Von den Impeachment-Demokraten lernen

Von 10. Dezember 2019 Aktualisiert: 10. Dezember 2019 15:48
Was von den Impeachment-Demokraten, den Refugee-welcome-Protagonisten, den Klimaerhitzungs-Propheten gelernt werden kann, das ist das Gleiche, was vom dreijährigen Rotzlöffel gelernt werden kann, der sich an der Supermarktkasse auf dem Boden wälzt: Allen miteinander ist mit Argumenten nicht beizukommen.

Das Verhaltensrepertoire der frühkindlichen Trotzphase, in der außer dem unbedingten „ICH WILL!“ kein anderer Gedanke das Bewusstsein erfüllt, wird völlig zu unrecht belächelt.

Schließlich handelt es sich um ein Erfolgsrezept, das überall da eingesetzt werden kann, wo es dem Gegenspieler an den Mitteln oder am Mut fehlt, die solcherart Verbohrten mit der notwendigen Härte in die Schranken zu weisen.

Das Motiv, das insbesondere im US-Western immer wieder neu durchgespielt wurde, zeigt den edelmütigen Helden, der den schon besiegten Schurken laufen lässt. Doch Schurke bleibt Schurke, den Gnadenerweis seines Gegners sieht er als rachebedürftige Schande an und setzt alles daran, diesen in eine Falle zu locken und zu erschießen. Dass der Held am Ende regelmäßig doch siegt, ist Hollywood. Das schurkische Verhalten entspricht jedoch dem wahren Leben.

Seit Donald Trump seine Kandidatur für die Wahl  zum Präsidenten verkündete, erleben wir eine ununterbrochene Folge von Angriffen auf seine Person, die mit seiner Wahl nicht weniger, sondern mehr geworden sind. Es sind allesamt lächerliche Anschuldigungen, wie sie nur von fiesen Winkeladvokaten ersonnen werden können. Trump hat nichts getan, was dem Staat USA und seinen Bürgern geschadet hätte. Nichts.

Die fortwährenden Beschuldigungen und das jetzt kurz vor der Eröffnung stehende Impeachment-Verfahren dienen nur dazu, den eigenen Anhängern das Feinbild nicht abhanden kommen zu lassen – und weil jene Form der Demokratie, die in den USA und in der EU und in Deutschland  gepflegt wird, nur funktioniert, weil Verlass darauf ist, dass die Dummen unter den Wählern immer in der Mehrheit sein werden, gelingt es tatsächlich, jener Hälfte der Dummen, die den Demokraten nahestehen, Trump als Ungeheuer, Landesverräter und schwefelstinkenden Satan in die Hirnwindungen zu gravieren.

Wir Deutschen kennen für dieses Verhalten den Merksatz:

„Zähigkeit geht vor Fähigkeit!“

Der ominöse „QAnon“, dessen Hinweise auf tausende „versiegelte Anklagen“ lange die Hoffnung nährten, es würde dem Deep State in den USA bald an den Kragen gehen, ist nach einer längeren Pause zwar Anfang November wieder aufgetaucht, doch die Hoffnung, dass sich dieser Merksatz als umkehrbar erweisen könnte, bleibt nach wie vor unerfüllt.

Bis an diesen Punkt wollte ich gedanklich kommen, bevor ich darauf hinweise, dass das Muster „Zähigkeit geht vor Fähigkeit“ beileibe nicht auf den Krieg der Demokraten gegen Trump beschränkt ist, bevor ich darauf hinweise, dass die Zähigkeit des verstockten Lügners auch aller Wahrheit und allen Fakten vorgeht, solange diese nicht mit der gleichen Zähigkeit behauptet und vorgetragen wird.

So viele Überzeugungen glauben wir (selbst) gewonnen zu haben, nur weil sie oft und oft und ohne jedes Eingehen auf Argumente und Widersprüche stur wiederholt wurden!

Es ist jene Form der Demokratie, die in den USA und in der EU und in Deutschland  gepflegt wird, die nur funktioniert, weil Verlass darauf ist, dass die Dummen unter den Wählern immer in der Mehrheit sein werden, die uns zwingt, von den Impeachment-Demokraten zu lernen.

Clinton und Pelosi wissen: Es ist sinnlos und bringt nicht weiter, ja es schadet sogar der eigenen Position, auf die Argumente der Gegenseite einzugehen. Mit Zähigkeit stur und unbeirrbar die eigene Position zu vertreten, das ist es, was die Masse als „standhaft“ und wegen der Standhaftigkeit als „wahrhaft“ wahrnimmt.

