Sowohl was die Wendigkeit für den Luftkampf anlangt, als auch die Endgeschwindigkeit, kann dieser fliegende Computer nicht einmal mit dem Eurofighter mithalten. Zudem verlässt sie sich auf nur einen Motor und der ist so an seine Leistungsspitze getrieben, dass sich die Ausfälle häufen. Blöd nur, dass man notlanden oder abstürzen muss, wenn dieser eine Motor ausfällt….um sich dann einem Schleudersitz anzuvertrauen, der immer noch nicht das Gelbe vom Ei ist.

Das teuerste Flugzeug aller Zeiten hat die meisten bekannten Mängel

Die F-35 ist ein typisches Beispiel für das realitätsferne Vorgehen, das sich im Westen eingebürgert hat. Irgendwelche Strategen oder Kaufleute fordern ein neues Produkt mit großartigen Eigenschaften, ohne Rücksicht auf den Stand der Technik zu nehmen. Wie? Das gibt es noch nicht? Dann entwickelt es, und zwar in noch nie dagewesener Geschwindigkeit, wird den Ingenieuren aufgetragen. Die tun ihr Bestes, aber insbesondere wegen des Zeitdrucks sind die projizierten Lösungen weder ausgereift noch erprobt oder praxistauglich.

Jede F-35 wird mit Kosten von etwa 400 Millionen veranschlagt und da sind die Folgekosten für Wartung und Betrieb noch nicht dabei. Sie ist so das teuerste Flugzeug aller Zeiten und gleichzeitig dasjenige mit den meisten bekannten Mängeln.

ntv meldet dazu: „Die von der Bundesregierung bestellten F35-Tarnkappenjets weisen angeblich laut einem Pentagon-Bericht erhebliche Mängel auf. Das berichtet die Welt unter Berufung auf die NGO Project on Government Oversight (POGO). Demnach seien 845 Fehler an dem zukünftigen Bundeswehr-Jet festgestellt worden – sechs davon seien schwerwiegend und könnten zum Absturz führen. Die USA sollen bereits erste Konsequenzen aus dem Bericht gezogen haben. Statt der ursprünglich 94 F35-Jets will die US-Luftwaffe nur noch 61 bestellen.“

Die USA selbst haben also bereits die Reißleine gezogen. Das bringt den Hersteller Lockheed Martin in die Bredouille. Wer muss da aushelfen? Natürlich die BRD. 35 Stück sollen gekauft werden und das kompensiert den Ausfall an Bestellungen des US-Militärs reichlich.

Luftwaffen-Inspekteur Ingo Gerhartz sagt dazu nur, „Mit der F-35 bekomme die Bundeswehr das modernste Kampfflugzeug weltweit“. Modern aber untauglich, wie der neuste Bericht des Pentagon aufzeigt: Demnach seien die Jets sehr unzuverlässig. Die sogenannte Verfügbarkeit der F35-Flotten liegt bei nur 65 Prozent. Damit ist der Anteil der Jets gemeint, die jederzeit einsatzbereit sind und nicht wegen Wartungsarbeiten ausfallen. Der Standard für andere Flotten liegt zwischen 75 und 80 Prozent. Da befindet sich die F-35 zwar im Rahmen der allgemeinen Einsatzfähigkeit der Bundeswehr, aber das ist nicht alles.

Die „fliegenden Computer“ sind anfällig für Cyberattacken

Auch das Hochleistungstriebwerk der F-35 weist Probleme auf. Nach Angaben der Welt standen Ende September mehr als 50 US-F35 mit Motorausfall im Hangar – ein Mangel an Ersatzteilen soll die Probleme verursacht haben.

Im Pentagon-Bericht heißt es, dass der „Mangel an Ersatzteilbeständen und die begrenzten Reparaturkapazitäten auf Komponentenebene zu den Engpässen bei der Ersatzteilversorgung beitragen“, wie POGO berichtet. Nicht nur die Häufigkeit der F-35-Ausfälle wirkt sich auf die Gesamtleistung der Flotte aus, sondern auch die Dauer der Reparaturen. Wie POGO weiter schreibt, stellten Wartungsmitarbeiter fest, dass die Reparaturen im Durchschnitt mehr als doppelt so lange dauern wie ursprünglich von Lockheed Martin vorgesehen. Die Triebwerke der F-35, die Kabinenhaube und die Tarnkappenbeschichtung sind nur einige der Komponenten, die als Hauptursache für die langen Reparaturen genannt wurden.

Die F-35 soll den alten Tornado als Atomwaffenträger ersetzen. Ganz abgesehen davon, dass ich der Auffassung bin, dass Deutschland keine solchen Angriffswaffen haben sollte, liegt der Knackpunkt genau da. Wie die Welt berichtet, verzögert sich auch die Entwicklung eines Software-Updates, das die Kompatibilität mit bestimmten Freifall-Atombomben ermöglichen würde – ein wesentlicher Grund für das Interesse der deutschen Bundeswehr.

Da bliebe als Kaufargument nur noch die elektronische Ausstattung, aber auch da hakt es. Eine besondere Fähigkeit der F-35-Flotte soll die digitale Vernetzung aller Jets sein. Sie sollen als „fliegende Computer“ bezeichnet werden, so POGO. Doch genau das könnte die Flotte zunehmend anfällig für Cyberattacken machen. Cybersecurity-Tests hätten eine Reihe von Schwachstellen aufgedeckt. Kann dann jeder Hacker das Ding fernsteuern? Oder ist es sogar so, dass die USA damit die Kontrolle über alle Einsätze einer F-35 behalten, sie fernsteuern können wie eine Drohne?

Soll deutsches Geld wieder einen US-Rüstungskonzern retten?

Die F-35 ist als „Eierlegendewollmilchsau“ konzipiert worden. Sie sollte für alle Einsatzgebiete tauglich sein. Dass das nicht so einfach funktioniert, sollte man spätestens mit dem Starfighter F 104 G gelernt haben. Der wurde dann auch „Witwenmacher“ genannt. Aber die F-35 ist für russische Kampfjets wie Tontaubenschießen, wenn die sie erstmal im Visier haben. Die Russenjets sind bis 1.000 Km/h schneller und erheblich wendiger.

Im direkten Luftkampf haben die F-35 keine Chance. Was also hat die deutsche Regierung veranlasst, den neuen Witwenmacher zu bestellen? Ist es wieder so wie bei der F-18, dem veralteten Modell aus den 1970-er Jahren, die 2018 ursprünglich als Ersatz für die Tornados vorgesehen war? Soll wieder ein US-Rüstungskonzern mit deutschem Geld gerettet werden? Ich habe darüber berichtet.

Die Entscheidung für die Bestellung der F-35 fiel im Schatten der Ukraine-Krise. Sie ist also genauso ein unausgegorener Schnellschuss wie alles andere, was jetzt anlässlich der Krise angekündigt wird.

Eines ist gewiß: Die Bundeswehr braucht die F-35 nicht und sie ist viel zu teuer.

Zuerst erschienen bei Anderweltonline.com

Peter Haisenko war Pilot bei der Lufthansa und flog 30 Jahre im weltweiten Einsatz als Copilot und Kapitän. Seit 2004 ist er als freier Autor und Journalist tätig. Er ist Inhaber und Herausgeber des Online-Portals www.anderweltonline.com

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.


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