Was bewegt die Masse der Deutschen, nach wie vor ehrfürchtig vor Angela Merkel auf die Knie zu sinken? Nur die Tatsache, dass sie nie, nie und nimmer auch nur ansatzweise auf die Argumente der Fähigeren, der Bedächtigeren, der Klügeren eingegangen ist, sondern einfach Tatsachen geschaffen und dies als alternativlos bezeichnet hat, mit der am Ende triumphierenden pragmatischen Ansage: „Nun sind sie halt mal da!“

Endlose Wiederholungen

Was bewegt die Masse der Deutschen, sich in Flugscham zu üben, sich CO2- und weltuntergangsschuldig zu fühlen, was bringt sie dazu, sich Fahrverboten und Energiesteuern zu unterwerfen, was lässt sie ruhig zusehen, wie die Sicherheit der Stromversorgung zielstrebig sabotiert wird? Es ist das unbeirrbare, jeglichem Gegenargument absolut unzugängliche Auftreten der Habecks und Baerbocks, der KGE, der Greta und der Luisa, gestützt von der traumwandlerischen Sicherheit einer Svenja Schulze, die im Hemde auf dem Dachfirst stehend nach dem Monde greift ohne abzustürzen, was ihr im wachen Zustand nie gelingen könnte.

Der Versuch, die irren Argumente zu widerlegen, ist nur sinnlos verschwendete Zeit und Kraft.

Denn wenn du glaubst, endlich überzeugend dargelegt zu haben, dass Trump keine Wahlkampfhilfe von Putin erhalten hat, macht der Gegner das nächste Fass auf und wirft ihm vor, er habe sein Amt missbraucht, indem er den frisch gewählten Präsidenten der Ukraine erpresst habe. Dass Wolodymyr Selenskyj selbst dieser Behauptung widerspricht, wird gar nicht erst zur Kenntnis genommen. Zähigkeit! Zähigkeit! Weiter! Noch einen drauf! Egal was, egal wie! Da kannst du wieder von vorne anfangen, und wenn du damit durch bist, hast du noch lange nicht gewonnen.

Es ist wie im Märchen von Hase und Igel. Mit impertinenter Zähigkeit spielen die beiden Igel dem überlegenen Hasen vor, sie seien die Schnelleren. Darüber ist der Hase elendiglich verreckt!

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Was von den Impeachment-Demokraten, den Refugee-welcome-Protagonisten, den Klimaerhitzungs-Propheten gelernt werden kann, das ist das Gleiche, was vom dreijährigen Rotzlöffel gelernt werden kann, der sich an der Supermarktkasse auf dem Boden wälzt: Allen miteinander ist mit Argumenten nicht beizukommen. Denn alle miteinander rechnen damit, dass ihre Wirkung auf die Menschen, die ihr Verhalten erleben, derart beeindruckt, dass sie die Rabenmutter auffordern, dem Kind doch das gewünschte Spielzeug nicht länger zu verweigern, bzw. am Wahltag eben für die zu stimmen, die es gegen die nicht totzukriegenden Ewiggestrigen so schwer haben.

Egoistische Querulanten und die Infantilisierung der Gesellschaft

Letztlich ist die Frage zu stellen, wie es soweit kommen konnte, dass renitente, egoistische Querulanten das Heft des Handelns in die Hand bekommen konnten. Beim dreijährigen Rotzlöffel wissen wir, dass es sich um einen genetisch vorprogrammierten Entwicklungsschritt handelt, bei dem es vom Verhalten der Eltern abhängt, wie schnell und wie erfolgreich er durchlaufen werden kann.

In der politischen Auseinandersetzung ist es nicht so einfach. Man könnte meinen, es habe in der Gesellschaft eine brutale Infantilisierung gegeben, so dass inzwischen niemand mehr da ist, der dem Trotzverhalten erzieherisch gewachsen wäre.

Wie denn auch, wo der vorangegangene letzte Satz von weiten Kreisen bereits selbst als außerhalb des politisch Korrekten liegend angesehen wird, weil schon die  Verwendung des autoritären Begriffs „Erziehung“ alle Alarmglocken schrillen lässt.

Was von den Impeachment-Demokraten, den Refugee-welcome-Protagonisten, den Klimaerhitzungs-Propheten  gelernt werden muss, das ist die Erkenntnis, dass der Erfolg an der Wahlurne nicht davon abhängt, wie intensiv man sich mit den falschen Argumenten des politischen Gegners befasst hat, und wie elegant man in der Lage wäre, diese zu widerlegen – würde einem unter den Anhängern des politischen Gegners denn jemand  zuhören – sondern davon, wie vollkommen es gelingt, die Argumente des politischen Gegners zu ignorieren, sie als „Quatsch“ oder „Unfug“ einfach abzutun und stattdessen das eigene Programm – rein und unverfälscht – zu vermitteln.

Egon W. Kreutzer ist Unternehmensberater, Autor und Verleger. Der Artikel erschien zuerst bei EGON W. KREUTZER.DE

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